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Vatikan: Briefe von Missbrauchsopfern rasch beantworten

Kardinal Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der Glaubenskongregation - ANSA

27/03/2017 10:42

Die Päpstliche Kinderschutzkommission will auch fortan die Mitarbeit und Beratung von Missbrauchsopfern in Anspruch nehmen. Das geht aus einer Erklärung der Kommission zu ihrer achten Plenarsitzung hervor, die am Wochenende in Rom zu Ende ging. Nach dem Austritt der irischen Missbrauchsüberlebenden Marie Collins aus der Kommission wolle man nun „neue Wege suchen“, um den Beitrag von Missbrauchsopfern für die Präventionsarbeit zu garantieren, heißt es in der Erklärung, die der Vatikan an diesem Montag veröffentlichte. Verschiedene Ansätze hierzu würden derzeit geprüft, um im Anschluss dem Papst vorgelegt zu werden.

Ausdrücklich sprach sich die Kommission auf ihrer Sitzung für einen engen Kontakt des Heiligen Stuhles zu Missbrauchsopfern aus: An den Vatikan gerichtete Briefe von Missbrauchsüberlebenden sollten „zeitnah“ und „persönlich“ beantwortet werden, hält die Kommission fest. Dies könne zu „weiterer Transparenz und Heilung“ beitragen, schreibt das Gremium, das sich mit einer entsprechenden Empfehlung bereits an die Glaubenskongregation gewandt hatte. Man sei sich darüber im Klaren, dass diese „besondere Aufgabe“ „klare und spezifische Ressourcen und Prozeduren“ erfordere, führt die Kommission weiter aus, die laut eigener Angaben entsprechende Vorschläge dem Papst unterbreiten will. Pater Hans Zollner, Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission, regte eine zentrale Stelle im Vatikan an, die sich solcher Post annimmt. 

Mit Blick auf die Beantwortung von Briefen von Missbrauchsopfern hatte der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation auf die Aufgaben der Ortsbischöfe verwiesen: „Dieser Akt der pastoralen Sorge ist eine Aufgabe der Bischöfe in ihren jeweiligen Teilkirchen und der Generaloberen der religiösen Institute. (…) Der persönliche Kontakt mit den Opfern sollte besser von den Ortsbischöfen unterhalten werden. (…) Es ist ein Missverständnis, dass dieses Dikasterium in Rom sich um alle Diözesen und religiösen Orden der Welt kümmern kann.“ Das sagte Kardinal Gerhard Ludwig Müller Anfang März in einem Interview mit der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“.

Müller reagierte mit dem Interview auf Vorwürfe von Marie Collins. Die Irin, die ihre Mitarbeit in der Päpstlichen Kinderschutzkommission aus Frustration über „mangelnde Kooperationsbereitschaft“ an der römischen Kurie beendet hatte, hatte mehreren Behörden im Vatikan zögerliches Handeln und mangelndes Interesse an der Arbeit der Missbrauchskommission vorgeworfen.

Der Austritt von Marie Collins aus der Kinderschutzkommission war ein zentrales Thema bei der aktuellen Plenarsitzung des Gremiums. Die Kommission drückte der Irin Dankbarkeit für die geleistete Arbeit aus und sprach ihr weitere Unterstützung für ihren Einsatz für Missbrauchsopfer zu. Collins hatte angegeben, sie werde im Bereich pädagogischer Fortbildungen für Bischöfe und Mitarbeiter der Römischen Kurie auch weiterhin mit der Päpstlichen Kinderschutzkommission zusammenarbeiten. 

(rv 27.03.2017 pr)

27/03/2017 10:42