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Österreich: Es gibt keine Alternative zu solidarischem Europa

Flüchtlingsfrau auf einer Brücke über die Donau zwischen Serbien und Kroatien - AP

18/09/2015 14:07

Zu einem solidarischen Europa, das sich nun auch in der Flüchtlingsfrage bewährt, gibt es keine Alternative. Davon zeigte sich die Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ), Gerda Schaffelhofer, überzeugt. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion in Wien, die von der Eugen Biser-Stiftung veranstaltet wurde, sagte Schaffelhofer:

„Wenn wir glauben, dass wir selbst unser Nächster sind, dann ist das keine Basis für ein gemeinsames Europa. Wenn wir ein gemeinsames Europa haben wollen, dann kann das nur ein Europa der offenen Arme sein. Da müssen wir hin, da gibt es keine Alternative.“

Die KAÖ-Präsidentin räumte ein, dass man nicht von jedem Menschen verlangen könne, dass er Flüchtlinge beherbergt und sie bekocht. Es müsse aber jeder seine unterschiedlichen Begabungen einbringen und seinen Teil beitragen: „Diese einzelnen Mosaiksteine werden im Gesamten das Bild eines solidarischen, christlichen, offenen Europa ergeben.“ Es sei eine grenz- und konfessionsübergreifende Initiative nötig: „Es geht letztlich um den Menschen, der auf der Straße neben uns sitzt. Es kann uns nicht egal sein, wenn Menschen in Lastwägen ersticken, wenn Kinder ertrinken, wenn schwangere Frauen durchs Meer schwimmen. Das muss unsere Solidarität herausfordern.“

Der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner kritisierte in diesem Zusammenhang die Haltung des ungarischen Primas Kardinals Peter Erdö, der sich seiner Meinung nach nicht deutlich genug gegen die restriktive Asyl-Politik der ungarischen Regierung gestellt hatte. Zulehner: „Es gibt biblische Texte, die uns verpflichten, Asylanten aufzunehmen.“ Er befürchte, dass hinter den zögerlichen Aussagen Kardinal Erdös die Angst stehe, dass zu viele Muslime nach Ungarn kommen und diese die christliche Kultur des Landes bedrohen könnten.

Zulehner wies darauf hin, dass die Vertriebenen schwer traumatisiert wären. Ihnen dabei zu helfen, Fuß zu fassen, wäre „eines Europas wert. Dazu braucht es eine ganz konkrete und überschaubare Politik, damit die Menschen sehen: 'Wir schaffen das.'“

Zulehner verwies auf die Worte von Flüchtlingskoordinator Christian Konrad, der unlängst wieder gesagt habe, dass Österreich stark genug sei, dieses Problem Schritt für Schritt zu meistern. „Das ist, glaube ich, eine gute Politik.“

Die Zielländer der Flüchtlinge hätten aber auch das Recht, zu wissen, wer kommt. Es brauche kontrollierte Verfahren zur Identifizierung jener, die tatsächlich Kriegsflüchtlinge seien. Alle anderen sollten in ihr eigenes Land zurückgehen „und es mit unserer Hilfe aufbauen“.

Die Podiumsdiskussion fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kirche - Idee und Wirklichkeit“ statt. „Die Kirche befindet sich im Umbruch, die Kirche wird neu“, sagte der Theologe Hubert Philipp Weber, Sekretär des Wiener Erzbischofs Kardinal Christoph Schönborn. Die derzeit kommenden Flüchtlinge zeigten Wesentliches auf: „Die Flüchtlinge die kommen, sind Christus im Armen. Das zeigt den Gemeinden, was jetzt zu tun ist.“ Die Migration werde die Gesellschaft verändern. Muslime, aber auch Christen anderer Konfessionen würden immer mehr. Das stelle auch die Ökumene vor neue Herausforderungen, so Weber.

(kap 18.09.2015 gs)

18/09/2015 14:07