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Synodalität: Die Elemente dazu gibt es schon

Die Weltbischofssynode im Oktober 2015 in Rom - OSS_ROM

17/12/2015 08:59

Synodalität ist der Weg der Kirche im dritten Jahrtausend. Eine deutliche Aussage von Papst Franziskus während der Versammlung der Bischofssynode im vergangenen Oktober, die Wellen geschlagen hat. Was das genau heißt, wird seitdem eifrig diskutiert. In den Worten des Papstes: „Gemeinsam gehen - Laien, Hirten, der Bischof von Rom - ist eine Idee, die sich leicht in Worte fassen lässt, aber nicht so leicht umzusetzen ist.“

Die Elemente für eine solche Synodalität gebe es in der katholischen Kirche eigentlich schon. Das sagt der emeritierte Dogmatiker Peter Hünermann im Gespräch mit Radio Vatikan. Hünermann war anlässlich eines Kongresses in der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, bei dem es um das Erbe des Zweiten Vatikanischen Konzils für heute ging.

Synodalität sei etwas, was der Kirche nicht fremd sei, jedenfalls in der Vergangenheit. Es habe zum Leben der Kirche dazu gehört, „dass man in den Kirchenprovinzen jedes Jahr oder dann alle drei Jahre eine Diözesansynode hatte, wo im Grunde genommen die Pfarrer und die entsprechenden Autoritäten zusammenkamen und man die großen Fragen, die örtlich anlagen, behandelt und geregelt hat“, erklärt der Dogmatiker. Im Mittelalter habe es auch gar keine anderen Möglichkeiten gegeben, Dinge zu regeln, „man musste sich einfach treffen“, so Hünermann. „Im Grunde gab es damals immer Gremienentscheidungen.“ Erst in den vergangenen Jahrhunderten habe sich das verändert. „Im Laufe der späteren Zeit wurden diese regelmäßigen Synoden dann abgelöst, wir haben im Kirchenrecht von 1917 noch die Verpflichtung, alle zehn Jahre in einer Diözese eine Synode abzuhalten, das wurde aber schon im 19. Jahrhundert kaum mehr praktiziert. Das muss auf neue Füße gestellt werden.“

 

K9 und ZdK

Damit ergeben sich für das, was der Papst die Synodalität für das dritte Jahrtausend nennt, schon Erfahrungen und Formen in der Kirche, auf die man zurückgreifen könne. Und genau das geschehe ja auch schon, so Hünermann, etwa im Vatikan. Auch in Rom habe es lange eine Synodalität gegeben, das sei das Konsistorium der Kardinäle gewesen, eine Art Senat der Kirche. Dieser sei früher fast wöchentlich zusammen gekommen und habe etwa Bischofsernennungen entschieden, der Papst selber habe nur in Pattsituationen Stellung bezogen. Das habe sich im 18. und 19.Jahrhundert zugunsten einer starken Papstmonarchie verändert.

Papst Franziskus habe da schon erste Schritte zu einer Weiterentwicklung getan, „und ich glaube, dass die Zusammenrufung dieser neun Kardinäle eine Vorform für ein regelmäßiges Konsistorium ist. Wir haben auch eine gewisse Vorform von Synodalität in den Gemeinderäten, im Pastoralrat für die Diözesen. Was fehlt, ist gewissermaßen ein entsprechendes Gremium auf der Ebene der Bischofskonferenzen. Wir haben in Deutschland das Zentralkomitee der Katholiken, das wäre ein Gremium, das irgendwie mit dort hinein gehörte, durch sein Präsidium oder so etwa. Da muss man jetzt Formen auspacken, mit denen sich das wirklich praktisch realisieren lässt.“ Regional und gestuft müsse das geschehen, den einzelnen Ebenen angemessen.

Das Ganze war aber immer mehr als ein reines Organisationsprinzip, betont der Dogmatiker Hünermann, das habe auch eine theologische Seite. „Was sich im Synodalen Prinzip ausdrückt ist, dass sich das Volk Gottes zusammenfindet in der Eucharistie und um das Wort Gottes zu hören und sich so auszurichten, und dass man dann gemeinsam diese Sachen beschließt.“ Gemeinsames Unterscheiden dessen, was die gemeinsame Nachfolge Christi sein könne, das ist auch genau das, was Papst Franziskus im vergangenen Oktober vorgezeichnet hat.

„Wir haben in der Geschichte eine reiche Fülle von synodalen Formen und deswegen spricht der Papst nicht einfach nur von Synoden sondern von Synodalität, weil das ein Grundprinzip der Kirche immer war, dass man zusammen kam.“

 

(rv 17.12.2015 ord)

17/12/2015 08:59