Artikel lesen Zum Menü

Social Networks:

RSS:

Radio Vatikan

Die Stimme des Papstes und der Weltkirche

Andere Sprachen:

Dossiers \ Buchtipp

Unser Buchtipp: Rund um die Bibel

Eine Luther-Bibel von 1525 - ANSA

18/11/2017 08:42

Gibt es ein Buch oder einen Text, der noch wichtiger ist als die Bibel? Ja, eigentlich schon: einen Text, der die Bibel erklärt. Der ihre dunklen Stellen ausleuchtet, schwierige Passagen in einen Zusammenhang rückt, das heilige Buch überhaupt erst erschließt für den Leser von heute.

Und genau das leistet, regelmäßig und zuverlässig, das Themenheft „Welt und Umwelt der Bibel“ des Katholischen Bibelwerks. Die neueste Ausgabe beschäftigt sich mit dem Zueinander der drei monotheistischen Religionen, also Judentum, Christentum, Islam. Dabei wird schon im ersten größeren Aufsatz mit einigen Stereotypen aufgeräumt: etwa, dass es eine gemeinsame christlich-jüdische Tradition gäbe („eine in die Vergangenheit zurückprojizierte Fiktion der Nachkriegszeit“), oder dass es einmal eine goldene Zeit interreligiösen Zusammenlebens im südspanischen al-Andalus gegeben hätte („ein Klischee, das an der historischen Wirklichkeit vorbeigeht“, ja am „Schreibtisch“ eines deutschen Gelehrten im 19. Jahrhundert entstanden ist).

Hochinteressant ist eine Analyse dessen, was die Heiligen Schriften der drei großen Religionen über jeweils andere Religionen schreiben. Das Fazit lautet, dass sich jüdische und christliche Bibel sowie der Koran kaum wirklich um ein „Verständnis“ des „Glaubens der Anderen“ bemühen, sondern es bei den entsprechenden Textstellen vielmehr darum ging, „sich des Eigenen zu vergewissern“. Die koranische Sicht auf die Anderen wird mit Recht als „ambivalent“ gewertet; doch spannende interreligiöse Perspektiven ergeben sich aus dem Vorschlag der Autoren, das koranische Wort „kufr“ nicht mehr mit „Unglaube“, sondern mit „Undankbarkeit“ wiederzugeben. Ein solches Verständnis dieses Begriffs würde Nichtmuslimen in mehrheitlich islamischen Ländern das Leben spürbar erleichtern.

Wie gewohnt, informiert „Welt und Umwelt der Bibel“ auch wieder über neue Ausgrabungen im Heiligen Land, darunter Spuren der Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier 587 vor Christus. Wer „Angst“ vor dem Bibellesen hat, der sollte zu diesen Heften des Katholischen Bibelwerks greifen: Dem Mann (oder der Frau) kann geholfen werden!

Ebenfalls mit dem Buch der Bücher beschäftigt sich ein dickbauchiger Sammelband aus dem Herder-Verlag: „Aspekte der Bibel“ hangelt sich an „Themen, Figuren, Motiven“ entlang einmal quer durch die Heilige Schrift. Bekannte Experten (unterschiedlicher Konfession) führen die Stichgrabungen durch; das Ergebnis ist ein umfassendes Update des Lesers, was die heutige Bibelwissenschaft betrifft.

Die vierzig Aufsätze beschäftigen sich, in der Regel gut lesbar, mit Themen wie „Frauen im Alten Testament“, „Warum hat Hiob recht?“ oder „Prozess Jesu – Kreuz und Auferstehung in theologischer und kulturgeschichtlicher Perspektive“. Nicht immer ist die Optik streng theologisch: Auch Literaturwissenschaftler oder Schriftsteller kommen zu Wort.

Der Ägyptologe Jan Assmann schildert auf geniale Weise seine These von der „Revolution“, die sich seiner Ansicht nach im Buch Exodus spiegelt; der frühere EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber schildert Dietrich Bonhoeffers Blick auf die Bibel, der Poet Michael Krüger deutet das Büchlein Ruth als „Lob der Schwiegermutter“ – und das sind nur einige der Trouvaillen, die dieser solide, interessante Band bietet.

Katholisches Bibelwerk (Hg.), Juden, Christen, Muslime. Die Kunst des Zusammenlebens. In der Reihe: Welt und Umwelt der Bibel, Nr. 86, ca. 12 Euro

Hans-Joachim Simm (Hg.), Aspekte der Bibel. Themen, Figuren, Motive. Herder Verlag, ca. 25 Euro

(rv 17.11.2017 stefan von kempis)

18/11/2017 08:42