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D: Museumsdirektorin findet Ablassbrief mit Luthers Namen

Martin Luther - AP

20/10/2017 09:39

In der Schule hat es jedes Kind so gelernt: Die Reformation ist dadurch entstanden, dass Martin Luther den Ablasshandel entschieden ablehnte und bekämpfte. Das war vor (fast) genau 500 Jahren… und fünf Jahrhunderte später findet nun eine deutsche Museumsdirektorin just einen Ablassbrief mit Luthers Namen.

Die Leiterin des Weserrenaissance-Museum in Lemgo, Vera Lüpkes, erklärt im Gespräch mit dem Domradio, was es mit dem Brief auf sich hat. So habe Martin Luther bestimmt nicht „munter Ablassbriefe gekauft“, vielmehr habe er „nur einen“ solchen Ablassbrief erworben. „Und dieser eine wurde uns durch eine Abschrift von 1631 überliefert. Diese Abschrift liegt heute in der Nationalbibliothek in Madrid“, erläutert Lüpkes.

Aber wie kommt der Name Luthers auf den Ablassbrief? Die Antwort der Museumsdirektorin:

„Man kann festhalten, dass Martin Luther ein Kind seiner Zeit war, dass er in der vorreformatorischen Kirche sehr verwurzelt war. Man muss sich die damalige Situation vor Augen führen. Martin Luther lebte damals als Mönch in Erfurt im Augustiner-Eremitenkloster. Erfurt gehörte zur Kirchenprovinz Mainz. Und in dieser Kirchenprovinz durfte der Ablassprediger Johann Tetzel predigen. Ende März 1508 ist Tetzel nach Erfurt gekommen und hat dort den Ablass gepredigt – unter anderem in dem Augustiner-Eremitenkloster, in dem Luther Bruder war.“

Lüpkes hat den Hinweis auf den Ablassbrief mit Luthers Namen dadurch gefunden, dass sie sich mit dem System Ablass beschäftigte… und da habe sie „den Ablassbrief von Tetzel für das Augustiner-Emeritenkloster gesucht und ihn in den Archivalien der Nationalbibliothek in Madrid gefunden. Auf dem Brief stand der Name Martin Luder - wie sich Luther vorher nannte - zusammen mit den anderen Augustiner-Eremiten“.

Also, festzuhalten ist, dass Martin Luther mit vielen anderen Klosterbrüdern auf dem Ablassbrief stand, denn Papst Julius II. hatte angeordnet, dass für Klöster nicht mehr einzelne Ablassbriefe geschrieben werden sollten, sondern einer für das gesamte Kloster. Die Kopie der Abschrift aus Madrid wird nun in dem Katalog zur Ausstellung "Mach's Maul auf!" abgebildet, einer Ausstellung im Weserrenaissance-Museum in Lemgo.

(domradio 20.10.2017 mg)

20/10/2017 09:39