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Radio Vatikan

Die Stimme des Papstes und der Weltkirche

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Vor einiger Zeit ging die Meldung herum, der Papst habe das Fegefeuer „abgeschafft“. Wie sieht es damit aus? Wie habe ich mir das vorzustellen? Wie ist das mit der Zeit dort; es gibt ja das berühmte Zitat vom Mystiker Heinrich Seuse: eine Stunde sei dort wie 100 Jahre.


Immer wieder gibt es solche Meldungen, und sie klingen ja auch in den Medien sehr schön, kann man doch die Kirche und ihre altmodischen Ansichten gut vorführen. Natürlich hat hier niemand etwas abgeschafft.

Vor einiger Zeit hat im Vatikan eine Theologenkommission getagt. Auf der Agenda stand auch die Idee des Limbo. Dahinter steht eine theologische Überlegung: nur mit Taufe käme man in den Himmel, hieß es vor Jahrhunderten. Nichtgetaufte könnten nicht in den Himmel, denn ohne Sündenvergebung kein Einlass. Nun entstand das Problem, dass es Menschen gibt, die nicht getauft sind, aber auch keine Sünden selbst begangen haben können: Kleinkinder, Neugeborene. Für die hat man also ein theologisches Konstrukt entwickelt, den Limbo.

Die Theologen haben sich also die Texte der Theologie und der letzten Konzilien vorgenommen und entschieden, dass diese Vorstellung nicht mit unserer Vorstellung eines liebenden Gottes übereinstimmt. Hätte man da nicht schon früher drauf kommen können? Sicher, aber das Problem war hier einmal mehr nicht Rom oder die Kirche oder irgend ein Papst, es ist Volksglauben geworden. Und dagegen kann man so gut wie nie ankommen

Was das Fegefeuer angeht, haben einige Päpste das ihre versucht, um klarzustellen, was damit gemeint sei. Johannes Paul zum Beispiel hat von einem Seelenzustand gesprochen: ich habe mich noch nicht vollständig Gott zugewandt und erfahre das Leid, dass mir in meiner Würde und Liebe noch etwas fehlt. Benedikt XVI. hat vom Prozess der Reinigung gesprochen. Beides meint, dass die Konsequenzen unseres Lebens und Handelns nicht einfach wegfallen, wenn wir in die Anwesenheit Gottes treten. Unser Leben hier zählt. Und all das, was nicht den Glauben und der Liebe und der Würde gemäß ist, wird uns weggenommen, dieser Schmerz, das bezeichnen wir als Fegefeuer. Leider gibt es immer noch zu viele Bilder und Vorstellungen, die sich das als Raum denken, in den Menschen eingesperrt werden. Aber damit hat das nichts zu tun. Es geht darum, dass wir mit unserem Leben dem liebenden und verzeihenden Gott begegnen werden.