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Zentralafrika: Es herrscht (fast) Ruhe

Kinder in Bangui - AP

08/03/2017 11:43

Nach der Schließung mehrerer Auffanglager für Vertriebene in der Zentralafrikanischen Republik können katholische Missionare und Hilfswerke aufatmen: Es herrscht mittlerweile eine halbwegs friedliche Atmosphäre im Land - viel sicherer als vor zwei Jahren. Insgesamt vier Jahre nach Ausbruch der politischen und ethnischen Wirren nehme die Gewalt eindeutig ab, erläutert uns der Karmeliterpater Federico Trinchero. Der italienische Missionar lebt und wirkt seit acht Jahren in der Zentralafrikanischen Republik. 

„Seit etwa einem Jahr war die Lage in Bangui relativ ruhig, und es herrschte bereits eine gewisse Sicherheit. Es gab nur sporadisch einige Scharmützel. Vor allem nach der Ankunft von Papst Franziskus (Ende November 2015, Anm. d. Red.) hatte sich die Lage eindeutig beruhigt.“ Jetzt habe man die Zentren für Vertriebene schließen können, die Geflohenen seien zumindest zum Teil zurückgekehrt in ihre Häuser, und jetzt zeigten sich neue Herausforderungen, so der Missionar. Er meint vor allem die Versöhnung zwischen Christen und Muslimen. Hierzu hätten der Papst und Kardinal Dieudonnée Nzapalainga von Bangui schon sehr viel beigetragen, indem sie sich für den interreligiösen Dialog in dem Land starkgemacht hätten.

„Die Vertriebenen mussten ihre Häuser verlassen, weil sie in Lebensgefahr waren. Von Dezember 2013 bis März 2014 gab es die schlimmsten Kämpfe. Da gingen die Kämpfer von Haus zu Haus und töteten vor allem Jugendliche und Männer. Bei uns sind vor allem die geflüchteten Christen gekommen. Wir haben aber auch einige muslimische Familien versteckt, die dann weiter in den Tschad oder in den Norden des Landes geflüchtet sind.“

Dass viele Vertriebene und Flüchtlinge wieder in ihre Häuser zurückkehren konnten, ist nach Angaben von Pater Trinchero vor allem dem UNO-Flüchtlingswerk UNHCR zu verdanken. Jede vertriebene Familie bekam nämlich eine kleine Geldsumme, um wieder „von vorn zu beginnen“, wie er sagt. Doch Gewalt gehört nach wie vor zum Alltag in der Zentralafrikanischen Republik: Wo es noch „brennt“, sei im Norden und Osten des Landes. Da würden Splittergruppen der muslimisch dominierten Rebellenbewegung Seleka, die es im übrigen offiziell nicht mehr gebe, vereinzelte Kämpfe führen.

Blauhelm-Mission in der Kritik

Seit 2014 sind etwa 12.000 Blauhelmsoldaten in der Zentralafrikanischen Republik stationiert. Ihre Mission: Das Land nach Jahren des Bürgerkriegs zu stabilisieren. Hinzu kommen die von der früheren Kolonialmacht Frankreich geschickten Soldaten, die in einer eigenständigen Mission tätig sind. In den vergangenen Monaten machten die internationalen Truppen jedoch vor allem durch Skandale von sich reden: Mehrfach sollen sie Binnenvertriebene vergewaltigt und sexuell missbraucht haben. Auch die Aufarbeitung dieser Taten kommen zu den „neuen Herausforderungen“ für den postkriegerischen Wiederaufbau hinzu.

(rv/dw 08.03.2017 mg)

08/03/2017 11:43