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„Papst hat nie daran gedacht, Ägyptenreise abzusagen”

Ägypterin vor einem Papstplakat - REUTERS

27/04/2017 14:22

Papst Franziskus hat „niemals daran gedacht, die Reise nach Ägypten abzusagen”: Das bestätigt Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin jetzt in einem Interview für den Vatikansender CTV. An diesem Freitag wird Papst Franziskus zu einem Kurzbesuch in die ägyptische Hauptstadt Kairo aufbrechen, im Vorfeld wurde wegen der wiederholten blutigen Anschläge auf die christliche Minderheit im Land über eine Absage der Papstreise spekuliert. Doch, so Kardinal Parolin, der Papst habe eine Absage nie in Betracht gezogen, denn „er will sich präsent zeigen, er will dort sein, wo es Episoden von Gewalt oder Konfliktsituationen gibt, in diesem Fall eben in Ägypten.“ Außerdem wolle er, so die Nummer Zwei des Vatikans weiter, „ein Botschafter des Friedens sein, um da, wo es am nötigsten ist, den Frieden zu verkünden und für den Frieden zu wirken.“

„Ägypten braucht jemanden, der Frieden verkündet“

Dies unternehme der Papst einerseits „mit seinen Worten, bei den verschiedenen Treffen, aber vor allem mit seiner Anwesenheit, einer Anwesenheit der Nähe, der Solidarität, der Ermutigung“. Der Papst reise gerade deshalb nach Ägypten, weil Ägypten jemanden „braucht, der den Frieden verkündet und versucht, für den Frieden zu wirken,“ so die Einschätzung des Kurienkardinals.

Seit Monaten ist die Situation für die christliche Minderheit in Ägypten angespannt, mehrere schwere Anschläge, die jüngsten erst vom Palmsonntag, hatten Dutzende von Todesopfern gefordert. Parolin: „Die Regierung muss alles in ihrer Macht Stehende tun, um die ägyptischen Bürger zu schützen, zu welcher sozialen oder religiösen Gemeinschaft sie auch immer zählen. Doch offensichtlich ist die Herausforderung durch den Terrorismus eine Herausforderung, die viel weiter geht, die sich nicht auf Fragen der Sicherheit beschränkt.“

„Nicht nur Sicherheitsfragen“

Es müsse daran gearbeitet werden, dem Terrorismus seine Grundlagen zu entziehen, so die Überlegungen des Verantwortlichen für die Vatikandiplomatie. Dies sei zwar einerseits Aufgabe der Regierenden, doch müsse auch die gesamte Gesellschaft bei einer „Erziehung zum Frieden“ und zum Respekt vor den anderen Religionen einbezogen werden. „Davon geht alles aus. Ich denke, die Frage der Wortwahl ist grundlegend. Wenn man eine Sprache benutzt, die Gewalt vermittelt, dann kann das auch zu Gewalttaten führen. Wenn man hingegen eine Sprche des Friedens, des Respekts und der Versöhnung verwendet, wird das sicherlich seine positiven Früchte tragen." Gerade den jungen Menschen müsse „ein Sinn des Lebens“ vermittelt werden, so Parolin: „Man muss ihnen Werte anbieten, für die es sich lohnt, zu leben, sich einzusetzen und zu kämpfen, und nicht hingegen in diesem Strudel von Gewalt und Zerstörung zu versinken, der wirklich sinnlos ist.“

Gemeinsamer Friedensappell

Ein erneuter gemeinsamer Appell von Islam und Christentum zum Frieden sei wohl von dieser Reise des Papstes zu erwarten, so die Einschätzung des Kardinals. Papst Franziskus wird gemeinsam mit dem Großscheich der al-Azhar-Universität und mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. auf einer Friedenskonferenz an der Kairoer Universität sprechen. Der Dialog zwischen der al-Azhar und dem Vatikan sei nun seit fast einem Jahr wieder offiziell aufgenommen worden, und mehrere gemeinsame Dialog-Initiativen seien in der Zwischenzeit angestoßen worden, erinnert Kardinal Parolin.

Von Anfang an seines Pontifikates habe Papst Franziskus großen Wert auf den Dialog gelegt, so unter anderem in seiner ersten Apostolischen Exhortation Evangelii Gaudium, betont der Kardinal: „Der Papst hat immer gesagt, dass der Dialog unerlässlich und fundamental für den Frieden in der Welt ist. Und alle Religionen müssen sich dafür verantwortlich fühlen und in diesem Sinn arbeiten. Und dieser Dialog muss in eine Begegnung münden und in eine Zusammenarbeit für das Gemeinwohl. Ich denke, dass diese Gelegenheit, die der Heilige Vater hat, al-Azhar und seine Autoritäten zu treffen, genau in diese Richtung zielen wird, nämlich noch einmal die Methode und den Weg des Dialogs und der Begegnung als Methode dafür anzubieten, die Gegensätze und Gewalt zu überwinden, die leider im Namen der Religion erwachsen können, wenn die Religion selbst manipuliert wird.“

Ökumene des Blutes 

Der Besuch des Heiligen Vaters in Ägypten sei auch ein starkes Signal der Verbundenheit an die Christen im Nahen Osten, so der Kardinal weiter. Er sei davon überzeugt, dass die Christen auch in den Gebieten mit islamischer Mehrheit wertvolle Beiträge zur Kultur und zum friedlichen Zusammenleben geben könnten. Die enge Gemeinschaft der christlichen Kirchen in der Diaspora, so erinnert der Kardinal an ein gern gebrauchtes Wort des Papstes,  werde noch verstärkt durch die „Ökumene des Blutes“, also die gewaltsame Verfolgung, der Christen ungeachtet ihrer Konfession in vielen dieser Gebieten ausgesetzt seien. 

Zwischen den koptischen Christen, die in Ägypten rund ein Zehntel der Bevölkerung stellen und somit die größte christliche Gemeinschaft im Nahen Osten darstellen, und den Katholiken bestünden bereits ausnehmend gute Beziehungen, betont Parolin. Doch das Treffen des Papstes mit dem koptischen Patriarchen Tawadros und der koptischen Gemeinschaft, die in der jüngsten Vergangenheit viel zu leiden gehabt habe, könne diese Gemeinschaft noch wesentlich stärken und die Christen dazu ermutigen, weiter in Ägypten und im gesamten Nahen Osten Präsenz zu zeigen.

(rv 27.04.2017 cs)

 

27/04/2017 14:22