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Westafrika: Neue Eskalation des Terrors durch Boko Haram

Boko Haram-Kämpfer mit Gefangenen in Nigeria. - REUTERS

05/09/2017 10:54

Die Gewalt durch die afrikanische Terrorgruppe Boko Haram hat einen neuen traurigen Höhepunkt erreicht. In den beiden Westafrikanischen Ländern Kamerun und Nigeria wurden mit 381 Toten seit Anfang April mehr als doppelt so viele Opfer gezählt wie in den fünf Vormonaten. Nach Informationen der Menschenrechtsorganisation Amnesty International ist die neue perfide Taktik der Terrorsekte, Frauen und Mädchen dazu zu zwingen, sich an belebten Orten in die Luft zu sprengen.

In Nigeria gab es allein im August 100 Tote durch Terroranschläge, seit April waren es 223. „In den vergangenen Monaten mussten wir einen erschreckenden Anstieg der Anschläge durch Boko Haram beobachten“, erklärt Franziska Ulm-Düsterhöft, Afrika-Expertin von Amnesty International Deutschland. 81 Tote durch Selbstmordanschläge, viele weitere Tote durch gezielte Angriffe von Dörfern, bei denen Einwohner zusammengetrieben und beschossen werden.

In Kamerun liegt die Zahl der Todesopfer seit April diesen Jahres bei 158. Pro Woche hat es seitdem mindestens einen Terroranschlag gegeben. Die meisten Opfer zählt ein Anschlag in einem Videospiel-Zentrum, in dem sich ein junges Mädchen in die Luft sprengen musste und dabei 16 Menschen mit in den Tod riss und 34 weitere verletzt wurden.

Menschen leiden zudem an Nahrungsmittelknappheit

In beiden Ländern leiden insgesamt über sieben Millionen Menschen unter extremer Nahrungsmittelknappheit, 515.000 Kinder unter akuter Mangelernährung. 2,3 Millionen Menschen wurden aus ihrer Heimat vertrieben. In einigen Gebieten im Nordosten von Nigeria müssen Hilfsorganisationen ihre Einsätze aus Sicherheitsgründen beenden. Die Menschen bleiben zurück ohne Gesundheitsversorgung, ohne Schulen, ohne eine funktionierende Infrastruktur.

„Die Sicherstellung der Versorgung und der Schutz von Schutzbedürftigen in beiden Ländern muss absolute Priorität haben. Gleichzeitig muss die internationale Gemeinschaft, darunter auch Deutschland, mehr tun“, mahnt die Menschenrechtsaktivistin an. Neben Kamerun und Nigeria kämpfen auch der Tschad und Niger gegen den Terrorismus und haben gleichzeitig hunderttausende Flüchtlinge zu versorgen. Auch hier sei mehr Unterstützung durch die EU und Deutschland notwendig, so Ulm-Düsterhöft.

(pm 05.09.2017 nh)

05/09/2017 10:54