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Die Stimme des Papstes und der Weltkirche

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Die fliegende Pressekonferenz des Papstes


Konsistorium, Frauenpriesterweihe, Vatileaks, Reform und der Inhalt der schwarzen Aktentasche: Eigentlich halte er ja nichts von Interviews, hatte Papst Franziskus auf seinem Flug nach Brasilien den mitreisenden Journalisten gesagt. Doch dann ließ er sich auf dem Rückflug doch zu einem Frage-Antwort-Spiel hinreißen, über eine Stunde lang. Die deutschsprachige Redaktion von Radio Vatikan macht diese Pressekonferenz anhand des Mitschnittes zugänglich, teils als Arbeitsübersetzung, teils aber auch zusammen gefasst. RealAudioMP3


„Guten Abend und vielen Dank! Ich bin zufrieden. Es war eine schöne Reise, sie hat mir im spirituellen Sinne sehr gut getan. Ich bin zwar müde, aber im Herzen sehr fröhlich und es geht mir gut, sehr gut: Das hat mir geistlich sehr gut getan. Leute zu treffen, tut gut, weil der Herr in jedem von uns arbeitet. Er arbeitet im Herzen der Menschen und das Reichtum des Herrn ist so großartig, dass wir immer von den anderen Mitmenschen viel zurückbekommen.“ So begann Papst Franziskus seine Pressekonferenz.


Juan de Lara von der spanischen Nachrichtenagentur efe wollte vom Papst wissen, welche Reformen er im Vatikan und in der Weltkirche anstoßen wolle: „Heiliger Vater, in diesen vier Monaten ihres Pontifikates haben wir gesehen, dass Sie verschiedene Kommissionen für die Kurienreform einberufen haben. Ich möchte Sie fragen: Welche Reform haben Sie im Sinn? Haben Sie vielleicht vor, die sogenannte Vatikanbank IOR aufzulösen?“

Die Antwort von Papst Franziskus:

„Eigentlich wollte ich mich um die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Vatikans im nächsten Jahr kümmern, doch die Aktualitäten, die der Öffentlichkeit bekannt sind, haben meine Agenda durcheinander gebracht und haben mich dazu bewogen, jene Kommission einzuberufen, die sich mit dem IOR auseinandersetzen wird. Es geht um Reformvorschläge aber auch um Verbesserungsmöglichkeiten usw.
Der Inhalt dessen, was alles zu tun ist, kommt von den Generalkongregationen der Kardinäle (vor dem Konklave). Es waren Dinge, um die wir Kardinäle denjenigen gebeten haben, der der neue Papst sein würde. Ich erinnere mich daran, dass ich viele Dinge erbeten habe, weil ich dachte, es würde ein anderer werden… Wir haben zum Beispiel um so eine Kommission wie die der acht Kardinäle gebeten, wir wissen ja, dass es wichtig ist, externe Beratung zu haben, nicht nur die schon bestehenden, sondern „Outsider“. Das liegt auch auf einer Linie mit dem Heranreifen der Beziehungen zwischen Synodalität und Primat. Das heißt, diese acht Kardinäle fördern auch die Synodalität, sie helfen nämlich den verschiedenen Bischofskonferenzen in der Welt, ihre Stimme in der Regierung der Kirche einzubringen. Es gibt viele Vorschläge, die aufgekommen und noch nicht in die Praxis umgesetzt sind, wie etwa die Reform des Staatssekretariats, in der Art und Weise des Arbeitens; oder den Vorschlag, der Postsynodalen Kommission einen permanenten Beratungs-Charakter zu geben; oder aber, dass die Kardinals-Konsistorien nicht so formelle Themenvorgaben bekommen wie etwa die Heiligsprechung, sondern auch andere Thematiken behandeln usw.
Ich weiß nicht, wie das enden wird mit dem IOR. Derzeit habe ich noch keine klare Option. Ich verlasse mich auf den Rat von Mitarbeitern des Geldinstituts und auf die eingesetzte Reformkommission. Kennzeichen der Vatikanbank müssen in jedem Fall Transparenz und Gewissenhaftigkeit sein. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Vatikanbank (der Deutsche Ernst von Freyberg; Anmerk d. Red.), bleibt weiterhin im Amt. Das ist schön, weil wir Lösungen suchen: das ist menschlich. Wir müssen immer versuchen, das Beste daraus zu machen.“

Papst Franziskus setzte im Juni eine Kommission ein, die Vorschläge für eine „bessere Harmonisierung“ der Aktivitäten der Vatikanbank mit dem kirchlichen Auftrag erarbeiten soll.

Der italienische Vatikanist Andrea Tornielli fragte den Papst, was er denn in seiner schwarzen Aktentasche habe:

„Heiliger Vater, ich habe vielleicht ein sehr indiskrete Frage: auf der ganzen Welt wurde das Foto gezeigt, als Sie nach Rio flogen. Man sieht Sie auf der Treppe zum Flugzeug und Sie tragen da eine schwarze Tasche. Weltweit wurde diese Neuheit kommentiert, also, dass der Papst mit dem Handgepäck ein Flugzeug betritt. Da gab es dann auch viele Spekulationen, was denn drin sein könnte. Deshalb möchte ich Sie fragen: erstens: weshalb haben Sie die schwarze Tasche getragen und nicht ein Begleiter, zweitens, könnten Sie uns sagen, was drin war?“

Und dazu antwortete der Papst:

„Es gab kein Schlüssel für die Atombombe! Nun, ich habe die Tasche getragen, weil ich das immer getan habe. Wenn ich reise, habe ich immer eine Tasche bei mir. Und was war drin? Nun, der Rasierer, ein Brevier, eine Agenda und ein Buch. Ich hatte eins über die Heilige Teresina, die ich sehr bewundere. Ich habe immer Handgepäck bei meinen Reisen mitgeführt. Das ist doch normal. Wir müssen doch normal sein… ich weiß nicht… das ist für mich ein bisschen komisch, was du mir sagst. Ein Bild wird weltweit kommentiert, weil ich eine Tasche trage. Wir müssen uns gewöhnen, normal zu sein, ich meine das alltägliche des Lebens. Ich weiß nicht, Andrea, ob ich dir antworten konnte…“


Die portugiesische Korrespondentin Aura Miguel von Radio Renascença fragte den Papst:

„Heiliger Vater, ich wollte Sie gerne fragen, weshalb Sie so oft darum bitten, dass man für Sie betet. Das ist doch nicht normal, ich meine üblich, einen Papst zu hören, der so oft darum bittet, dass man für ihn bete.“

Da sagte Franziskus:

„Das habe ich immer getan. Als ich Priester wurde, hatte ich darum gebeten, für mich zu beten. Vielleicht war es anfangs nicht so oft wie jetzt. Sicherlich als Bischof habe ich das sehr oft getan. Ich fühle, dass der Herr nicht unbedingt bei der Arbeit des Bischofsamtes mithilft, um das Volk Gottes voranzubringen, einer allein kann nicht… Nun, ich fühle mich wirklich als einer, der viele Limiten hat, der viele Probleme hat aber auch ein Sünder ist – aber das wisst ihr ja selber! – und deshalb muss ich darum bitten. Nun, das kommt von innen! Auch der Muttergottes bitte ich jeweils, dass sie beim Herrn für mich betet. Das ist eine Gewöhnungssache, aber sie kommt vom Herzen und auch aus der Notwendigkeit, die mein Amt mit sich bringt. Ich fühle, dass ich darum bitten muss… ich weiß nicht, aber es ist so…“


Der Journalist Philip Pullella von der Nachrichtenagentur Reuters erkundigte sich beim Papst, ob er bei seinen Aktivitäten im Vatikan auch auf Widerstand stoße – und ob er sich von den führenden Mitarbeitern in der Kurie einen ähnlich nüchternen Lebensstil wünsche, wie er ihn mit seinem Verbleib im Vatikan-Gästehaus Santa Marta unter Beweis stelle.


„Die Änderungen … die Änderungen haben zwei Ursachen: Zum einen in dem, was wir Kardinäle wollten und zum anderen aus meinem eigenen Charakter.
Sie haben von der Tatsache gesprochen, dass ich in Santa Marta geblieben bin – aber ich könnte gar nicht alleine im Apostolischen Palast leben! Auch wenn das Päpstliche Appartement dort nicht besonders luxuriös ist. Es ist zwar groß, aber nicht sehr luxuriös. Aber ich kann nicht allein oder nur mit einem kleinen Grüppchen leben, ich brauche Leute um mich herum, mit denen ich reden kann… einfach aus psychiatrischen Gründen, weil ich das psychologisch nicht kann. Jeder muss sein eigenes Leben führen, seinen eigenen Lebensstil weiterführen. Die Kardinäle, die an der Kurie arbeiten, leben nicht in Reichtum und Luxus, sie leben in kleinen Appartements und sind bescheiden. Ich kenne diese Appartements, die die APSA (die vatikanische Güterverwaltung, Anm. d. Übs.) den Kardinälen gibt. Jeder sollte leben, wie es der Herr von ihm verlangt. Aber eine allgemeine Austerität scheint mir nötig für uns alle, die wir im Dienst der Kirche arbeiten. Allerdings hat Austerität viele Schattierungen, jeder muss seinen eigenen Weg suchen.“

Er sei davon überzeugt, dass es im Vatikan einige Heilige gebe, so Franziskus: „Kardinäle, Priester, Bischöfe, Schwestern, Laien, Menschen die beten, viel arbeiten und im Verborgenen zu den Armen gehen. Ich kenne einige, die den Armen zu essen geben und in ihrer Freizeit Dienst in einer Kirche leisten… Es gibt Heilige in der Kurie. Und es gibt auch einige, die nicht so heilig sind, und das sind die, die am meisten von sich reden machen. Ihr wisst ja: Ein Baum, der umfällt, macht mehr Krach als ein Wald, der wächst. Es schmerzt mich, wenn es diese Dinge gibt: Einige sorgen für Skandale. Wir haben etwa diesen Monsignore, der im Gefängnis sitzt; er sitzt dort nicht etwa, weil er der seligen Imelda gleichen würde, er war kein Heiliger. Diese Skandale richten Schaden an. Ich glaube, dass die Kurie ein wenig von dem Niveau verloren hat, das sie einmal hatte; diesen Typus des alten, treuen Kurienmitarbeiters, der seine Arbeit tut, gibt es zwar noch, aber es sind nicht mehr so viele wie früher. Wir brauchen wieder mehr davon.“

Und ob er auf Widerstand stoße? „Na ja“, sinnierte der Papst, er habe bisher jedenfalls noch nichts von Widerstand bemerkt. „Es stimmt zwar, dass ich noch nicht viel gemacht habe, aber ich habe Menschen getroffen, die mir helfen, loyale Menschen. Mir gefällt es, wenn mir jemand sagt: Ich bin nicht einverstanden!, das ist mir schon passiert, und so jemand ist ein echter Mitarbeiter, solche Leute habe ich in der Kurie getroffen. Das ist gut so! Aber wenn einige sagen: Oh wie schön, wie schön!, und dann hintenrum das Gegenteil sagen… So etwas habe ich bisher noch nicht bemerkt. Vielleicht gibt es einige, die das so machen, aber ich habe es noch nicht bemerkt.“


Zu Abtreibung und gleichgeschlechtliche Ehe fragte die brasilianische Journalistin von REDE TV Patricia Zorzan:

„Die Gesellschaft hat sich verändert, die Jugendlichen haben sich verändert und in Brasilien gibt es viele Jugendliche. Sie haben nicht über die Abtreibung, über die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Personen gesprochen. In Brasilien wurde ein Gesetz beschlossen, mit dem das Recht auf Abtreibung erweitert und die gleichgeschlechtliche Ehe zugelassen wurde. Warum haben Sie nicht darüber gesprochen?“

Papst Franziskus: „Die Kirche hat sich dazu bereits sehr klar geäußert. Es war nicht notwendig darauf zurückzukommen, so wie ich auch nicht über Betrug, Lüge oder andere Dinge gesprochen habe, zu denen die Kirche eine klare Lehre hat!“

Patricia Zorzan: „Aber es ist ein Argument, das die Jugendlichen interessiert…“

Papst Franziskus: „Ja, doch es bestand keine Notwendigkeit darüber zu sprechen, sondern über positive Dinge, die den Weg für die Jugendlichen öffnen. Nicht wahr? Zudem wissen die Jugendlichen genau, was die Position der Kirche ist!“

Patricia Zorzan: „Was ist die Position Ihrer Heiligkeit? Können Sie uns dazu etwas sagen?“

Papst Franziskus: „Die der Kirche. Ich bin ein Sohn der Kirche!“

Der französische Reporter Antoine-Marie Izoard fragte Papst Franziskus, warum dieser sich unmittelbar nach seiner Wahl am 13. März zunächst als „Bischof von Rom“ vorgestellt habe. „Was ist der tiefere Sinn davon, dass Sie so darauf bestehen? Geht es um Kollegialität oder gar um Ökumene, um ein primus inter pares-Sein in der Kirche?“ Aber Papst Franziskus riet dazu, in seine Worte nicht zuviel hinein zu interpretieren.


„Der Papst ist Bischof, Bischof von Rom, und deshalb ist er Nachfolger des Petrus und Stellvertreter Christi. Das sind weitere Titel, aber der erste Titel ist „Bischof von Rom“, und von dort kommt alles her. Zu sagen oder zu denken, dass das so etwas wie primus inter pares bedeuten solle… nein, das ist keine Folge davon. Es ist einfach der erste Titel des Papstes: Bischof von Rom. Und dann kommen die anderen Titel… Ich glaube zwar, dass das ein bisschen die Ökumene fördert, aber das ist auch das Einzige…“

Wie man sich denn so fühle als Papst, wollte der Spanier Dario Menor von La Razón wissen. Franziskus versetzte, Bischof zu sein sei etwas sehr Schönes, ein Problem sei es allerdings, wenn ein Priester alles tue, um Bischof zu werden. „Aber wenn der Herr einen Priester dazu beruft, Bischof zu werden, dann ist das schön! Es besteht immer die Gefahr, sich anderen etwas überlegen zu fühlen, sich besser als andere zu fühlen, ein bisschen wie ein Prinz. Das sind Gefahren und Sünden. Aber die Arbeit eines Bischofs ist schön: den Brüdern dabei helfen, vorwärts zu gehen. Der Bischof steht vor den Gläubigen, um den Weg zu zeigen; er steht unter den Gläubigen, um der Gemeinschaft zu dienen; und er steht hinter ihnen, weil sie oft instinktiv den richtigen Weg finden. So muss ein Bischof sein! Mir gefällt es, Bischof zu sein – in Buenos Aires war ich so glücklich! Schon als Priester war ich glücklich, und als Bischof auch, in diesem Sinn gefällt es mir… Auch Papst bin ich gerne. Wenn der Herr dich an diese Stelle stellt, wenn du tust, was er von dir will, dann bist du glücklich. Das ist das, was ich fühle.“

Salvatore Mazza von der italienischen katholischen Tageszeitung „Avvenire“ fragte Papst Franziskus, welche Reisen er plane. Asien, Jerusalem, Argentinien seien doch im Gespräch.

„Definitiv – definitiv ist noch nichts. Entschuldigung, definitiv ist natürlich meine Reise am 22. September nach Cagliari, danach am 4. Oktober nach Assisi.“

Ihm schwebe auch vor, mal für einen Tag nach Norditalien zu fliegen, um Verwandte zu besuchen; die Familie Bergoglio, aus der der Papst stammt, hat ihre Wurzeln im norditalienischen Piemont. „Die Armen, sie rufen mich an, und wir haben eine gute Beziehung“, so Franziskus. Dann äußerte er sich zu möglichen Reisen außerhalb Italiens.

„Patriarch Bartholomaios I. wünscht sich ein Treffen in Jerusalem, um an die Begegnung von Athenagoras und Paul VI. dort vor fünfzig Jahren zu erinnern. Auch die israelische Regierung hat mir eine besondere Einladung nach Jerusalem zukommen lassen. Ich glaube, für die Regierung der Palästinensischen Autonomiebehörde gilt dasselbe. Also, darüber wird nachgedacht, noch ist da nichts entschieden. Was Lateinamerika betrifft, glaube ich, dass ich dort nicht so schnell wieder hinkommen kann, denn meine erste Reise hat mich ja schon nach Lateinamerika geführt, also müssen wir da noch ein bisschen abwarten. Auch eine Reise nach Argentinien wird, glaube ich, noch etwas warten müssen. Eine Asienreise ist möglich, aber das steht alles noch in den Sternen. Ich bin nach Sri Lanka eingeladen und auch auf die Philippinen; nach Asien wird man gehen müssen, Papst Benedikt hatte keine Zeit für eine Asienreise, und das ist wichtig. Er war in Australien, in Europa und Amerika, aber (nicht in) Asien… Ich hatte ursprünglich auch vorgehabt, Bartholomaios I. Ende November, zum Andreasfest, in Istanbul zu besuchen, aber leider geht das aus Termingründen nicht. Wenn wir uns treffen, dann in Jerusalem!“

Auf eine ihm zugerufene Frage, die nicht aufgezeichnet ist weil sie nicht ins Mikrophon gesprochen wurde, antwortete der Papst;

„Fatima, ja, es gibt auch eine Einladung nach Fatime, das stimmt. Es gibt eine Einladung, nach Fatima zu reisen.“

Noch eine zugerufene Frage: 30. September oder 30. November?

„November, November: Das Andreasfest“, womit er wohl auf das Treffen mit Bartholomaios Bezug nimmt, nicht auf Fatima.


Ada Messia von CNN wollte vom Papst wissen, warum er in Rio zu argentinischen Jugendlichen gesagt habe, er fühle sich manchmal „eingesperrt“.

„Sie wissen, wir oft ich durch die Straßen Roms gehen wollte, mir hat das immer gefallen, durch die Straßen von Buenos Aires zu gehen, das hat mir sehr gefallen! In diesem Sinn fühle ich mich ein bisschen eingesperrt.“ Aber er habe Verständnis für die vatikanische Gendarmerie und ihre Sicherheitsforderungen, „und jetzt lassen sie mich ein bisschen mehr machen“.


Der brasilianischer Journalist Marcio Campos sprach den Papst dann auf den Rückgang der Zahl der Katholiken in Brasilien an. Ob man nicht mehr auf die neuen charismatischen Bewegungen in der Kirche setzen solle, um das Abwandern von Katholiken zu Freikirchen zu verhindern?


„Es stimmt, was Sie über den Rückgang an Gläubigen sagen, die Statistiken zeigen das. Wir haben mit den brasilianischen Bischöfen über dieses Problem gesprochen. Was die charismatischen Bewegungen betrifft, da muss ich gestehen: So gegen Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre konnte ich die nicht ertragen. Einmal habe ich über sie gesagt: Die verwechseln eine Liturgiefeier mit einer Sambaschule! Das habe ich gesagt – und ich bereue es. Mit der Zeit lernte ich sie besser kennen, und die Bewegung ist auch auf einem guten Weg vorangegangen. Jetzt glaube ich, dass solche Bewegungen der Kirche im Allgemeinen sehr gut tun. In Buenos Aires habe ich sie oft getroffen, und einmal im Jahr feierte ich mit ihnen eine Messe in der Kathedrale. Ich habe sie immer gefördert, seit ich mich sozusagen bekehrt und gesehen habe, wie viel Gutes sie tun. Ich glaube, dass die Bewegungen in diesem Moment der Kirche nötig sind. Sie sind ein Geschenk des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist weht, wo er will. Diese Bewegungen, die den Geist der Kirche haben, sind eine Gnade. Darum denke ich, dass die charismatische Bewegung nicht nur dazu dient, einige vom Abwandern zu Pfingstkirchen abzuhalten, nein! Sie dient der Kirche selbst! Sie erneuert uns. Jeder suche seine eigene Bewegung, dem eigene Charisma entsprechend, wohin der Geist ihn trägt.“


Dann kam das Thema „Frauen in der Kirche“ zur Sprache. Die Frage stellte Jean-Marie Guénois von der französischen Tageszeitung „Le Figaro“:

„Sie haben gesagt, dass die Kirche ohne Frauen unfruchtbar wird. Welchen konkreten Maßnahmen möchten Sie stellen? Werden Sie beispielsweise das Frauendiakonat einführen oder die Leitung eines römischen Dikasteriums einer Frau anvertrauen?“

Der Papst: „Die Kirche ohne Frauen ist wie das Apostolische Kollegium ohne Maria. Die Rolle der Frau in der Kirche beschränkt sich nicht nur auf die Mutterschaft, also Mutter einer Familie zu sein. Das ist viel mehr: es ist doch gerade die Ikone der Jungfrau, der Muttergottes, die der Kirche hilft, zu wachsen! Schaut, die Muttergottes ist doch viel wichtiger als die Apostel! Sie ist viel bedeutender! Die Kirche ist weiblich: die Kirche ist die Braut und sie ist die Mutter. Doch die Frau in der Kirche muss nicht nur… ich weiß nicht, wie man das auf Italienisch sagt… die Rolle der Frau in der Kirche darf sich nicht nur auf die Mutterrolle beschränken oder als Haushälterin, also etwas Eingeschränktes… Nein! Das ist etwas anderes! Denken wir an die Päpste… Paul VI. hat etwas ganz Schönes über Frauen geschrieben, doch ich denke wir müssen noch weiter gehen in der Erklärung, was diese Rolle und Charisma sein soll. Man kann die Kirche ohne Frauen nicht verstehen, also aktive Frauen in der Kirche, mit ihrem Profil, das sie voranbringt. Ich denke beispielsweise an etwas, was gar nichts mit der Kirche zu tun hat, aber es ist ein Beispiel aus der Geschichte: Das war in Lateinamerika, in Paraguay. Für mich ist die Frau aus Paraguay die glorreichste Frau Lateinamerikas. Kommst du aus Paraguay? Nach dem Krieg gab es ein demographisches Verhältnis von acht Frauen auf jeweils einen Mann. Diese Frauen haben eine sehr schwere Entscheidung getroffen: Sie haben beschlossen Kinder zu bekommen, um ihr Vaterland, ihre Kultur, ihr Glaube und Sprache zu retten. In der Kirche müssen wir in dieser Perspektive denken: risikoreiche Entscheidungen treffen. Das muss genauer erläutert werden. Ich denke, wir haben noch keine tiefe Theologie der Frau in der Kirche gemacht. Heute kann sie ja nur Messdiener oder die Lesungen lesen oder sie ist Präsidentin der Caritas. Na ja, es gibt mehr! Wir brauchen eine tiefgründige Theologie der Frau. Das ist, was ich denke.“


Pablo Ordas von der spanischen Zeitung „El País“ fragte Franziskus nach seiner Beziehung zu seinem Vorgänger Benedikt XVI. Franziskus antwortete, er fühle große Zuneigung zu ihm, immer schon. „Für mich ist er ein Mann Gottes, ein einfacher Mann, ein Betender. Ich war so glücklich, als er zum Papst gewählt wurde! Und auch, als er zurücktrat, war das für mich ein Zeugnis der Größe. Nur ein großer Mann tut dergleichen! Ein Mann Gottes und ein Mann des Gebets. Jetzt, wo er im Vatikan wohnt, sagen mir einige: Wie kann man denn so etwas machen? Zwei Päpste im Vatikan! Stört dich das denn nicht? Macht er nicht eine Art Gegenrevolution? Was man alles so sagt, nicht wahr? Ich habe darauf eine Antwort gefunden: Es ist, wie wenn man einen Opa im Haus hat, einen weisen Opa. Wenn in einer Familie ein Opa zuhause wohnt, dann wird er verehrt, geliebt, man hört ihm zu. Benedikt ist ein Mann großer Vorsicht! Ich habe ihm so oft gesagt: Heiligkeit, empfangen Sie Gäste, leben Sie Ihr Leben, kommen Sie mit uns! Einmal ist er gekommen – zur Einweihung und Segnung der Statue des heiligen Michael (in den Vatikanischen Gärten)… Für mich ist das wirklich, als hätte ich einen Opa im Haus: meinen Papa. Wenn ich ein Problem hätte oder irgendetwas nicht verstünde, dann würde ich ihn anrufen: Sagen Sie mal, kann ich dies und das tun? Und als ich mit ihm über dieses große Problem Vatileaks gesprochen habe, da hat er mir alles gesagt, mit einer Einfachheit des Dienens.“


Eine anschließende Frage, noch einmal zur Beteiligung von Frauen in der Kirche stammte von der brasilianischen Journalistin Ana Fereira:

„Uns Journalisten gefällt es sehr, Fragen zu stellen: Ich will von Ihnen gerne wissen, weshalb Sie gestern zu den brasilianischen Bischöfen über die Beteiligung der Frauen in der Kirche gesprochen haben. Ich möchte genauer wissen, wie Sie diese Beteiligung von uns Frauen in der Kirche verstehen. Was halten Sie eigentlich von der Frauenordination? Welche Stellung sollten wir in der Kirche haben?“

Dazu antwortete der Papst:

Ich möchte ein bisschen das erläutern, was ich über die Beteiligung der Frauen in der Kirche gesagt habe: man kann die Frau nicht auf die Rolle der Messdienerin oder der Caritas-Präsidentin oder Katechetin beschränken… Nein! Es braucht mehr, aber vertieft mehr, auch auf mystischer Ebene mehr. Das ist das, was ich über die Theologie der Frau gesagt habe. Zur Frauenordination hat sich die Kirche bereits geäußert und sagt: „Nein“. Das hat Johannes Paul II. gesagt und zwar mit einer abschließenden Erklärung. Dieses Thema ist beendet, also jene Tür ist zu. Doch dazu möchte ich dir etwas sagen: das habe ich bereits gesagt und ich wiederhole es nochmals: Die Muttergottes, Maria, war viel wichtiger als die Apostel oder als die Bischöfe und Diakonen oder Priester. Die Frau ist in der Kirche viel wichtiger als Bischöfe und Priester. Die Frage ist aber, wie können wir das besser hervorheben. Ich glaube, da fehlt es an einer expliziten theologischen Antwort. Danke.“


Ein Korrespondent der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ sprach den Papst dann auf den Zugang wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten an: „Besteht die Möglichkeit, dass sich in der Disziplin da etwas ändert?“


„Das ist ein Thema, nach dem immer gefragt wird. Die Barmherzigkeit ist größer als dieser Fall, den Sie ansprechen. Ich glaube, dass das die Zeit der Barmherzigkeit ist! Viele Probleme der Kirche – etwa das schlechte Zeugnis einiger Priester, Korruption, Klerikalismus – haben so viele Wunden geschlagen! Und die Kirche ist Mutter: Sie muss herausgehen und die Verletzten mit Barmherzigkeit heilen.“

Die Kirche müsse „immer auf dem Weg der Barmherzigkeit gehen“, so der Papst. Dann erinnerte er daran, dass Geschiedene durchaus zur Kommunion gehen könnten, „da gibt es gar kein Problem“; nur wenn sie wieder verheiratet seien, könnten sie dies nicht. Er wolle das Problem „im Rahmen der ganzen Ehepastoral“ angehen, sagte Franziskus. „Eines der Themen, über das ich mich mit diesen acht Kardinälen in den ersten Oktobertagen beraten will, ist, wie wir weitergehen in der Ehepastoral, und da wird dieses Problem auftauchen. Zweitens: Vor zwei Wochen habe ich mit dem Sekretär der Bischofssynoden über das Thema der nächsten Synode gesprochen, und das Ergebnis ist, dass es auch um Familie und Ehepastoral gehen wird. Wir sind auf dem Weg zu einer etwas vertieften Ehepastoral. Und das geht alle an! Ein Beispiel: Mein Vorgänger in Buenos Aires, Kardinal Quarracino, sagte immer, aus seiner Sicht sei die Hälfte aller kirchlichen Eheschließungen ungültig, weil die Leute ohne Reife heirateten, ihnen sei gar nicht klar, dass das für das ganze Leben sei, oder sie heiraten, weil man das aus sozialen Gründen eben tut. Und in diesen Rahmen gehört die Ehepastoral, und auch die Urteile über eine Annullierung von Ehen – auch das muss überprüft werden, denn die kirchlichen Gerichtshöfe reichen dafür nicht aus. Das Problem der Ehepastoral ist komplex.“

Carolina Pigozzi von „Paris Match“ wollte vom Papst wissen, ob er sich noch als Jesuit fühle, und Franziskus bejahte das: „Ich fühle mich in meiner Spiritualität als Jesuit; in der Spiritualität der geistlichen Exerzitien, das habe ich im Herzen. Ich habe meine Spiritualität nicht geändert, ich bin auch kein Franziskaner: Ich fühle mich als Jesuit, und ich denke als Jesuit.“


Nicole Winfield von Associated Press fragte nach einer „kleinen Bilanz“ der ersten Monates des Pontifikates: Was sei das Beste daran, Papst zu sein, und was das Schlimmste, und was ihn in dieser Zeit überrascht habe.


In seinen ersten Monaten in Rom hätten ihn am meisten „die Menschen“ überrascht, so der Papst: „Ich habe im Vatikan so viele gute Personen gefunden, wirklich! So viele wirklich gute Personen!“ Buenos Aires fehle ihm allerdings, das vertraute er seinem Landsmann und Biographen Sergio Rubin an: „Doch das ist sozusagen ein ruhiges Fehlen.“


Auf Vatileaks sprach ihn die argentinische Journalistin Elisabetta Piqué an: Ob er erschrocken sei, als er die Einzelheiten zu der Geschichte erfahren habe.

„Nein! Ich möchte aber eine Anekdote zur Angelegenheit Vatileaks erzählen. Als ich Papst Benedikt besucht habe, haben wir zuerst gemeinsam gebetet und dann sind wir in sein Arbeitszimmer gegangen. Dort stand eine große Kiste, darauf ein Umschlag. Benedikt sagte mir, „In der Kiste sind alle Aussagen, alles was die Zeugen gesagt haben, das ist alles hier. Die Zusammenfassung und die Abschlussbewertung ist in diesem Umschlag. Und dort steht … .“ Er hatte alles im Kopf! Was für eine Intelligenz! Alles im Kopf, alles! Nein, ich bin nicht erschrocken, nein. Aber es ist ein schweres Problem.“


Der russische Reporter Alexey Bukalov bat den Papst um ein Wort zu den 1.025-Jahrfeiern der Christianisierung der Russen; es gebe Feiern dazu in vielen Städten, etwa in Kiew. Papst Franziskus:

„In den orthodoxen Kirchen ist diese schöne, ursprüngliche Liturgie erhalten geblieben; wir haben ein bisschen den Sinn für die Anbetung verloren. Sie haben ihn behalten, sie loben Gott und beten ihn an, sie singen, und die Zeit spielt keine Rolle. Mittelpunkt ist Gott, und das ist ein Reichtum… Ich habe einmal den Spruch gehört: Lux ex oriente, ex occidente luxus (aus dem Osten kommt das Licht, aus dem Westen der Luxus). Der Konsumismus, der Wohlstand, haben uns sehr geschadet. Ihr dagegen bewahrt diese Schönheit Gottes im Zentrum. Wenn man Dostojewskij liest, dann spürt man die russische, die östliche Seele. Das ist etwas, was uns sehr gut tun wird. Wir brauchen diese Erneuerung, diesen frischen Wind aus dem Osten, dieses Licht aus dem Osten… Manchmal lässt uns der Luxus des Westens den Horizont aus den Augen verlieren.“

Die mexikanische Journalistin Valentina Alazraki fragte Papst Franziskus schließlich nach der angekündigten Heiligsprechung seiner Vorgänger Johannes XXIII. und Johannes Paul II. Der Papst bestätigte, die beiden würden gemeinsam heilig gesprochen. Johannes sei eine Art Landpfarrer gewesen, „ein Priester, der alle Gläubigen liebt“. Für seinen Mut spreche, dass er in seiner Zeit in der Türkei vielen verfolgten Juden falsche Taufscheine ausgestellt habe. Vor allem sei Johannes XXIII. der Papst des Konzils: „Auch Pius XII. dachte über ein Konzil nach, aber die Umstände waren dafür noch nicht reif. Johannes hingegen hat sich um die Umstände überhaupt nicht gekümmert: Er hat das gespürt, und darum hat er es gemacht. Ein Mann, der sich vom Herrn leiten ließ.“

Johannes Paul den Zweiten nannte Franziskus schließlich „den großen Missionar der Kirche“: „Er ist ein Missionar, ein Mann, der das Evangelium überallhin getragen hat, auf vielen, vielen reisen. Er spürte in sich ein Feuer, das Wort des Herrn hinauszutragen. Er ist ein heiliger Paulus, ein Mann wie Paulus. Und ich glaube, ihre gemeinsame Heiligsprechung ist eine Botschaft an die Kirche: Beide sind mutige Leute! Im Gang ist allerdings auch noch ein Seligsprechungsverfahren für Paul VI. und für Papst Luciani (Johannes Paul I., Anm. d. Übs.). Was das Datum der Heiligsprechung betrifft, da hatte man ursprünglich an den 8. Dezember gedacht. Aber das warf viele Probleme auf; Pilger aus Polen, die sich nicht erlauben können, mit dem Flugzeug anzureisen, kommen dann mit dem Bus, aber im Dezember sind schon viele Straßen vereist, darum glaube ich, dass über das Datum noch nachgedacht werden muss. Ich habe mit Kardinal Dziwisz (von Krakau, dem früheren Privatsekretär von Johannes Paul II., Anm. d. Übs.) gesprochen, und er hat mir zwei Vorschläge gemacht: entweder den Christkönigstag in diesem Jahr oder den Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit nächstes Jahr. Ich glaube, bis Christkönig ist wenig Zeit, weil am 30. September das Konsistorium zusammentritt, und bis Ende Oktober bleibt dann nicht mehr viel Zeit – aber ich weiß nicht, ich muss darüber noch mit Kardinal Amato (Präfekt der Heiligenkongregation, Anm. d. Übs.) sprechen. Aber ich glaube, am 8. Dezember wird es nicht sein.”

Aber werden die beiden denn gemeinsam heiliggesprochen?

„Ja, die beiden gemeinsam.“


Die letzte Antwort von Papst Franziskus bei der improvisierten Pressekonferenz, bei der es um eine homosexuelle Lobby im Vatikan und die Gerüchte um den von ihm zum Beauftragten für das IOR ernannten Prälaten Battista Ricca ging, ist von Nachrichtenagenturen in allen Sprachen verbreitet worden.

„Was Prälat Ricca angeht, habe ich das getan, was das Kirchenrecht vorsieht, eine vorläufige Untersuchung. Und in dieser Untersuchung ist nichts von dem, wessen er angeklagt wird, wir haben nichts gefunden. Das ist die Antwort.“

Bei den Vorwürfen des italienischen Vatikanisten Sando Magister war es um angebliches sexuelles Vehlverhalten Riccas während seiner Zeit in der Nuntiatur in Uruguay gegangen.

„Mir fällt – jenseits dieses Falles aber auch bei diesem Fall – in der Kirche auf, dass man nach Jugendsünden sucht. Und die werden dann veröffentlicht. Es geht nicht um Straftaten, oder? Eine Straftat ist etwas anderes, der Missbrauch an Minderjährigen, das ist eine Straftat. Nein, es geht um Sünden. Wenn eine Person, Laie oder Priester oder Schwester gesündigt hat und umkehrt, dann vergibt der Herr und wenn der Herr vergibt, dann vergisst er und das ist auch für unser Leben wichtig. .. Wir haben nicht das Recht, nicht zu vergessen, weil wir das Risiko gehen, dass der Herr dann unsere eigenen Sünden nicht vergessen wird, nicht wahr?“

Papst Franziskus ging auch auf die „Lobby Gay“ ein, angebliche Seilschaften Homosexueller im Vatikan.

„Man schreibt sehr viel über diese Lobby Gay. Ich selber habe noch keinen Ordner mit ‚homosexuell’ darauf gefunden. Man sagt, dass es welche gibt. Ucg denke, dass man wenn man einem solchen Menschen begegnet, unterscheiden muss zwischen der Tatsache der Homosexualität und der eines Netzwerkes, denn kein Netzwerk ist gut. Das ist das Schlechte. Wenn jemand homosexuell ist und Gott sucht und guten Willen hat, wer bin ich, ihn zu verurteilen?“

Die katholische Lehre verbiete eine Diskriminierung von Homosexuellen und fordere deren Integration, betonte Franziskus unter Verweis auf den Katechismus der katholischen Kirche.


Der Papst verabschiedete sich von den Journalisten mit den Worten „Danke, gute Nacht, gute Reise und gute Erholung“.


(rv 02.08. 2013 sk/mg/ord)