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Kolumbien: Kirche bei Friedensgesprächen mit am Tisch

Kolumbien - AFP

12/01/2017 10:31

Neue Friedensgespräche in Kolumbien: Aber diesmal redet die Regierung nicht mit den FARC-Rebellen, sondern mit der zweitgrößten Guerillagruppe ELN. Ein Déjà-vu? Nicht ganz. Denn die Gespräche, die an diesem Donnerstag in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito starten, ähneln nur von fern dem Friedensprozess mit den FARC, der vor kurzem schon zu einem Abkommen geführt hat.

„Diese Verhandlungen werden wohl etwas komplizierter, weil es zwei Probleme gibt“, erklärt uns der Experte Gianni La Bella. „Zum einen scheidet Manuel Santos in etwa anderthalb Jahren aus dem Präsidentenamt aus, das bedeutet, dass ein Teil der Unterhändler angezählt ist; und zweitens will die ELN ganz anders vorgehen als die FARC, er will eine starke Beteiligung des Volkes und verschiedener Gruppen und Bewegungen. Das macht den Dialog wohl etwas komplizierter.“

Das mit der breiteren Beteiligung zielt auch auf die kolumbianische Kirche: Anders als bei den Gesprächen mit den FARC-Rebellen, die auf Kuba stattfanden, sitzt sie in Quito mit am Tisch. Der Erzbischof von Cali, Darío de Jesús Monsalve Mejía, soll bei den Verhandlungen mit der ELN helfen. Unser Gesprächspartner Gianni La Bella wiederum behält den neuen Friedensprozess für die römische katholische Basisgemeinschaft Sant’ Egidio im Auge.

„Die nationale Befreiungsarmee ELN ist eine Guerilla, die sich ideell auf Camilo Torres beruft. Das war ein kolumbianischer Priester, der zu Beginn der sechziger Jahre sein Bistum verließ und als Seelsorger zu dieser Bewegung ging. Wie die FARC ist die ELN eine Guerillabewegung, aber sie hat einen weniger marxistischen Ursprung. Sie ist auch zahlenmäßig kleiner, man spricht von etwa 3.000 Menschen, davon an die 1.800 unter Waffen. Aber im Volk hat sie einen ausgesprochen starken Rückhalt, weil sie anders als die FARC immer weniger aufs Militärische gesetzt hat und mehr auf die Einbeziehung des Volkes, der Verbände, der Gewerkschaften, der Volksbewegungen.“

Eigentlich war der Start der Friedensgespräche schon für letzten Oktober vorgesehen. Doch ein Streit um den entführten Ex-Abgeordneten Odín Sánchez brachte den Plan zum Platzen. Die Regierung wollte keine Verhandlungen aufnehmen, solange Sánchez noch nicht auf freiem Fuss war.

„Was wollen die ELN? Sie erwarten sich vom Gesprächsprozess vor allem eine Reihe von strukturellen Veränderungen in der kolumbianischen Gesellschaft, und dass sie ihre politische Erfahrung bei einer Wiedereingliederung in die Demokratie mitnehmen können. Der positive Ausgang der Verhandlungen mit den FARC hat international zum – berechtigten – Eindruck geführt, dass Kolumbien es jetzt gewissermaßen geschafft hat. Da will sich jetzt auch die ELN dranhängen – obwohl sie das Friedensabkommen, das mit der FARC unterzeichnet wurde, extrem negativ beurteilt. Sie sagt, die FARC habe sozusagen kapituliert und alles akzeptiert, was die Regierung wollte, und dabei fast die Ziele ihres jahrzehntelangen politischen Kampfes aus den Augen verloren...“

Was genau kann und soll die Kirche ab diesem Donnerstag am Verhandlungstisch tun? „Die kolumbianischen Bischöfe haben bei ihrer letzten Vollversammlung eine Kommission von fünf Bischöfen auf die Beine gestellt, geleitet vom Erzbischof von Cali, der bei der ELN großen Respekt und großes Ansehen genießt. Die Kirche will die Verhandlungen ganz aus der Nähe mitverfolgen und sozusagen eine neutrale, dritte Kraft sein – sie identifiziert sich weder mit der ELN noch mit der Regierung. Sie ist eine dritte Partei, die das Gespräch am Verhandlungstisch erleichtern will.“

(rv 12.01.2016 sk)

12/01/2017 10:31