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Atomwaffenkonferenz im Vatikan

Die Kardinäle Turkson und Parolin mit der UNO-Abrüstungsbeauftragten, Izumi Nakamitsu - AP

11/11/2017 10:40

Papst Franziskus? Hat Angst vor einem versehentlichen Zünden der Atombomben. Friedensnobelpreisträger Mohammed El Baradei? Geht angesichts der „Feuer und Wut“-Drohungen des US-Präsidenten Donald Trump gegenüber Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un erst einmal beten. Das zumindest sagte der Ägypter zwischen Scherz und Ernst zu Journalisten am Rand einer zweitägigen Abrüstungs-Konferenz im Vatikan.

„Wir müssen damit weitermachen, Druck auf die Atomwaffenstaaten aufzubauen“, so der frühere Generaldirektor der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO). „Man kann kein Sicherheitssystem haben, das sagt, einige seien gleicher als andere, oder dass wir uns zwar nicht auf Atomwaffen verlassen können, man sie aber nicht abschaffen kann. Das ist einfach nur arrogant!“

Wir wollen nicht unter einem Damoklesschwert leben

Die Welt brauche vielmehr ein Sicherheitssystem, das gerecht und inklusiv sei und in dem jeder sich sicher fühlen könne, betonte er. Dabei sieht er auch die Bürger in der Pflicht. Denn „das wird nicht nur durch den Dialog zwischen Regierungen passieren,“ so seine Einschätzung. „Die Menschen müssen sich engagieren. Auf die gleiche Weise, wie sie sich gegen den Klimawandel einsetzen oder für Nahrungssicherheit – die Menschen müssen den Regierungen eine klare Botschaft zukommen lassen: Wir wollen nicht unter einem Damoklesschwert leben! Wir wollen nicht in der Angst leben, am nächsten Morgen aufzuwachen und unsere Welt nicht mehr so vorzufinden, wie sie heute ist. Das ist verrückt, alle sagen das! Doch die Regierungen hören nicht. Nochmals, mit den Möglichkeiten die wir heute haben, Social Networks und so weiter, müssen wir den Regierungen sagen: Entwickelt euch, oder verschwindet!“

Unisono sprachen sich die kirchlichen Teilnehmer auf der vom Vatikan ausgerichteten Konferenz für eine entschiedene Unterstützung eines UNO-Atomwaffenverbotsvertrags aus, der allerdings noch gar nicht in Kraft getreten ist. Der Weltfrieden, so der einmütige Appell, dürfe nicht auf einem Gleichgewicht der Abschreckung basieren – das hatte auch der Papst am Freitag den Teilnehmern ins Stammbuch geschrieben.

Falsches Gefühl der Sicherheit

„Die Atomwaffen können nicht die Lösung des Sicherheitsproblems darstellen,“ betonte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin auf der Konferenz. Viel wichtiger als eine Finanzierung der Waffen, die nur ein falsches Gefühl der Sicherheit vermittelten, wäre die Investition in Entwicklung, wiederholte er Worte des Papstes. Er unterstrich, dass es nicht „unrealistisch“ oder sogar „utopisch“ erscheinen dürfe, an eine „atomwaffenfreie Welt“ zu denken.

Mit ernsten Worten meldete sich auch der Gastgeber der Konferenz, Kurienkardinal Peter Turkson zu Wort. Die Welt stehe leider am Rande einer Nuklearkatastrophe, so die Analyse des Präfekten des Dikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen, das die Konferenz ausrichtet. Sicherheit hänge nicht von der Anzahl der Waffen ab, die wir zur Verfügung hätten, betonte er. Auch er unterstrich mit einem Zitat des früheren US-Präsidenten Eisenhower, wie viele Ressourcen die Bereitstellung von Atomwaffen für Entwicklungsprojekte abziehe. Denn jedes Mal, wenn man Waffen benutze, stehle man von denen, die um das Überleben kämpfen müssen. 

Mit Blick auf den Einsatz des Heiligen Stuhls in der Nordkorea-Krise betonte er auf Nachfrage von Journalisten am Rande der Konferenz: „Was Nordkorea betrifft, so ist unsere Anlaufstelle immer die Lokalkirche von Südkorea. Das Dikasterium und einige Mitglieder der koreanischen Bischofskonferenz sind dabei, zu prüfen, wie man mit dem Regime in Nordkorea in Kontakt treten könnte. Schauen wir, ob es uns gelingt! Derzeit kann ich nicht exakt sagen, wann es uns gelingen kann, doch wir sind dabei, Möglichkeiten zu entdecken, direkt mit ihnen in Kontakt zu kommen.“

Wie Kinder über ihre Spielzeugwaffen

Einer der Referenten war der österreichische Botschafter bei den UNO-Organisationen in Genf, Thomas Hajnoczi. Allein die USA müssten für Erhalt und Modernisierung ihres Atomwaffenarsenals in den kommenden 30 Jahren rund 1,3 Billionen Dollar ausgeben, hieß es bei einem Podium der UNO-Botschafter und Mitarbeiter der NATO-Führungsebene.

Eine mehrfach geäußerte Warnung in der Synodenaula des Vatikan bezog sich auf die derzeit vorherrschende internationale Rhetorik. "Die Lage ist ernst, wenn Staatsführer über Nukleararsenale sprechen wie Kinder über ihre Spielzeugwaffen", warnte Muhammad Yunus, Wirtschaftswissenschaftler und Friedensnobelpreisträger von 2006.

(rv/kap 11.11.2017 cs)

11/11/2017 10:40