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Unser Buchtipp: Graham Greene - Der Honorarkonsul

Graham Greene

04/11/2017 10:20

Argentinien Ende der 60er Jahre. Ein englischer Arzt namens Eduardo Plarr wird von einem Schulfreund und ehemaligen Priester in die Entführung eines US-Botschafters verwickelt und endet schließlich selbst als Entführter. Das ist die Ausgangssituation in Graham Greenes Roman „Der Honorarkonsul“ aus dem Jahr 1973. Der ehemalige Priester Pater Rivas hat eine Partisanengruppe gegründet. Durch die Entführung des Botschafters wollen sie die Freilassung politischer Gefangener in Paraguay erpressen. Einer der Gefangenen könnte sogar Plarrs Vater sein. Der Wunsch, sich der Gestaltung dieser Erde zu widmen; gegen Armut und Unterdrückung zu kämpfen, rückt den Priester in die Nähe der Theologie der Befreiung. Aber welche Mittel sind legitim, um korrupte gesellschaftliche Strukturen zu verändern?

Graham Greene schrieb im Vorwort:

„Ich kann mir Situationen denken, in denen ich eine Entführung billigen würde. Zum Beispiel, wenn es darum ginge, Menschen in einem tyrannischen System vor Folter zu retten, und wenn die Person, die als Geisel genommen wurde, natürlich politische Verantwortung trägt.“

Aber Graham Greene wäre nicht Graham Greene, wenn die Fronten so einfach zu unterscheiden wären. Denn die Partisanen entführen aus Versehen den Falschen, nämlich den britischen Honorarkonsul.

Allerdings stellt der versoffene Honorarkonsul kein politisches Druckmittel dar, vielmehr stand seine Entlassung kurz bevor. Die missglückte Entführungsaktion stellt die Partisanen letztlich vor die Entscheidung, ob sie den Honorarkonsul töten sollen, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden. Kann der Tod des Honorarkonsuls als Kollateralschaden in Kauf genommen werden?

Gegenüber dem Honorarkonsul gesteht Pater Rivas ein:

„Ich habe nie gedacht, dass es so weit kommen wird. Verstehen Sie - wäre es der amerikanische Botschafter gewesen - dann hätten sie bestimmt nachgegeben. Und ich hätte zehn Menschenleben gerettet. Nie hätte ich gedacht, dass ich einem das Leben nehmen müsste.“

Der Arzt Plarr ist nicht nur ein guter Bekannter des Honorarkonsuls, sondern auch der Liebhaber von dessen Frau. Als er bei einer ärztlichen Visite vom Honorarkonsul erkannt wird, darf er das Versteck aus Sicherheitsgründen nicht mehr verlassen. Die für Graham Greene typische Dreiecksbeziehung spitzt sich daraufhin zu.

Während alle Beteiligten darauf hoffen, die Forderungen der Entführer mögen erfüllt werden, schließt sich der Kreis der Sicherheitskräfte immer enger um ihr Versteck. Am Ende steht nicht nur das Leben eines Menschen auf dem Spiel.

Zum Mitschreiben: Graham Greene: Der Honorarkonsul. Zsolnay 1994, 2. Auflage. 14,90 Euro.

(rv 04.11.2017 sh)

04/11/2017 10:20