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Rom: Kampf dem Kindesmissbrauch via Internet

Phänomene wie Sextortion von Jugendlichen via Internet verbreiten sich schnell - AP

28/09/2017 09:38

Trolling, Cyber-Bullying, „Sextortion“ (sexuelle Erpressung) und Cyber Grooming: was sich wie Science-Fiction-Vokabel anhört, ist für viele Kinder und Heranwachsende bittere Realität. Denn sie sind im immer unkontrollierbarer scheinenden Internet vielfältigen Gefahren ausgesetzt, von denen die genannten nur einige darstellen. Die Würde von Kindern und Heranwachsenden in der digitalen Welt zu schützen, dieses Anliegen hat das Kinderschutzzentrum der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom dazu bewogen, einen großen Kongress zu diesem Thema auszurichten.

„Child dignity in the digital world“ ist der Titel des Kongresses, zu dem rund 150 Fachleute von 3. bis 6. Oktober in Rom tagen werden. Gemeinsam mit dem Kinderschutzzentrum firmieren die italienische Kinderhotline Telefono Azzurro und die britische Kinderschutzinitiative WeProtect als Ausrichter der Tagung, die unter der Schirmherrschaft des deutschen Bundesforschungsministeriums steht. Der Leiter des Kinderschutzzentrums Pater Hans Zollner hat die Initiative ins Leben gerufen. „Wir sehen, und zwar in verschiedenen Bereichen, dass das Internet ein wunderbares Instrument für Kommunikation und vieles mehr ist, aber eben auch große Gefahren birgt - besonders für jene, die der Gefahr sexuellen Missbrauchs durch und im Internet ausgesetzt sind,“ erklärt der Jesuit im Gespräch mit Radio Vatikan. Zwar sei das Problem bereits im Bewusstsein der Öffentlichkeit angekommen, doch das sei nicht genug.

Regierungsvertreter, Fachleute und Polizisten an einem Tisch

„Wir sehen, dass in vielen Bereichen über dieses Thema gesprochen wird, es gibt viele Konferenzen dazu, aber was wir bei diesem Kongress als einzigartig ansehen, ist, dass wir von Anfang an versucht haben, die entsprechenden Verantwortlichen auf höchster Ebene, Wissenschaft, Regierungen, NGOs wie UNICEF, aber auch die Polizei, Medienvertreter und Medienfirmen sowie die verschiedenen Religionen an einen Tisch zu bekommen,“ so der Jesuitenpater, der auch Mitglied der vatikanischen Kinderschutzkommission ist.

Der hochkarätig besetzte Kongress wurde nicht öffentlich ausgeschrieben, sondern die Teilnahme erfolgt auf persönliche Einladung. Eine Einladung, die so gut wie keine der Persönlichkeiten aus Politik, Gesellschaft, und Wissenschaft ausgeschlagen hat, zeigt sich Pater Zollner stolz über die Resonanz der Initiative: 

„Wir haben erfreulicherweise ohne große Anstrengungen alle wichtigen Wissenschaftler gewinnen können, an diesem Kongress teilzunehmen, das sind die Top-Leute aus Kanada, USA, Großbritannien, Deutschland und Italien, die zu diesem Thema seit Jahren und Jahrzehnten arbeiten, das heißt zum Thema sexueller Missbrauch von Minderjährigen im Internet. Diese setzen sich auch mit der Präventionsarbeit auseinander.“

Papst Franziskus sollen die Ergebnisse präsentiert werden

Mit Fachvorträgen und interdisziplinär aufgestellten Arbeitskreisen soll das Thema aus verschiedenen Gesichtspunkten beleuchtet werden, am Ende des Kongresses wollen die Teilnehmer dann Papst Franziskus höchstpersönlich die erarbeiteten Ergebnisse in Form einer „Erklärung zur Würde von Minderjährigen in der Digitalen Welt“ vorstellen. Am Freitag, dem letzten Kongresstag, ist eine Audienz bei dem Kirchenoberhaupt geplant, der das Thema der Missbrauchsprävention und –ahndung ganz oben auf seine Prioritätenliste gesetzt hat. Ziel der Ausrichter des Kongresses: die Erstellung von Leitlinien, „in denen diese verschiedenen wichtigsten Vertreter verschiedener Bereiche arbeiten müssen, damit das Internet eine sicherere Präsenz hat und Kinder nicht einem so hohen Risiko ausgesetzt sind, wie sie das heute sind,“ so der Wunsch von Pater Zollner.

Eine illustre Teilnehmerliste

Die Voraussetzungen für eine fruchtbare Auseinandersetzung mit dem Thema, die auch ins Konkrete übersetzt werden möge, sind gut: denn neben den Fachleuten und hochrangigen Vertretern verschiedener NGOs und Polizeieinheiten sind auch Politiker eingebunden, die sich in strategisch wichtigen Ländern um die Gesetzgebung kümmern: Staatssekretärin Quennet-Thielen aus dem deutschen Forschungsministerium und der Senatspräsident, die Bildungsministerin sowie die Reformministerin Italiens beispielsweise. Aus Großbritannien kommt Joanna Shields, eine Pionierin des Kinderschutzes im damals neuen Medium des Internets und spezielle Beauftragte der Regierung für Internetsicherheit. Weitere Teilnehmer aus der Politik sind Vertreter der britischen und der australischen Regierung sowie mehrere Botschafter beim Heiligen Stuhl wie jene Deutschlands, Annette Schavan. Auch der Vatikan selbst ist prominent vertreten: „Vom Heiligen Stuhl kommt der Kardinalstaatsekretär, der eine Ansprache halten wird, sowie zwei Kardinäle, von Manila Kardinal Tagle und von Nairobi, John Njue“, erzählt Pater Zollner.

Ein Video, Vorträge, Diskussion und Arbeitsgruppen

Die Stimme von Opfern sexuellen Missbrauchs eröffnet die Veranstaltung. „Wir werden mit einem kleinen Video beginnen, in dem dargestellt wird, welchen Schaden sexueller Missbrauch bei Kindern und Jugendlichen anrichtet. Wir haben uns entschieden, keine direkten Opfer einzuladen, weil es sich ja auch um sehr junge Menschen handeln würde und wir eine Retraumatisierung verhindern möchten.“ Stattdessen werden zehn Studierende aus verschiedenen Ländern und Universitäten, die in Rom ansässig sind, in den zehn Arbeitsgruppen ihre Sicht auf die digitale Welt einbringen.

Die Konferenz wird im Internet über youtube und den facebook-Auftritt des Kinderschutzzentrums übertragen, einschließlich aller Vorträge, Pressekonferenzen und der Audienz bei Papst Franziskus am Freitag.

(rv 28.09.2017 cs)

28/09/2017 09:38