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Ägyptischer Großimam im Bundestag: Appell für Frieden

Archivbild: Al-Tayyeb und Deutschlands Außenminister Steinmeier - EPA

16/03/2016 10:28

Der Großscheich der al-Azhar-Universität in Kairo fordert Muslime in Europa auf, die hiesigen Werte zu respektieren und zu verteidigen. Bei einer Rede vor Bundestagsabgeordneten und Religionsvertretern im Bundestag rief er zum gemeinsamen Einsatz für den Frieden auf. al-Tayyeb nutzte seinen Vortrag ebenfalls für einen Aufruf für Respekt vor den Werten Europas. Muslime wie Nicht-Muslime sollten gemeinsam jeglichen Extremismus und Terrorismus bekämpfen, um „dieser schrecklichen Epidemie Herr zu werden“, sagte al-Tayyeb. Es seien in erster Linie die Muslime, die den Preis des Terrors bezahlten.

Er äußerte sich im Großen Protokollsaal des Berliner Reichstagsgebäudes vor Abgeordneten des Deutschen Bundestages, Vertretern der Religionsgemeinschaften und Wissenschaftlern zum „Friedenspotenzial des Islam“.

Der islamische Gelehrte mahnte einen Dialog zwischen den Religionen an. Dabei zitierte er die Aussage des katholischen Schweizer Theologen Hans Küng: „Kein Frieden zwischen den Nationen, ohne Frieden zwischen den Religionen.“ al-Tayyeb betonte die enge Verbindung der monotheistischen Religionen. Der Islam sei keine Religion des Krieges und des Schwertes, sondern glaube, dass Gott seine Barmherzigkeit für alle Menschen gelten lasse. Der Dschihad als äußere Gewaltanwendung sei nur im Falle der Verteidigung gerechtfertigt.

al-Tayyeb dankte dabei Bundeskanzlerin Angela Merkel für die Aufnahme von Bürgerkriegsflüchtlingen aus dem Nahen Osten. Zugleich lobte er sie für ihre „faire und mutige Haltung gegenüber den Muslimen“ und ihre Bekräftigung der Aussage von Altbundespräsident Christian Wulff, dass der Islam zu Deutschland gehöre.

 

Die Rolle der Frau

In einer anschließenden Fragerunde ging al-Tayyeb auf das Thema der Gleichberechtigung von Mann und Frau ein. Eine mögliche Marginalisierung der Frau sei nicht auf den Islam, sondern andere Traditionen zurückzuführen. Nach islamischem Verständnis diene die Frau dem Mann aus Liebe, der Mann wiederum sei verpflichtet, den Lebensunterhalt der Frau zu sichern. Die Ehe einer muslimischen Frau mit einem Nicht-Muslim sei allerdings nicht möglich, da die Ehe ein religiöser Vertrag sei, so der Imam.

 

Appell für Glaubensfreiheit

Der Scheich wandte sich zugleich gegen die Vorstellung eines ‚europäischen Islam’. Es gebe nur einen Islam, der überall praktiziert werden könne. Er wandte sich gegen eine Aufklärung, „die den Menschen über die Religion stellt“. al-Tayyeb betonte die Glaubensfreiheit. Der Koran sehe keine bestimmten Strafen für Konvertiten vor. Allerdings verlangten einige Überlieferungen, Konvertiten zu bestrafen, sofern der Schritt eine Gefahr für die Gesellschaft darstelle.

Bundestagspräsident Norbert Lammert hob die besondere Verantwortung von Politik und Religion für den Frieden hervor. Mit Blick auf die Notwendigkeit eines interreligiösen Dialogs forderte er eine Einbeziehung der Juden. Sie hätten den gleichen Anspruch auf Toleranz und Frieden. Nur so sei auch Frieden im Nahen Osten zu erreichen.

 

Besuch in Münster und Treffen mit Papst Franziskus

al-Tayyeb ist derzeit auf einer Europareise. Am Donnerstag will er das Islamzentrum in Münster besuchen. Er interessiere sich bei seinem Besuch auch für die Rolle Münsters als Stadt des Westfälischen Friedens sowie für das an der Universität ansässige Zentrum für Islamische Theologie. Das teilte die Stadt Münster im Vorfeld des Besuches mit.

Anschließend will al-Tayyeb nach Rom zur Audienz bei Papst Franziskus weiterreisen. Der 70-jährige wurde 2010 zum Großimam der al-Azhar ernannt und lehrt dort Philosophie und Theologie. Er gilt als eine der höchsten Autoritäten des sunnitischen Islams und der islamischen Rechtsprechung.

 

(domradio/kna/ard 16.03.2016 mg)

16/03/2016 10:28