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Kardinal Marx: Ja zur „Entklerikalisierung der Macht"

Kardinal Reinhard Marx inmitten anderer Kardinäle. - L'Osservatore Romano

31/01/2015 12:56

Kardinal Reinhard Marx regt eine Durchsicht des Kirchenrechts an, um mehr Aufgaben für Laien, besonders Frauen, in der Kirche zu öffnen. Im Gespräch mit der US-amerikanischen Jesuitenzeitschrift „America“ sagte Marx, er wünsche sich mehr Frauen an verantwortungsvollen Stellen im Vatikan und in der Kirche im Allgemeinen. Der Ausschluss von Frauen sei „nicht im Geist des Evangeliums“. Er halte die „Entklerikalisierung der Macht“ in der Römischen Kurie und in den Diözesen für wichtig, erklärte Marx. Der Kardinal koordiniert den neuen vatikanischen Wirtschaftsrat und gehört dem Rat der neun Kardinäle an, die den Papst bei der Kurienreform beraten. „Wir müssen auf das Kirchenrecht sehen und theologisch darüber nachdenken, welche Aufgaben unbedingt Priester erfordern. Alle anderen Aufgaben, im weitesten möglichen Sinn, müssen Laien offen stehen, Männern wie Frauen, aber besonders Frauen.“

In der Vatikanverwaltung sei es „nicht nötig, dass Kleriker alle Kongregationen, Räte und Abteilungen leiten“, sagte Marx. Er finde es bedauerlich, dass in dem von ihm geleiteten Wirtschaftsrat unter den Laien keine Frau vertreten sei. Die Auswahl sei vor seiner Ernennung erfolgt, er werde nach geeigneten Expertinnen für das Gremium suchen. Zugleich würdigte Marx, dass im Wirtschaftsrat „zum ersten Mal überhaupt im Vatikan“ Laien mit demselben Grad an Verantwortung und Rechten wie die Kardinäle tätig seien. „Das sieht nicht aus wie ein großes Ding, aber große Dinge beginnen mit kleinen Schritten, richtig?“

Änderungen in der Frage der Frauen in der Kirche erfordern nach Ansicht von Kardinal Marx einen generellen Mentalitätswandel. Zugleich gingen die Dinge von oben aus. „Es ist klar: die Bischöfe müssen entscheiden. Die Bischöfe und der Heilige Vater müssen die Änderung beginnen“, so der Kardinal. Bei seinen Seminaren für Führungskräfte der Wirtschaft habe er gelernt, dass „die Treppen von oben, nicht von unten gekehrt werden“. Zwar sei die Kirche kein Verkaufsladen, „aber die Methoden sind nicht so verschieden“. Man müsse mehr im Team und in Projekten arbeiten, fuhr Marx fort. „Die Frage ist: Wer hat die Ressourcen, diese Ideen voranzubringen? Und nicht: Wer ist Kleriker? Gott gibt uns all diese Leute, und wir sagen: Nein, er ist kein Kleriker, er kann den Job nicht tun, oder seine Idee ist nicht so wichtig – das ist nicht akzeptabel. Nein.“

In der Frage der Frauen müsse die katholische Kirche „eine große Anstrengung für die Zukunft“ unternehmen, „nicht nur um modern zu sein oder die Welt nachzuahmen“. Vielmehr gelte es zu realisieren, dass „dieser Ausschluss von Frauen nicht im Geist des Evangeliums ist“. Johannes XXIII. und das Zweite Vatikanische Konzil hätten klargestellt, dass die Zeichen der Zeit im Licht des Evangeliums zu interpretieren seien. Die Entwicklung der Zeit gebe der Kirche Zeichen, und ein solches Zeichen der Zeit seien die Rechte von Frauen und ihre Emanzipation. Johannes XXIII. habe das vor mehr als 50 Jahren gesagt; „wir sind immer noch dabei, das zu erfüllen.“ Auf den Einwand des Interviewers, ein Fortschritt sei nicht sichtbar, reagierte Marx mit den Worten, in manchen Fällen sei es sogar schlimmer geworden.

In der katholischen Kirche in Deutschland gebe es die erklärte Absicht, mehr Frauen in Entscheidungspositionen der Diözesen zu bringen, sagte Marx. In drei Jahren werde man die Erfolge überprüfen, so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

(rv/america 31.01.2015 gs)

31/01/2015 12:56