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Der kleinste Staat auf der größten Klimakonferenz

Auf dem Klimagipfel in Bonn - AFP

10/11/2017 10:04

Es ist die größte Klima-Konferenz aller Zeiten – aber man sagt ihr ein eher bescheidenes Ergebnis voraus. Sie findet in Bonn, in Deutschland, statt – aber offizieller Gastgeber sind die kleinen Fidschi-Inseln. COP23, das ist ihr Kürzel, und auch der Vatikan ist vertreten: durch Bruno-Marie Duffé, den Sekretär des Päpstlichen Rates für die ganzheitliche menschliche Entwicklung.

„Wir können uns nicht auf moralische Unterstützung beschränken, sondern wollen darauf hinwirken, dass es zu konkreten politischen Entscheidungen kommt“, sagt uns der französische Priester in einem Interview. Wir brauchen von diesem Gipfel eine deutliche Botschaft der Hoffnung und der Ermutigung, damit sich der politische Wille (zur Eindämmung der Folgen des Klimawandels) durchsetzt und zu politischen Regelungen und Gesetzen führt, in Europa, in Afrika, in Asien und den beiden Amerikas. Und damit zweitens auch finanzielle Versprechen eingegangen werden, denn ohne sie kommt man in diesem Bereich zu nichts. Wir müssen jetzt von den guten Absichten zur Tat übergehen – das ist die Botschaft.“

Oder das sollte sie sein. Bis zum 17. November haben die Delegationen in Bonn noch Zeit, um die Welt positiv zu überraschen. Immerhin, sogar Syrien ist jetzt dem Klima-Abkommen von Paris beigetreten – der erhebliche Schönheitsfleck bleibt allerdings, dass Donald Trumps Vereinigte Staaten weiter aus dem Regelwerk aussteigen wollen.

Dass Duffé in unserem Interview über die Worte „die beiden Amerikas“ eher hinweghuscht, zeigt, dass er beim Unterricht in Kuriendiplomatie gut aufgepasst hat. Papst Franziskus hatte sich kurz vor der Klima-Konferenz von Paris 2015 mit dem ganzen Gewicht seines Amtes im Kampf gegen die Klimawandel-Folgen eingesetzt, indem er Laudato si‘ veröffentlichte, die erste Enzyklika eines Papstes zum Thema Schöpfung überhaupt.

Keine moralisierende Botschaft

„Das Argument, das Papst Franziskus vorbringt und um das es auch auf der Klimakonferenz geht, lautet: Es reicht nicht, irgendwelche Retuschen an unserem Wirtschaftssystem vorzunehmen, wir brauchen ein ganz neues Wirtschaftssystem. Es darf keinen Raubbau an den Ressourcen und nicht mehr so viele schädliche Emissionen geben, die nicht nur das Klima schädigen, sondern auch uns Menschen krank machen. Wenn wir einfach so weitermachen wie bisher, stellen wir unser gemeinsames Weiterleben auf der Erde überhaupt in Frage.“

Genau dieser Gedanke setzt sich bei immer mehr Zeitgenossen durch, er ist beileibe keine katholische Sondersicht auf die globalen Entwicklungen. Erst vergangene Woche kamen im Vatikan Wissenschaftler aus aller Welt zusammen, die Katholiken unter ihnen waren wohl in der Minderzahl, um über die dramatischen Folgen des Klimawandels zu sprechen. Eines hatten sie dabei klar vor Augen: ungezügeltes Wirtschaftswachstum als Motor von Entwicklung zu fördern wie seit dem Ende des zweiten Weltkriegs üblich, das ist der falsche Dampfer.

Trotz der grünen Allianzen – die Übermacht des alten Denkens ist groß. Glaubt der Vatikanvertreter auf dem Klimagipfel wirklich, mit den Appellen aus „Laudato Si“ beim Bonner Klimaschacher Gehör zu finden? „Ich hoffe es von ganzem Herzen, denn ich glaube, bei der COP 21 von Paris sind doch die Beiträge des Heiligen Stuhls sehr gut aufgenommen worden.“

Da gab es allerdings noch keinen US-Präsidenten Donald Trump, das sagt Duffé hier nicht. Stattdessen legt er noch eins drauf. „Es geht gar nicht nur um ein neues Wirtschaftsmodell, sondern auch um eine neue Art und Weise, auf unsere Umwelt zu schauen und auf unsere Mitmenschen. Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass wir immer mehr kaufen und konsumieren müssen. Durch dieses Immer-mehr verlieren wir aus dem Blick, was einfach und schön ist. Also, die Botschaft kann durchaus gehört werden, weil sie auf verschiedenen Ebenen angesiedelt ist. Das ist keine moralisierende Botschaft! Es geht hier nicht um Werturteile.“

(rv 10.11.2017 sk)

10/11/2017 10:04