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Brasilien: Amazonasgebiet im Ausverkauf

Regenwald des Amazonas-Gebietes - ANSA

27/08/2017 10:59

Per Dekret hat Brasiliens Präsident Michel Temer ein Sperrgebiet des Amazonas-Regenwaldes für den Bergbau freigegeben. Damit sind mehrere Naturschutzgebiete und der Lebensraum indigener Völker in dem riesigen Territorium nördlich des Amazonas akut bedroht; Wirtschaftsunternehmen sollen dort fortan Metalle abbauen können.

Natur und indigener Lebensraum in Gefahr

„Das ist ein riesiges Gebiet, in dem sich zwei indigene Lebensräume und verschiedene Naturschutzgebiete befinden und das flächenmäßig größer als Dänemark ist. Es geht um einen ganzen Komplex an Reservaten, der mit dieser Entscheidung privaten Firmen zugänglich gemacht wird“, sagt Flavio Giovenale, Erzbischof von Sanarém im brasilianischen Bundesstaat Pará, in dem ein Teil des insgesamt 47.000 Quadratkilometer umfassenden Naturraums liegt.

„Das Amazonas-Gebiet wird seit vielen Jahren als riesige Schatzkammer gesehen. So richtet sich das Interesse der großen Bergbauindustrien auf den Abbau von Gold, Mangan, Kuper und sehr seltener Metalle in dieser Region. Diese großen Vorkommen befinden sich nicht in der Tiefe, sondern in relativ erreichbaren Schichten.“

Unterschrift mit verheerender Wirkung

Das Vorgehen des Präsidenten sei unerhört und habe die Brasilianer völlig „überrascht“, kommentiert der Erzbischof Temers Entscheidung vom 23. August, mit der dieser sich über die Bedenken der Umweltschützer, Oppositions- und Kirchenvertreter hinweggesetzte. Der Senator aus dem Bundesstaat Amapá, Randolphe Rodrigues, auf dem sich ein Teil des Gebietes befindet, brandmarkte den Schritt als „schlimmstes Verbrechen gegen den Amazonas-Regenwald seit 1970“. Der umstrittene Präsident versuche mit dem Dekret letztlich seine Position zu sichern, so Erzbischof Giovenale. Im Kampf um sein politisches Überleben liefert er den Regenwald samt dessen Einwohnern sozusagen ans Messer – beziehungsweise an die Motorsäge und den Bagger.

„Seit einigen Monaten befinden wir uns in Brasilien einer politisch sehr besonderen Situation, in der sich der Präsident aufgrund von Verhandlungen an der Regierung hält. Es gibt also so manchen Skandal, Temer verhandelt mit Teilen des Senats und der Parlamentarier. Das Dekret über das Amazonasgebiet ist Frucht seiner letzten Abmachung mit der wirtschaftlich stärkste Gruppe im Parlament.“

Diese Interessengruppe vereint die Agrarfraktion und Parteien, die von der Großindustrie unterstützt werden. Es gehe hier um wirtschaftlichen Gewinn aus Bergbau und Holzindustrie und um Weideland für die Rinderindustrie, führt der Erzbischof aus. Die Ortskirche informiere sich gerade über mögliche rechtliche und politische Schritte, um gegen das Dekret vorzugehen, so Giovenale weiter: Die Kirche will nicht zulassen, dass der einzigartige Naturreichtum zerstört und die Rechte der Indigenen mit Füßen getreten werden.

(rv 27.08.2017 pr)

27/08/2017 10:59