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Papstmesse: „Vergebung ist total“

Papst Franziskus bei der Morgenmesse am Dienstag

21/03/2017 12:23

Vergeben und sich vergeben lassen: Dieser Rhythmus ist gar nicht so einfach. Man braucht dazu Gebet, Reue, Scham – und Staunen über die Wunder, die Gott mit seiner Barmherzigkeit an uns tut. Das sagte Papst Franziskus an diesem Dienstag bei seiner Frühmesse in der Casa Santa Marta.

Wer den ersten Schritt in den Radius von Gottes Barmherzigkeit hinein tun will, der braucht: Scham. Scham über die eigenen Sünden. Das ist nach Ansicht des Papstes eine „Gnade“, die wir „nicht von selbst“ bekommen.

„Wenn ich Sie frage: Sind Sie denn alle Sünder?, dann werden Sie sagen: Ja, Padre. Alle. – Und um die Vergebung der Sünden zu bekommen? – Dafür beichten wir. – Und wie beichten Sie genau? – Naja... ich gehe hin, sage meine Sünden auf, der Priester spricht mich los, gibt mir drei Avemaria zur Buße, und ich gehe in Frieden. – Aber dann haben Sie überhaupt nichts verstanden! Sie sind in den Beichtstuhl gegangen wie zu einer Bank-Operation. Wie um eine Akte anzulegen. Sie haben sich nicht wirklich geschämt über das, was Sie getan haben. Sie haben ein paar Flecken auf dem Gewissen gesehen und haben den Beichtstuhl für eine Art Waschsalon gehalten, um die Flecken wegzuwaschen. Sie waren nicht dazu imstande, sich für Ihre Sünden zu schämen!“

„Nicht eine falsche Vergebung erschleichen“

Die Vergebung Gottes muss uns wirklich „ins Gewissen dringen“, beharrte der Papst: Sonst komme man aus dem Beichtstuhl, treffe draußen einen Freund und fange gleich wieder damit an, schlecht über jemanden zu reden und zu sündigen.

„Wenn es Ihnen nicht ins Bewusstsein dringt, dass Ihnen vergeben worden ist, dann werden Sie nie selbst vergeben können – nie. Immer ist dann da diese Haltung, dass man noch Rechnungen mit den anderen offen hat. Vergebung ist total. Aber man kann sie nur anbieten, wenn ich selbst meine Sünde spüre, mich schäme und Gott um Vergebung bitte, und wenn ich die Vergebung des Vaters spüre. Nur dann kann ich anderen vergeben. Sonst kann man nicht vergeben, dann sind wir unfähig dazu. Darum ist Vergebung ein Mysterium.“

Wie oft hätten wir doch, wenn wir aus dem Beichtstuhl herauskämen, das Gefühl: So, wir haben die Kurve gekriegt, das wäre geschafft! Aber das habe mit dem Gefühl, dass uns vergeben worden sei, nicht viel zu tun, so der Papst. Das sei „die Scheinheiligkeit, mit der man sich eine falsche Vergebung erschleicht“.

„Bitten wir den Herrn heute um die Gnade, zu verstehen, was er meint, wenn er sagt, wir sollten siebenundsiebzig Mal vergeben. Bitten wir um die Gnade der Scham vor Gott. Das ist eine große Gnade! Sich wegen der eigenen Sünden schämen und so die Vergebung und Gnade zu erhalten, großzügig anderen zu vergeben. Wenn der Herr mir so viel vergeben hat – wer bin ich, dass ich nicht ebenfalls anderen vergebe?“

(rv 21.03.2017 sk)

21/03/2017 12:23