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Jemen: 500.000 Kindern droht Hungertod

Nach einem Anschlag in Huta (Jemen) am Montag - AFP

28/03/2017 10:27

Immer mehr Kinder im Jemen geraten nach Angaben des Kinderhilfswerkes der UNO in Lebensgefahr. Fast eine halbe Million seien unterernährt, berichtet der Unicef-Vertreter im Jemen, Sherin Varkey. Wegen der extremen Nahrungsmittelunsicherheit und des Zusammenbruchs der Wasserversorgung in vielen jemenitischen Städten litten vor allem die Kinder an akuter schwerer Mangelernährung.

„Es sind zwei Jahre seit Ausbruch des Konflikts vergangen, und wir haben jetzt einen Tiefpunkt erreicht, der vor allem viele Kinder betrifft“, so der Unicef-Mann im Jemen. „Die Kinder sind die größten Verlierer der derzeitigen Auseinandersetzungen.“

Es handele sich um einen Anstieg der hilfsbedürftigen Kinder um 200 Prozent seit 2014. Die Daten stammen aus dem Unicef-Bericht, der am Montag vorgestellt wurde. Die Kinderhilfsorganisation der UNO appelliert deshalb an die Konfliktparteien und die internationale Gemeinschaft, eine Hungersnot zu verhindern und die Versorgung der Bevölkerung mit lebenswichtigen Gütern sicher zu stellen, so Varkey. Die katastrophalen Auswirkungen des Konflikts im Jemen würden angesichts der zahlreichen anderen internationalen Krisen zu wenig wahrgenommen.

„Wegen des Konflikts sind die Löhne entweder minimal oder fehlen gänzlich - und das schon seit Jahren. Vielen Familien fehlt somit die Möglichkeit, einzukaufen oder Handel zu betreiben. Wir haben erfahren, dass es Familien gibt, die sich von Abfällen ernähren. Das ist nicht hinnehmbar! Wir erleben aber auch andere soziale Konsequenzen dieses Konflikts: Es finden viele Kinderehen statt. Vor allem junge Mädchen werden verheiratet, was eine Art Einkommensquelle für Familien geworden ist.“

Weniger als zwei Dollar pro Tag

Inzwischen lebe jeder zweite Bürger des ärmsten Landes im Mittleren Osten von weniger als zwei US-Dollar am Tag, heißt es im Unicef-Bericht weiter. Vielen bleibe nichts anderes übrig, als sich zu verschulden, um ihren Kindern etwas zu essen zu kaufen oder Mahlzeiten ausfallen zu lassen. Weil es gefährlich sei, aber auch weil Kinder arbeiten müssten, gingen rund zwei Millionen Kinder im Jemen nicht zur Schule. Aus Perspektivlosigkeit und Verzweiflung ließen viele Eltern es zu, dass immer jüngere Kinder von Milizen rekrutiert würden.

Hintergrund

Im bitterarmen Jemen wütet seit zwei Jahren ein Bürgerkrieg zwischen der sunnitischen, international anerkannten Regierung des Landes und schiitischen Huthis. Davor hatten die Aufständischen einen großen Teil des Landes überrannt. Sie kontrollieren heute weite Teile ihres Siedlungsgebietes im Nordwesten des Jemen samt der Hauptstadt Sanaa. Saudi-Arabien unterstützt die international anerkannte Regierung militärisch und fliegt Luftangriffe auf Stellungen der Rebellen. Die Huthis werden hingegen vom Iran unterstützt. Damit stellt der Jemen-Konflikt eine weitere Facette im Ringen zwischen schiitischem und sunnitischem Islam dar.

(radio uno/rv/domradio 28.03.2017 mg)

28/03/2017 10:27