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Papst bei Gebetsvigil: Aufruf zum Wandel


Zehntausende junger Leute haben am Samstag Abend an einer Gebetsvigil mit Papst Franziskus in Rio teilgenommen. Am Strand von Copacabana rief der Papst sie auf, zu Protagonisten des Wandels zu werden. Szenische Darstellungen und viel Musik umrahmten die Feier. Wir dokumentieren hier eine leicht gekürzte Fassung der Ansprache von Papst Franziskus.

Liebe junge Freunde,
wir haben eben erst an die Geschichte des heiligen Franz von Assisi erinnert. Vor dem Kreuz hört er die Stimme Jesu, die zu ihm sagt: „Franziskus, geh und stelle mein Haus wieder her.“ Und der junge Franziskus antwortet schnell und großmütig auf diesen Ruf des Herrn: sein Haus wiederherstellen. Aber welches Haus? Nach und nach wird er sich bewusst, dass es nicht darum ging, den Maurer zu machen und ein aus Steinen gefertigtes Gebäude wieder aufzubauen, sondern seinen Beitrag für das Leben der Kirche zu leisten. Es ging darum, sich in den Dienst der Kirche zu stellen, sie zu lieben und zu arbeiten, damit sich in ihr immer mehr das Antlitz Christi widerspiegle.

Auch heute noch braucht der Herr euch junge Menschen für seine Kirche. Auch heute ruft er jeden von euch, ihm in seiner Kirche zu folgen und Missionar zu sein. Wie? Auf welche Weise? Beim Begriff Feld des Glaubens –, habe ich an drei Bilder gedacht, die uns helfen können, besser zu verstehen, was es bedeutet, ein Jünger und Missionar zu sein: das erste Bild, das Feld als Ort, auf dem gesät wird; das zweite, das Feld als Sportplatz; und das dritte, das Feld als Baustelle.

1. Das Feld als Ort, auf dem gesät wird. Wir kennen alle das Gleichnis Jesu, das von einem Sämann erzählt, der aufs Feld ging, um Samen auszustreuen. Einige Körner fallen auf den Weg, auf felsigen Boden, in die Dornen und können nicht richtig wachsen; aber andere fallen auf guten Boden und bringen reiche Frucht (vgl. Mt 13,1-9). Jesus selbst erklärt den Sinn des Gleichnisses: Der Samen ist das Wort Gottes, das in unsere Herzen gesät wird (vgl. Mt 13,18-23). Liebe junge Freunde, dies bedeutet, dass der wahre Campus Fidei das Herz eines jeden von euch ist, euer Leben ist. Und in unser Leben bittet Jesus mit seinem Wort, mit seiner Gegenwart einzutreten. Bitte, lasst Christus und sein Wort in euer Leben eintreten, dass sie sprießen und wachsen können!

Jesus sagt uns, dass die Samen, die an den Wegrand, die zwischen die Felsen oder in die Dornen gefallen sind, keine Frucht gebracht haben. Welcher Boden sind wir oder wollen wir sein? Vielleicht sind wir manchmal wie der Weg: Wir hören den Herrn, aber es ändert sich nichts im Leben, denn wir lassen uns von vielen oberflächlichen Verlockungen, die wir hören, betäuben. Oder wie der felsige Boden: Wir nehmen Jesus mit Begeisterung auf, aber wir sind unbeständig und haben nicht den Mut, bei Schwierigkeiten gegen den Strom zu schwimmen. Oder wir sind wie der Boden mit den Dornen: Die materiellen Dinge und die schlechte Leidenschaften ersticken in uns die Worte des Herrn (vgl. Mt 13,18-22). Heute aber bin ich sicher, dass der Samen auf guten Boden fällt, dass ihr guter Boden sein wollt, keine Teilzeit-Christen, keine Spießer, nicht nur Fassade, sondern authentisch. Ich bin sicher, dass ihr nicht in einer Illusion von Freiheit leben wollt, die sich von den Moden und Interessen des Augenblicks treiben lässt. Ich weiß, dass ihr das Große wollt, endgültige Entscheidungen, die dem Leben vollen Sinn geben. Jesus kann euch dies geben. Er ist „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6). Vertrauen wir uns ihm an. Lassen wir uns von ihm führen!

2. Das Feld als Sportplatz. Jesus bittet uns, ihm das ganze Leben hindurch zu folgen, er bittet uns, seine Jünger zu sein, „in seiner Mannschaft zu spielen“. Ich denke, dass die meisten von euch Sport lieben. Und hier in Brasilien wie in anderen Ländern ist Fußball eine nationale Leidenschaft. Nun, was macht ein Spieler, wenn er in eine Mannschaft berufen wird? Er muss trainieren, viel trainieren. So ist es auch in unserem Leben als Jünger des Herrn. Der heilige Paulus sagt uns: „Jeder Wettkämpfer lebt aber völlig enthaltsam; jene tun dies, um einen vergänglichen, wir aber, um einen unvergänglichen Siegeskranz zu gewinnen“ (1 Kor 9,25). Jesus bietet uns etwas Größeres als den Weltcup! Er bietet uns die Möglichkeit eines fruchtbaren und glücklichen Lebens, und er bietet uns auch eine Zukunft mit ihm, die kein Ende haben wird, das ewige Leben. Aber er bittet uns zu trainieren, um „in Form zu bleiben“, um allen Situationen des Leben ohne Angst zu begegnen und dabei unseren Glauben zu bekennen. Wie das? Durch den Dialog mit ihm: das Gebet, das heißt das tägliche Gespräch mit Gott, der uns immer hört. Durch die Sakramente, die in uns seine Gegenwart wachsen lassen und uns Christus gleichförmig machen. Durch die geschwisterliche Liebe, dadurch, dass wir den anderen zuhören können, die anderen verstehen, aufnehmen, ihnen vergeben, helfen – allen Menschen, ohne auszuschließen, ohne auszugrenzen. Liebe junge Freunde, seid wahre „Athleten Christi“!

3. Das Feld als Baustelle. Wenn unser Herz guter Boden ist, der das Wort Gottes aufnimmt, wenn wir bei unseren Bemühungen, als Christen zu leben, gleichsam „das Hemd durchschwitzen“, machen wir eine wertvolle Erfahrung: Wir sind nie allein, wir sind Teil einer Familie von Brüdern und Schwestern, die den gleichen Weg gehen. Wir sind Teil der Kirche. Besser noch, wir werden Erbauer der Kirche und Protagonisten der Geschichte. Der heilige Petrus sagt uns, dass wir lebendige Steine sind, die einen geistlichen Bau bilden (vgl. 1 Petr 2,5). Wenn wir diese Bühne betrachten, sehen wir, dass sie die Gestalt einer Kirche hat, die aus Steinen, aus Ziegeln gebaut ist. In der Kirche Jesu sind wir die lebendigen Steine, und Jesus bittet uns, seine Kirche aufzubauen; und nicht als eine kleine Kapelle, die nur eine kleine Gruppe von Personen aufnehmen kann. Er bittet uns, dass seine lebendige Kirche so groß sei, dass sie die ganze Menschheit aufnehmen kann, dass sie ein Haus für alle sei! Er sagt zu mir, zu dir, zu jedem: „Geht und macht alle Völker zu Jüngern“. Diesen Abend wollen wir ihm antworten: Ja, auch ich will ein lebendiger Stein sein; zusammen wollen wir die Kirche Jesu aufbauen! Sagen wir gemeinsam: Ich will hinausgehen, um ein Erbauer der Kirche Christi zu sein!

In eurem jungen Herzen besteht der Wunsch, eine bessere Welt aufzubauen. Aufmerksam habe ich die Nachrichten über die vielen Jugendlichen verfolgt, die in vielen Teilen der Welt auf die Straßen hinausgegangen sind, um ihrem Wunsch nach einer gerechteren und brüderlicheren Gesellschaft Ausdruck zu verleihen. Es bleibt aber die Frage: Wo soll man beginnen? Welche sind die Kriterien für den Aufbau einer gerechteren Gesellschaft? Als Mutter Teresa von Kalkutta gefragt wurde, was sich in der Kirche ändern müsse, antwortete sie: Du und ich!
Liebe Freunde, vergesst nicht: Ihr seid das Feld des Glaubens! Ihr seid die Athleten Christi! Ihr seid die Erbauer einer schöneren Kirche und einer besseren Welt. Erheben wir unseren Blick zur Muttergottes. Sie hilft uns, Jesus zu folgen. Sie gibt uns mit ihrem „Ja“ zu Gott das Beispiel: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast (Lk 1,38). Das wollen auch wir zu Gott sagen – zusammen mit Maria: Mir geschehe, wie du es gesagt hast. So sei es!

(rv 28.07.2013 sk)