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Papst an kleine "Friedensarbeiter": Frieden ist Handwerk

Der Papst und die Kinder der "Friedensfabrik" - OSS_ROM

11/05/2015 14:04

Papst Franziskus hat an diesem Montag im Vatikan 7.000 kleine „Friedensarbeiter“ empfangen. Im Rahmen der italienischen Bildungsinitiative „Fabbrica della pace“ – Friedensfabrik - kamen Grundschulkinder verschiedener ethnischer und sozialer Herkunft in die Audienzhalle, um mit dem Papst über Frieden, Liebe und Gerechtigkeit zu plaudern. Die Papstaudienz ist das erste Projekt der Solidaritäts- und Bildungskampagne, die vom italienischen Bildungsministerium, Kinderschutzinstitutionen und dem Komitee für Kinderrechte der Vereinten Nationen unterstützt wird.

„Das ist ein Arbeiterhelm, denn du bist unser Spezial-Arbeiter, jetzt bist du fertig, willkommen in der Friedensfabrik!“ So lud ein kleiner Junge – stellvertretend für rund 7.000 kleine „Friedensarbeiter“ – Papst Franziskus an diesem Montag in die „Friedensfabrik“ ein. Und er schenkte ihm einen Helm – schließlich kann einem beim Bauen am Frieden auch so manches um die Ohren fliegen. Und dann ging es für den Papst auch direkt schon los: Auf mit dem Helm und rein ins bunte Treiben in der Audienzhalle, mit vielen Fragen, Musik und Poesie, über drei Stunden dauerte die Begegnung.

„Wir möchten dir helfen, eine Welt des Friedens, der Toleranz und der Gastfreundschaft zu bauen“, versicherten die Kinder Franziskus vertrauensvoll. Für sie war es ein ganz besonderer Tag: „Nicht nur, weil wir hier bei dir sein können – du bist ein besonderer Papst!“ Im gleichen zuneigungsvollen und bisweilen scherzhaften Ton ging es nahtlos weiter: Franziskus beantwortete die Fragen der Kinder ausführlich und humorvoll und ließ den offiziellen Redetext - wieder einmal - einfach weg.

„Ich streite immer mit meiner Schwester… Hast du jemals mit deiner Familie gestritten?“ wollte ein kleines Mädchen vom Papst wissen. Und Franziskus scheute sich keineswegs, auch etwas über sich zu verraten: „Das ist eine konkrete Frage! Hand hoch, wer nie mit seiner Familie gestritten hat! (lacht) Wir haben das alle getan, das ist Teil des Lebens: Einer will was spielen, der andere was anderes… (…) Auch ich habe oft gestritten, auch heute noch erhitze ich mich, aber ich versuche immer, dann gemeinsam Frieden zu schließen. Es ist menschlich zu streiten, aber es wichtig, dass das nicht bleibt, sondern dass es danach Frieden gibt am Ende des Tages – verstehst du das?“

Doch nicht nur auf Situationen aus dem Alltag kam der Papst zu sprechen, sondern auch auf das „große Ganze“ und das, was das Leben vieler Kinder in der Welt heute so schwer macht – den Krieg, die Ungerechtigkeit und knallharte Machtinteressen. Ein Sohn ägyptischer Einwanderer wollte etwa vom Papst wissen, warum für die Kinder von Migranten in Schulen nicht mehr getan werde. „Man kann die Frage auch größer machen“, antwortete ihm Franziskus und kam auf den Grund der Abwanderung zu sprechen: den Krieg in Nordafrika und im Nahen Osten und das perverse Getriebe, das ihn am Laufen hält:

„Warum wollen so viele Regierenden nicht den Frieden? Weil sie vom Krieg leben! Es ist die Waffenindustrie – das ist schwerwiegend! Einige Mächtige verdienen mit der ,Fabrik der Waffen‘, verkaufen Waffen an verfeindete Länder. Das ist die Industrie des Todes.“ Und der Papst riet den Kindern, sich die Welt der Macht, des Geldes und der Interessen, mit der auch sie in Berührung kommen, genau anzusehen: „Wenn wir sehen, dass das Wirtschaftssystem um das Geld kreist, und nicht um die menschliche Person… Man opfert viel und führt Krieg, um das Geld zu verteidigen! Deshalb wollen so viele Menschen keinen Frieden: Sie verdienen mehr mit dem Krieg. Man verdient Geld, aber verliert Leben, Kultur, Erziehung, so viele Dinge.“

Und noch eine Spitze richtete der Papst gegen diejenigen, die etwas zu sagen haben – diesmal im Bereich des Strafvollzuges. Mehrfach hatte er schon die Missstände in Gefängnissen angesprochen, war für Häftlinge und Kriminelle eingetreten. So besuchte er am vergangenen Gründonnerstag erneut eine italienische Haftanstalt und wusch dort jungen Häftlingen die Füße. „Gott vergibt alles“, schärfte Franziskus seinen kleinen Zuhörern in der Audienzhalle ein: „Wir sind es, die nicht vergeben können. Denn es ist einfacher, die Gefängnisse zu füllen, als dem zu helfen, der im Leben einen Fehler gemacht hat.“

Frieden ist „kein Industrieprodukt“, gab der Papst den Kindern mit auf den Weg. Und ausgehend von einem Gedicht des heiligen Papstes Johannes Paul II. betonte er, dass man Frieden stiftet, jeden Tag. Frieden ist etwas ganz Konkretes und Praktisches, erinnerte hier Franziskus: „Frieden ist kein Industrieprodukt, sondern ein handwerkliches Produkt, man baut ihn jeden Tag auf - mit unserem Leben, unserer Liebe, unserer Arbeit, unserer Nähe, unserem gegenseitigen Wohlwollen. Hat ihr das auch verstanden?“

In Bezug auf das Thema Solidarität mit Kindern, die Schwierigkeiten haben, formulierte der Papst, ihm gefalle es nicht, zu sagen „ein Kind ist behindert“. Man solle stattdessen sagen, dieses Kind habe „andere Fähigkeiten“, so Franziskus. „Alle haben die Fähigkeit, uns etwas zu geben und etwas zu tun.“ Einige machten hierbei eben deutlich, dass das Leben nicht so einfach sei. Zugleich rief der Papst in der vatikanischen Audienzhalle zu verstärkten Engagement für die betroffenen Kinder auf. Es müssten Pflege- und Rehabilitationszentren sowie palliativmedizinische Einrichtungen für Kinder geschaffen werden, forderte er. Auf diesem Feld sei noch viel zu tun. 

(rv/kna 11.05.2015 pr)

11/05/2015 14:04