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Bischof Ackermann: Weltfriedenstag ist immer aktuell

Bischof Stefan Ackermann - AP

31/12/2016 09:40

Gewaltlosigkeit ist mehr als nur persönliches Verhalten, es soll als Prinzip und Mittel der Politik Frieden bewirken: So ist das Motto des diesjährigen Weltfriedenstages zu verstehen: „Gewaltlosigkeit: Stil einer Politik für den Frieden“. Papst Franziskus hatte dazu seine Botschaft veröffentlicht.

Der Weltfriedenstag wird am 1. Januar zum 50. Mal begangen. Bischof Stefan Ackermann von Trier, Vorsitzender der Justitia et Pax Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, denkt an die Geschichte des Weltfriedenstages zurück. „Dann wird einem bewusst, dass auch damals schon die Situation sehr bedrohlich und der Friede gefährdet war. Das war zur Zeit des Kalten Krieges und des Vietnam-Krieges. Das bittere ist, dass der Weltfriedenstag und seine Botschaften praktisch durch die Jahrzehnte hindurch immer aktuell geblieben sind und auch heute natürlich aktuell ist.“

Zum Weltfriedenstag schreibt der Papst traditionell eine Botschaft. Für das Jahr 2017 plädiert er ganz besonders an die Gewaltlosigkeit, die aber nicht als „Kapitulation, Disengagment und Passivität“ missverstanden werden dürfe, sondern vielmehr als eine „aktive Gewaltfreiheit“. Für Ackermann ist das eine Form der Friedens-Erziehung. „Das heißt zu Gewaltfreiheit als eine Haltung und als Methode zu erziehen, zu sehen, wo und wie gibt es Möglichkeiten, Lösungen zu finden, die eben nicht aufgrund von Gewalt zustande kommen, etwa wo ich das Gegenüber auch nötige in Situationen bringe, wo es keine Alternative gibt, wo ich zu wenig achtsam bin, auch auf Fragen und Besorgnisse meines Gegenübers. Das ist das Eine von aktiver Gewaltfreiheit. Das Andere ist natürlich der Stil Jesu selbst, seine Aufforderung, wenn wir an die Bergpredigt denken. Dem anderen die Wange hinzuhalten, wenn er mich schlägt. Damit mein Jesus ja auch nicht, alles passiv hinzunehmen und zu erleiden, sondern da wo eine Dynamik der Gewalt schon in Gang gesetzt hat, die kreativ zu unterbrechen und auch das Gegenüber sozusagen zu überraschen, zu erstaunen und damit neue Lösungsmöglichkeiten zu eröffnen.“

Aktive Gewaltfreiheit

Der Papst fordert in seiner Botschaft, dass internationale Konflikte nur durch Verhandlungen  und auf dem „Weg der Vernunft“ zu lösen sind. In Anbetracht der Krisenherde im Nahen Osten, der Ukraine oder anderen Konflikte, die sich seit Jahren hinziehen und nach etlichen misslungen diplomatischen Verhandlungen, fühlen sich die Menschen mehr denn je ohnmächtig und hilflos. Wie lässt sich da eine „aktive Gewaltfreiheit“ verkaufen?  „Ich glaube, es ist auf der einen Seite eine Sache der Wahrnehmung, wir sind einfach sensibler. Das andere ist eine Frage der Völkergemeinschaft. Sind wir auch bereit, unseren Lebensstil so zu ändern, dass er für die Welt insgesamt verträglicher ist, dass Völker zu ihrem Recht kommen, dass nicht ganze Nationen und Gruppen ausgegrenzt werden? Wir sprechen heutzutage immer mehr von einer Prävention gegenüber Gewalt. Natürlich, ein Syrien-Konflikt ist nicht von heute auf morgen entstanden. Oder wir denken an die gesamte arabische Welt. Auch die Flüchtlingsströme kamen nicht einfach so. Dinge bahnen sich an. Aber man hat davor die Augen zugemacht und es nicht wahrhaben wollen, bis dann ein Konflikt so eskaliert. Ich glaube, es braucht einfach mehr Aufmerksamkeit und auch Bereitschaft auf der Ebene der Völkergemeinschaft, im Vorfeld genauer hinzuschauen und auch insgesamt für gerechte Strukturen und ein gerechteres Zusammenleben der Völker zu wirken.“ Neue Herausforderungen sind da natürlich auch Konfliktsituationen abseits der traditionellen bilateralen Konflikte zwischen Staaten, auf die man reagieren müsse, erklärt Ackermann.

Zur Papstbotschaft hat die Deutsche Bischofskonferenz eine Arbeitshilfe herausgebracht, die verschiedenste Materialien bietet, von der Geschichte des Weltfriedenstages bis hin zur Anregung, dass man zum Beispiel die Strukturen der Völkerrechte stärken müsse, um sie effektiver zu machen. „Das heißt, die internationalen Organisationen die da sind, vor allem die Vereinten Nationen. Wir haben ja gesehen, wie gelähmt die Vereinten Nationen im ganzen Syrien-Konflikt waren und sind, weil zum Beispiel der Sicherheitsrat blockiert ist. Wir suchen nicht irgendwelche neuen Wege, um zu einer größeren Gerechtigkeit und Frieden beizutragen, sondern bitten, die Strukturen, die da sind und etabliert sind, auch in ihrer Effektivität zu stärken.“

Kompendium der Friedenslehre

Und natürlich geht das Arbeitsheft auch auf positive Friedensinitiativen wie das Friedenstreffen in Assisi ein, damit man sehe, dass es nicht nur Herausforderungen sondern auch positive Beispiele von friedlichen Lösungsmöglichkeiten gibt, denn die Kirche hat nicht nur das Wort, um für Frieden zu sorgen, erklärt Ackermann. „Der Papst hat ja nicht nur das Mittel der Botschaft zum Weltfriedenstag, sondern die katholische Kirche und insbesondere der Heilige Stuhl hat auch andere Möglichkeiten Einfluss zu nehmen, auch an Regierungen direkt zu adressieren, um für friedliche Lösungen zu werben. Natürlich gilt das auch für die Ortskirchen in den verschiedenen Ländern im Gespräch zu sein mit denjenigen, die Verantwortung tragen in Politik und Gesellschaft, um immer wieder auch hinzuweisen auf die verheerenden Wirkungen, die eine Politik der Gewalt und Ungerechtigkeit hat. Ich glaube, dass ist das, was uns immer wieder aufgetragen ist, Frieden immer ins Gespräch bringen, appellieren und aber auch positive Möglichkeiten aufzeigen.“ Dabei denkt Ackermann an den Friedensprozess zwischen Kuba und den USA oder auch in Venezuela. Und alle Friedensbotschaften der vergangenen Jahre sind für Ackermann inzwischen ein Kompendium der Friedenslehre der Katholischen Kirche.

(rv 31.12.2016 pdy)

31/12/2016 09:40