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Radio Vatikan

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Kardinal Arborelius im Gespräch

Schwedens erster Kardinal Anders Arborelius - REUTERS

06/12/2017 15:18

Schwedens erster Kardinal Anders Arborelius nimmt an diesem Mittwochabend in Rom seine Titelkirche „Santa Maria degli Angeli e dei Martiri“ in Nähe des römischen Hauptbahnhofs in Besitz – ein Brauch, der als Ausdruck der engen Zusammenarbeit mit dem Bischof von Rom in der Leitung der Kirche zu verstehen ist. Franziskus hatte Arborelius, der als junger Mann zum Katholizismus übergetreten war, am 28. Juni 2017 zum Kardinal erhoben. Radio Vatikan sprach mit dem Kardinal über diese neue Rolle, den „Franziskus“-Effekt im säkularen Schweden und die Idee eines Frauenkollegiums im Vatikan. Die Fragen stellte Anne Preckel.

RV: Eine Titelkirche in Rom für den ersten schwedischen Kardinal, den ersten Kardinal Skandinaviens überhaupt – was bedeutet Ihnen das, was löst das in Ihnen aus?

Arborelius: Gestern war ich zum ersten Mal hier in der Kirche und war überwältigt von dieser schönen großen Kirche, wir haben in Schweden ja kleinere Verhältnisse. Allmählich haben wir dann entdeckt, dass es einige Dinge gibt, die uns verbinden. Zum Beispiel tut man hier viel für die Armen, Leute, die wirklich auf der Straße leben, man hat auch viele ökumenische Beziehungen. Und wir haben in der Gemeinde einen irakischen Priester gehabt, der hier (in der Kirche Santa Maria degli Angeli e dei Martiri, Anm.) geweiht wurde, der auch in Schweden gearbeitet hat und dann als Märtyrer im Irak getötet wurde. So ganz allmählich sehen wir, dass wir viel gemeinsam haben mit dieser Kirche und mit dieser Gemeinschaft.

„Kirche wird immer mehr Teil der Gesellschaft in Schweden“

RV: Schweden ist ein sehr säkulares Land. Wie sehen die Schweden seit der Wahl von Papst Franziskus und Ihrer Kardinalserhebung die katholische Kirche? Hat sich da etwas verändert?

Arborelius: Ja, das muss man wirklich sagen! Mehr und mehr hat man sich seitdem für die katholische Kirche interessiert, und auch positiv! Früher wurde nur, wenn es etwas Negatives gab, über die Kirche berichtet. Es hat mich wirklich verwundert, dass der Papst in Schweden so gut empfangen wurde, von allen. Und dann, als ich zum Kardinal ernannt wurde, hat man sich dafür sehr interessiert. Und viele, die auch nicht katholisch sind, sagten: ,Wir haben unseren Kardinal in Schweden!‘ Also man sieht das als eine Ehre für die Nation, für das Land. Und das ist etwas Neues, denke ich. Früher war ja die katholische Kirche etwas Fremdes, ein wenig Außerhalb der Gesellschaft. Also irgendwie sehen wir, dass die Kirche mehr und mehr ein Teil der Gesellschaft und der Kultur wird in Schweden.

RV: Sind damit auch mehr Menschen in die katholische Kirche eingetreten?

Arborelius: Vielleicht nicht so merkbar, aber irgendwie sieht man, dass mehr Menschen sich für die Kirche interessieren und vielleicht werden ja allmählich auch mehr Menschen katholisch, nicht so unmittelbar, aber doch mit der Zeit vielleicht.

„Unsere Kirche wurde von Einwanderern aufgebaut“

RV: Europa streitet derzeit um Asylfragen und die Aufnahme von Flüchtlingen. Schwedens katholische Kirche besteht zur Hälfte aus Einwanderern, die nach Schweden kamen. Was ist Ihre Sicht auf das Thema Einwanderung, was würden Sie der Staatengemeinschaft in der aktuellen Debatte raten?

Arborelius: Die katholische Kirche in Schweden ist ja von Flüchtlingen und Einwanderern aufgebaut worden. Dank der Einwanderung, dank der Flüchtlinge ist die Kirche groß geworden. Und immer noch kommen neue Menschen dazu. Und wir sehen auch, dass es für die schwedische Gesellschaft sehr wichtig ist: In vielen Berufsfeldern arbeiten nur Einwanderer, und ohne die Einwanderer wird die Bevölkerung in Europa älter und älter, es ist auch eine Notwendigkeit, dass Einwanderer dazukommen. Die Integrationsfrage ist natürlich immer die Schwierige. Und in Schweden sehen wir, dass leider einige Einwanderer nicht integriert werden, aber die meisten, muss ich sagen – und das sehen wir in unseren Gemeinden – haben sich sehr gut integriert und sind nicht nur für die Kirche, sondern auch für die Gesellschaft sehr wichtig. Und deshalb sehen wir sehr positiv auf die Migration. Aber natürlich muss man das irgendwie regeln. Und das ist jetzt die große Frage in Europa: Wie können wir das tun? Schweden und Deutschland hatten da ja immer eine positivere Politik gefahren, jetzt wird es etwas strenger, und darüber sind wir natürlich ein wenig traurig. Aber wir hoffen, dass man doch gemeinsam in Europa diese Migrationsfrage lösen kann; da muss man eine gemeinsame Lösung suchen – das ist die Schwierigkeit.

Weibliche Erfahrungen und Kompetenzen mehr ins Zentrum stellen

RV: Sie haben da vor einigen Monaten einen Vorschlag gemacht zum Dienst der Frauen in der Kirche. Sie schlugen vor, doch ein „Frauenkollegium“ analog zum Kardinalkollegium einzurichten, das den Papst berät. Warum halten Sie ein solches Gremium für wertvoll für die katholische Kirche?

Arborelius: Wir wissen ja, dass die Frauen eine eigene Berufung in der Kirche haben. Und früher hatte man große Kongregationen mit aktiven Frauen, die Universitäten, Institutionen aller Art gefördert haben. Aber diese Ordensgemeinschaften gehen ja zurück. Und dadurch wird auch die Stimme der Frauen in der Kirche schwächer, man müsste also eine alternative Lösung finden. Und dieses Kolleg – das ist nicht allein meine Idee, kommt auch von anderen – wäre vielleicht eine Möglichkeit, um die Erfahrungen und die Gnadengaben der Frauen mehr ins Zentrum zu stellen in der Kirche.

RV: Wie könnte man sich das konkret vorstellen, haben Sie dazu eine Idee?

Arborelius: Das ist natürlich Sache des Papstes, so etwas durchzuführen. Aber ich denke, dass man Frauen aus der ganzen Welt mit ihren speziellen Kompetenzen (herholen könnte, Anm.) – ungefähr so, wie man jetzt schon Ordensgemeinschaften hat, die im Unterrichtswesen, der Krankenfürsorge, der Evangelisierung aktiv sind. Also ein Gremium von Frauen, die für die großen Nöte der Kirche etwas tun könnten.

RV: …und die dann durch Ernennung durch den Papst in das Gremium berufen werden..

Arborelius: Ja, natürlich, sie sollten ja eine Hilfe für den Heiligen Vater sein. Und wir sehen ja, das einzelne Frauen sehr viel bedeutet haben wie Mutter Theresa von Kalkutta, Chiara Lubich und viele mehr. Und ich denke, dass es für unsere Kirche in dieser Zeit sehr wichtig ist, die Themen der Frauen zu hören und dadurch einen Mehrwert zu finden.

RV: Vielen Dank für dieses Gespräch.

(rv 06.12.2017 pr)

06/12/2017 15:18