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Erzbischof zu Anschlag in Mogadischu: Nicht klein beigeben

Ein Ort der Zerstörung: Mogadischu - AP

16/10/2017 16:45

Über 300 Todesopfer hat das Attentat am Samstag in Somalias Hauptstadt Mogadischu gefordert, und immer noch erliegen Menschen den schweren Verletzungen, die sie bei dem Anschlag erlitten haben, der als der schlimmste in der Geschichte Somalias gilt. Ein Selbstmordattentäter brachte im Zentrum der Stadt einen mit Sprengstoff beladenen Laster zur Explosion, das Ausmaß der Zerstörung ist immens. Bischof von Dschibuti, Giorgio Bertin, ist der Apostolische Administrator von Mogadischu. Er appelliert an die Somalier, nicht klein beizugeben und sich bei der Suche nach Einheit nicht beirren zu lassen, sagt er im Gespräch mit Radio Vatikan.

„Ich würde sagen, auch wenn es eine Katastrophe ist, was passiert ist, so dürfen wir nicht verzweifeln. Das wäre ein doppeltes Attentat, wenn wir aufgeben würden. Ich denke, wir müssen weiter machen mit der Suche nach größerer Einheit in Somalia und innerhalb der internationalen Gemeinschaft, um dieses Problem anzugehen.“

Das Attentat sei nur das letzte, wenn auch bislang schrecklichste in einer langen Reihe von brutalen Anschlägen, die das Land in den vergangenen Jahren erschüttert haben, gibt der Bischof zu bedenken. Auch 15 Kinder, deren Schulbus von der Explosion erfasst wurde, sollen nach den Angaben von lokalen Rettungskräften unter den Opfern sein.

„Ich lebe seit 26 Jahren in dieser schwierige Situation Somalias, aber das ist das größte Attentat, das in Somalia je ausgeführt worden ist. Doch wenn man dort ist, dann scheint die Situation normal zu sein. Ich war fünf Tage lang in Baidoa und zwei Tage in Mogadischu. Natürlich war ich von Sicherheitskräften begleitet, aber die Somalier bewegen sich ganz normal. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass sie daran gewöhnt sind, immer mal wieder diese Anschläge zu erleben, aber deswegen nicht ihr Leben ändern.“

Es gebe mehrere gewaltbereite Gruppierungen, betont der Bischof, so dass es schwierig sei zu sagen, wer nun eigentlich hinter dem Attentat stünde, zu dem sich noch niemand bekannt hat. Besonders aktiv auf dem Territorium: die Gruppe Al-Shabaab, die auch Minderjährige rekrutiere und über viel Geld verfüge, so der Bischof mit Blick auf die – bislang noch nicht bestätigte - These, dass es diese islamistische Terrormiliz sei, die den Anschlag ausgeführt habe. Die Kirche versuche, vor allem mit Bildung gegen die Gewalt im Land anzugehen, erzählt der Bischof.

„Allein in Baidoa gibt es rund 254.000 Binnenflüchtlinge wegen der Dürre und der prekären Sicherheitslage. Wir bringen dort gerade einige Projekte auf den Weg, unter anderem für die Schulbildung der Vertriebenen aber auch bei der Gesundheitsversorgung. Es sind kleine Projekte, die wir aber leider aufgrund der Sicherheitslage derzeit nicht ausweiten können.“

(rv 16.10.2017 cs)

16/10/2017 16:45