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Papst Franziskus \ Predigten

Frühmesse: Dem schlechten Gewissen einen Namen geben

Franziskus bei der Morgenmesse

28/09/2017 11:50

„Erkenne dich selbst“: mit diesem Spruch, der das antike Orakel von Delphi zierte, könnte man auch die Predigt des Papstes bei der Frühmesse in der Casa Santa Marta zusammenfassen. Man dürfe keine Angst haben, so der Papst, „die Wahrheit über unser Leben zu sagen“, tief in sich zu gehen und die verborgenen Sünden und Gewissensbisse ans Licht zu holen und sie vor dem Herrn zu beichten, „damit er vergebe.“

Bei seinen Überlegungen ging Franziskus vom Tagesevangelium nach Lukas aus, in dem der Evangelist die Reaktionen des „Tetrachen Herodes“ auf die zunehmende Bekanntheit Jesu und seiner Predigten beschreibt. Papst Franziskus erinnert daran, dass einige Jesus mit Johannes dem Täufer oder dem Elias in Verbindung brachten, andere wiederum ihn für einen Propheten hielten. Herodes wusste also nicht, „was er denken sollte“, aber er „fühlte etwas im Inneren“, das „nicht Neugierde“ war, sondern „ein Reuegefühl in der Seele“, „im Herzen“. Er wollte Jesus und seine Wundertaten sehen, um „sich zu beruhigen“, aber dieser habe „keinen Zirkus vor ihm aufgeführt“, unterstrich Franziskus. Und so schickte Herodes Antipas Jesus zu Pilatus zurück, eine Entscheidung, die Jesus mit dem Tod bezahlen musste. Herodes hatte also „ein Verbrechen mit einem anderen verdeckt“, die „Reue mit einem anderen Verbrechen“, so wie derjenige, der „aus Furcht tötet“.

Die offene Wunde im Inneren

Die Reue stelle also nicht „ein einfaches Erinnern“ dar, sondern vielmehr „eine offene Wunde“, führe Franziskus aus.

„Eine Wunde, die, wenn wir im Leben schlechte Dinge getan haben, weh tut. Aber es ist eine verborgene Wunde, man sieht sie nicht; nicht einmal ich selbst sehe sie, denn ich gewöhne mich daran, sie zu tragen und schließlich wird sie stumpf. Sie ist da, einige berühren sie, aber die Wunde ist innerlich. Und wenn sie wehtut, spüren wir Reue. Nicht nur, dass ich mir dessen bewusst bin, schlechtes getan zu haben, sondern ich fühle es: im Herzen, im Körper, in der Seele, im Leben. Und daher rührt die Versuchung, das zu bedecken, um es nicht mehr zu spüren.“

Die Gnade des schlechten Gewissens

Doch vielmehr sei es „eine Gnade zu spüren, dass das Gewissen uns anklagt”. Auf der anderen Seite, wiederholte Franziskus, ist keiner von uns ein Heiliger. Es liege in der Natur des Menschen, die Sünden „der anderen“ und nicht die eigenen zu sehen.

„Wir müssen, erlaubt mir das Wort, die Wunde ,taufen´, das heißt ihr einen Namen geben,“ erklärte Franziskus. Doch wie stelle man das an? Vor allem anderen mit dem Gebet, betonte der Papst. „Der Herr hört auf dein Gebet. Dann prüfe dein Leben. ,Aber wenn ich nicht sehe, wo dieser Schmerz sitzt, woher er kommt, was soll ich dann machen?´ - Dann musst du jemanden bitten, dir zu helfen, auf dass die Wunde herauskomme und ihr dann einen Namen geben. Ich habe dieses Reuegefühl, weil ich dies und jenes getan habe, konkret. Die Konkretheit. Und das ist die wahre Demut vor Gott, Gott wird angesichts der Konkretheit gerührt.“

Die Konkretheit der kindlichen Beichte

Diese Konkretheit, erklärte der Papst, die Kinder in der Beichte zeigen. Die Konkretheit dessen, zu sagen, was man getan hat, um die „Wahrheit herauszulassen“. „Und so“, betont der Papst, „wird man geheilt“.

Die Wissenschaft, die Weisheit zu lernen, sich selbst anzuklagen. Ich klage mich selbst an, ich spüre den Schmerz der Wunde, ich tue alles, um zu wissen, woher dieses Symptom kommt und klage dann mich selbst an. Habt keine Angst vor der Reue und dem Gewissen: sie sind ein Symptom des Heils. Habt vielmehr Angst davor, sie zu verdecken, zu übertünchen, sie zu verstecken… Und so heilt uns der Herr.”

Um den „Mut zu Selbstanklage“ bat Papst Franziskus denn auch im abschließenden Gebet, um auf dem Weg der Vergebung vorwärts zu gehen.

(rv 28.09.2017 cs)

28/09/2017 11:50