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Pakistan: Christ stirbt im Gefängnis - Anzeichen von Folter

Paul Bhatti (mitte) - AFP

19/08/2017 11:11

Er starb im Gefängnis, weil er Christ war: Der 38jährige Indaryas Ghulam wurde zusammen mit 41 weiteren Christen wegen einem Angriff auf zwei Muslime angeklagt und zum Tode verurteilt. Die Tat sei im März 2015 geschehen. Angeblich hätten die Christen zwei Muslime angegriffen, nach Attentate bei zwei Kirchen in Youhanabad, bei der 19 Menschen starben.

Indaryas Ghulam hat sich immer für unschuldig erklärt. Die Frau und die Tochter von Indaryas sagten der Britisch-pakistanischen Christenvereinigung BPCA, dass sie „offensichtliche Anzeichen von Folter“ bei Indaryas vorgefunden hätten. Auch sei er an Tuberkulose erkrankt und im Gefängnis hätte sich niemand medizinisch um ihn gekümmert. Die Staatsanwalt hatte den verurteilten Christen – auch Indaryas Ghulam – angeboten, sie freizulassen, falls sie sich zum Islam konvertieren würden. Indaryas hatte das Angebot abgelehnt und publik gemacht, was zu Protesten von Seiten der Christen in Pakistan führte. Mit dem Tod von Ghulam ist die Zahl der Christen in Pakistan, die in der letzten Zeit im Gefängnis gestorben sind, auf fünf gestiegen.

Angebot, sich zum Islam zu bekehren

Dennoch glaubt der christliche Politiker Paul Bhatti aus Pakistan nicht, dass sich die Lage der Christen im Großen und Ganzen sehr verschlechtert habe. Paul Bhatti ist der Bruder von Shahbaz Bhatti, der Minister für die Minderheiten war und 2011 wegen seiner Verteidigung für die Christen in Pakistan getötet wurde.

Im Gespräch mit Radio Vatikan sagt Paul Bhatti: „In gewisser Weise ist die Lage in den vergangen vier bis fünf Jahre ein bisschen besser geworden, denn Terroristen, die gegen Christen vorgingen, wurden verhaftet und viele pakistanische Politiker setzen sich auch für die Christen ein. Das Problem ist vielmehr in der Bevölkerung selber zu suchen: da gibt es noch etliche islamische Fundamentalisten.“

Der Umgang mit dem islamischen Fundamentalismus sei in Pakistan – und wohl nicht nur dort – sehr schwierig und komplex, räumt Bhatti ein. Viele Muslime seien selber Opfer dieser Ideologie. Auch beim Fall von Ghulam könne der islamistische Extremismus eine Rolle gespielt haben. „Einer unserer Anwälte hat uns mitgeteilt, dass der bisher Mühe hatte, den Fall von Indaryas zu verfolgen“, berichtet Bhatti. „Sein Tod könnte einen Zusammenhang haben, mit diesen juristischen Schwierigkeiten. Die Tatsache, dass man ihn zwingen wollte, zum Islam zu konvertieren, lässt uns das vermuten. Dieser Zwang könnte auch durch Folter geschehen sein. Aber ich kann mich dazu nicht äußern, weil ich keine Beweise habe.“

Keine Beweise

Das Grundproblem sei wie immer das Blasphemiegesetz, bei dem es genügt, dass ein Muslim einen Christen der „Gottesbeleidigung“ anklagt, schon wird der Christ verhaftet und verurteilt. Weltweit für Schlagzeilen sorgte der Fall von Asia Bibi, die seit 2009 im Gefängnis sitzt und zum Tode verurteilt wurde. Die Tatsache, dass die internationalen Medien über sie berichtet haben, lässt sie wohl noch am Leben.

„Die jüngsten Meldungen sind noch von 2016, als wir mit Regierungsvertretern und Richtern gesprochen hatten. Sie hatten uns gesagt, dass die Todesstrafe in dem Fall nicht akzeptabel sei. Es gebe viele juristische Fehler. Das bedeutet, dass sie zumindest auf Kaution hätte frei kommen sollen.“

Dass dies noch nicht geschehen sei, läge an der politischen Instabilität des Landes, räumt Paul Bhatti ein. Er werde aber weiterhin für sie kämpfen.

(rv 19.08.2017 mg)

 

19/08/2017 11:11