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Angelus: Christentum ist mehr als Summe von Geboten

Papst Franziskus beim Angelusgebet - ANSA

08/10/2017 12:21

Gott hält sein Wort und rächt sich nicht, auch wenn er durch die Irrtümer und Sünden der Menschen enttäuscht ist: Über diese „große Neuheit des Christentums“ sprach Papst Franziskus an diesem Sonntag beim traditionellen Angelusgebet auf dem Petersplatz. Der Papst ging bei seinen Überlegungen vom Tagesevangelium aus, in dem Jesus vor seinen Gegnern in Jerusalem spricht und ihnen die Parabel des Weinbergs erläutert (Mt. 21,33-43). Der Besitzer des Weinbergs verpachtet ihn an Winzer, nachdem er den Wein gepflanzt hat, und geht fort.

„So wird die Loyalität dieser Winzer auf die Probe gestellt: der Weinberg ist ihnen anvertraut, sie müssen ihn hüten, Frucht erbringen lassen und dem Besitzer die Ernte übergeben.“ Doch die Winzer halten sich nicht an die Abmachung, sie töten und misshandeln die Diener, die der Herr geduldig immer wieder schickt, und machen auch vor seinem Sohn nicht halt.  

„Diese Erzählung illustriert auf allegorische Weise die Mahnungen, die die Propheten zur Geschichte Israels ausgesprochen hatten. Es ist eine Geschichte, die uns angeht: Man spricht vom Bündnis, das Gott mit der Menschheit eingehen wollte und zu dem er auch uns gerufen hat. Diese Bündnisgeschichte kennt jedoch, wie jede Liebesgeschichte, ihre positiven Momente, ist aber auch durch Verrat und Ablehnung gezeichnet.“

Die Neuheit des Christentums: Gott rächt sich nicht 

„Wenn nun der Besitzer des Weinbergs kommt: Was wird er mit solchen Winzern tun?“ ist die Frage, die Jesus seinen Zuhörern stellt. Für die ist klar: Böses wird mit Bösem vergolten werden. Doch diese Frage, so der Papst, unterstreicht, „dass die Enttäuschung Gottes über das bösartige Verhalten der Menschen nicht das letzte Wort ist! Hier liegt die große Neuheit des Christentums: Ein Gott, der, auch wenn er enttäuscht ist über unsere Irrtümer und unsere Sünden, sein Wort nicht bricht, nicht anhält und vor allem sich nicht rächt!“

Doch gerade durch die „verworfenen Ecksteine”, also durch Situationen von Schwäche und Sünde, bringe Gott seinen „neuen Wein”, die Barmherzigkeit, in Umlauf, so Franziskus. „Es gibt nur ein Hindernis für den hartnäckigen und zärtlichen Willen Gottes: unsere Arroganz und unsere Überheblichkeit, die manchmal auch Gewalt wird! Gegenüber diesen Verhaltensweisen und wo keine Früchte erbracht werden, behält das Wort Gottes all seine Kraft von Zurechtweisung und Mahnung: ,Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die erwarteten Früchte bringt.´“

Christentum ist nicht eine Summe aus Geboten

Es sei die Dringlichkeit, mit „Früchten des Guten” auf den Ruf des Herrn zu antworten, der uns dabei helfe, die Neuigkeit des Christentums zu verstehen, erläuterte der Papst. „Dieses ist nicht so sehr die Summe aus Geboten und moralischen Normen, sondern vor allem anderen ein Liebesangebot, das Gott, durch seinen Sohn an die Menschheit gerichtet hat und nach wie vor richtet.“

Dabei sei es nötig, aus dem eigenen Weinberg herauszutreten und den Geschwistern zu Diensten zu sein, die nicht mit uns seien, betonte der Papst, „um uns gegenseitig aufzurütteln und zu ermutigen, um uns zu erinnern, dass wir Weinberg des Herrn in jeder Umgebung sein müssen, auch den weiter entfernten und unwirtlichen.“

(rv 08.10.2017 cs)

08/10/2017 12:21