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Zentralafrika: Friedensprozess „auf gutem Weg“

Frauen in der Hauptstadt Bangui - AP

16/07/2017 09:00

Der Friedensprozess in Zentralafrika ist nach der Unterzeichnung der Übereinkunft zwischen den Konfliktparteien am 20. Juni auf einem guten Weg. Davon zeigt sich einer der Vermittler, Mauro Garofalo von der römischen Basisgemeinschaft Sant' Egidio, im Gespräch mit Radio Vatikan überzeugt. Er ist verantwortlich für die internationalen Beziehungen der Basisgemeinschaft und gerade von einer Reise nach Bangui zurückgekehrt.

Die Delegation der Basisgemeinschaft ist in Zentralafrika auch von Staatspräsident Faustin-Archange Touadéra empfangen worden. Gespräche mit Kirchenvertretern, Angehörigen der Rebellengruppen und Verantwortlichen aus Gesellschaft und Politik standen ebenfalls auf dem Programm. Garofalo betont, dass hart an der Umsetzung des Friedensabkommens, seiner Akzeptanz und Bekanntmachung gearbeitet werde.

„Wir arbeiten an der Realisierung der konkreten Maßnahmen, um die bewaffneten Gruppen von der Ernsthaftigkeit dieser Übereinkunft zu überzeugen, und wir arbeiten an der Gründung des so genannten comité de suivi, zu dem alle Unterzeichner der Übereinkunft und noch andere gehören werden, um nach und nach die Maßnahmen abzusegnen. Es besteht Hoffnung, dass es nun zügig voran geht.“ Teilnehmen sollen dabei Vertreter der örtlichen Behörden und der Regierung, doch auch der Rebellengruppen und der Gemeinschaft Sant´ Egidio. Bereits in der kommenden Woche könnte die Gruppe ihre Arbeit aufnehmen. Vierzehn bewaffnete Gruppierungen sind dem Abkommen mittlerweile beigetreten, doch es besteht nach wie vor „Sorge wegen der Gewalt“, gibt Garofalo zu bedenken, der gleichzeitig mahnt: „Die Kriegswirtschaft muss ein Ende haben.“ Im Vordergrund stehe eine effektive Entwaffnung der Rebellen, doch auch koordinierte Hilfe dabei, ein neues, friedliches Leben zu beginnen.

Regierung kontrolliert weite Teile des Landes nicht

„Die Realität sieht so aus, dass weite Gebiete im Norden und Osten des Landes von der Regierung nicht kontrolliert werden, es gibt keine Grenzkontrollen, und Bodenschätze wie Mineralien und Wälder werden abgebaut – und es sind die bewaffneten Rebellen, die diese Aktivitäten kontrollieren. Das kommt nicht der Allgemeinheit zugute.“

Man dürfe die Schwierigkeiten zwar nicht unterschätzen, doch es bestehe dennoch große Hoffnung für den Aufbau eines „neuen Zentralafrikas“, beschreibt Garofalo die Stimmung in dem Land. Besonders heiße Eisen: „Die Gerechtigkeit, die Versöhnung, die Entwaffnung und die effektive Kontrollübernahme durch den Staat.“ Der Staat müsse wohl „von Null an, inklusive der Legitimierung der Staatsgewalt, wieder aufgebaut werden“, meint Garofalo.

Zwei Jahre nach dem Papstbesuch

Kritiker haben an dem Ankommen bemängelt, das darin Straftätern Straffreiheit zugesichert werde. Dem widerspricht der Vermittler der Basisgemeinschaft entschieden: „Das ist definitiv nicht richtig. Das Abkommen respektiert alle Instanzen von internationaler Gerechtigkeit, aber es bietet einen vernünftigen Ausweg, was die internationalen Sanktionen betrifft – allerdings erst ab dem Beginn des Entwaffnungsprozesses.“

Die Hoffnung, die für die Zukunft des Landes in der Luft liegt, hängt auch eng mit dem Besuch von Papst Franziskus in Zentralafrika zusammen, sagt Garofalo. Allerorten sei er gefragt worden, ob ein zweiter Besuch des Papstes, der im November 2015 in Bangui die erste Heilige Pforte des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit geöffnet hatte, möglich sei:

„Der zweitägige Besuch von Papst Franziskus in Bangui hat sehr klar gezeigt, dass ein Zusammenleben möglich ist, dass es zwar politische und militärische Pläne gibt, die das verhindern wollen, aber dass das Volk zusammen leben möchte und dass es in Frieden leben möchte.“ 

(rv 16.07.2017 cs)

16/07/2017 09:00