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Papst Franziskus: „Mitleid geht unter die Haut“

Der Papst bei der Frühmesse in der Casa Santa Marta am Dienstag

19/09/2017 12:31

Echtes Mitleid geht unter die Haut. Daran hat der Papst an diesem Dienstag in seiner Frühmesse erinnert. In seiner Predigt in der Casa Santa Marta ging Franziskus in diesem Kontext auch kritisch auf unseren Umgang mit Bildern des Leidens in den Massenmedien ein.

Der Papst lenkte den Blick auf Witwen, Waisen und Fremde, die im Alten Testament „die Ärmsten der Sklaven“ gewesen seien, wie er formulierte. Jesus habe sich gerade um diese Menschen gekümmert. Das sei etwa an seiner Begegnung mit der Witwe von Naïn deutlich geworden, deren toten Sohn er wieder zum Leben erweckte (vgl. Lk 7, 11-17). Statt sich allein auf die Menschenmenge zu konzentrieren, die ihn umringte, habe er sich dem Leid dieser Mutter wirklich zugewandt, so der Papst. Franziskus erklärte dieses Mitgefühl näher:

„Mitleid ist ein Gefühl der Anteilnahme, ein Gefühl des Herzens, des Inneren, das alles miteinbezieht. Es ist nicht dasselbe wie Bedauern oder zu sagen: ,Wie schade, diese armen Leute!’ Nein, das ist nicht dasselbe. Mitleid bezieht mit ein, es bedeutet, mitzuleiden. Das ist Mitleid. Der Herr fühlt mit einer Witwe und einem Kind. ,Du hast doch eine ganze Menschenmenge hier, zu der du sprechen kannst. Lass doch, so ist doch das Leben, solche Tragödien passieren eben.‘ Nein, für Ihn waren diese Witwe und dieser tote Waise wichtiger als die Menschenmenge, zu der er sprach und die ihm folgte. Warum? Weil sein Herz, sein Inneres mitfühlten. Der Herr nahm in diesem Fall Anteil; er hatte Mitleid.“

Mitleid, Annähern, Zurückgeben

Mitleid zu haben führe dazu, sich anzunähern, führte der Papst weiter aus. Man könne ja viele Dinge auch ansehen, ohne sich ihnen wirklich zu nähern. Echtes Mitleiden bedeute dagegen, sich zu bewegen - innerlich wie äußerlich:

„Sich annähern und die Wirklichkeit berühren. Sie berühren. Nicht sie von Weitem ansehen. Jesus hatte Mitleid – erstes Wort – und er näherte sich – zweites Wort. Dann vollbrachte er das Wunder und sagte nicht: ,Auf Wiedersehen, ich gehe weiter‘. Nein. Er nimmt diesen Jungen und sagt: ,Gib ihn seiner Mutter zurück‘. Zurückgeben – das ist das dritte Wort. Jesus vollbringt Wunder, um zurückzugeben, um die Menschen auf seinen eigenen Platz zu setzen. Das ist es, was Er mit der Erlösung tat. Er hatte Mitleid – Gott hatte Mitleid – er nähert sich uns durch seinen Sohn und gab uns allen Würde als Kinder Gottes zurück. Er hat uns alle neu geschaffen.“

Der Papst rief seine Zuhörer auf, sich an Christus ein Beispiel zu nehmen und sich den Bedürftigen wirklich anzunähern, statt ihnen aus der Ferne zu helfen. Es sei ein Unterschied, aus sicherem Abstand Bedauern zu äußern oder sich hingegen wirklich dem Leid anderer zu öffnen.

„Wie oft sehen wir diese Tragödien in den Nachrichten im Fernsehen oder in den Zeitungen… ,Guck mal, in diesem Land haben die Kinder nichts zu essen, in jenem sind sie Kindersoldaten, dort sind die Frauen Sklaven, und dort… oje, was für ein Elend! Diese armen Leute…‘ Und dann blättere ich um und lese meinen Roman oder schau mir die Fernsehserie nach den Nachrichten an. Das ist nicht christlich. Die Frage, die ich jetzt allen, auch mir selbst, stellen möchte, lautet: ,Bin ich zu Mitleid fähig? Dazu fähig, zu beten? Wenn ich zu Hause solche Sachen in den Medien sehe… bewegt sich da was in meinem Inneren? Fühlt mein Herz mit diesen Menschen mit oder fühle ich nur ein wenig Bedauern und sage: ,ach ja, diese Armen..‘. – Wenn wir kein Mitleid empfinden können, sollten wir um diese Gnade bitten: ,Herr, gib mir die Gnade des Mitleids‘!“

Christliches Wirken zeichne sich dadurch aus, das Leid anderer mitzutragen, hielt der Papst fest: auf diese Weise würden diejenigen, die leiden, „der Gesellschaft, dem Familienleben, dem Alltag zurückgegeben“, formulierte er.

(rv 19.07.2017 pr)

19/09/2017 12:31