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D: Fritz Gerlich und Romano Guardini könnten selig werden

Romano Guardini - eines Tages selig? - RV

24/10/2017 10:59

Zwei mögliche neue Selige des 20. Jahrhunderts für Deutschland: Für Romano Guardini und Fritz Michael Gerlich werden Seligsprechungsverfahren eingeleitet. Das hat das Erzbistum München und Freising am Dienstag mitgeteilt. Mit einem feierlichen Gottesdienst im Münchner Liebfrauendom am 16. Dezember eröffnet Erzbischof Kardinal Reinhard Marx das Verfahren. Gerlich arbeitete als Historiker, leistete publizistischen Widerstand gegen die Nationalsozialisten und wurde bereits 1934 in Dachau erschossen. Guardini gilt als einer der bedeutendsten Religionsphilosophen des 20. Jahrhunderts. Alle Gläubigen sind aufgerufen, dem Erzbistum ab dem offiziellen Beginn des Verfahrens Informationen zukommen zu lassen, die für die Seligsprechungsverfahren nützlich sein könnten, beispielsweise zum Leben und Wirken von Gerlich und Guardini oder zu Gebetserhörungen.

Der Historiker und Publizist Fritz Michael Gerlich (1883-1934) war in den 1920er Jahren Schriftleiter der „Münchner Neuesten Nachrichten“, der Vorgängerin der „Süddeutschen Zeitung“. Ab 1930 wandte er sich als Herausgeber der Zeitschrift „Illustrierter Sonntag“, später „Der gerade Weg“, scharf gegen Adolf Hitler und die Nationalsozialisten. Im März 1933 wurde Gerlich verhaftet und blieb ohne Prozess und ohne Anwalt eingesperrt, bis er in der Nacht auf den 1. Juli 1934 nach Dachau überführt und dort erschossen wurde. 

Romano Guardini (1885-1968) war Priester und Professor für Religionsphilosophie und katholische Weltanschauung, zunächst in Berlin, später in Tübingen, von 1948 bis 1962 an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, wo er auch als Universitätsprediger an St. Ludwig wirkte. Der Theologe erreichte in Kirche und Hörsaal eine breite Zuhörerschaft. Er gilt als ein Wegbereiter der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Welche Informationen zählen

Verfahren zur Seligsprechung beginnen im Bistum, in dem die jeweiligen Kandidaten verstarben. In dieser ersten, diözesanen Phase der Verfahren werden Zeugen befragt, die über die Persönlichkeit, die Biografie und das Wirken von Gerlich und Guardini Auskunft geben können. Bei Gerlich, der für seine religiös begründeten Überzeugungen von den Nationalsozialisten getötet und so zum Märtyrer wurde, liegt der Schwerpunkt auf seiner Verfolgung, Haft und Ermordung. Auch Berichte über Wunder, die auf die Fürsprache der Seligsprechungskandidaten zurückzuführen sein sollen, können in dieser Phase untersucht werden. Bereits im Gang ist eine Erfassung und Auswertung der veröffentlichten wie auch unveröffentlichten Schriften Gerlichs und Guardinis.

Im Rahmen des Gottesdienstes zur Verfahrenseröffnung vereidigt Kardinal Reinhard Marx für beide Verfahren jeweils einen Bischöflichen Beauftragten sowie einen Kirchenanwalt (Postulator), die die Zeugen befragen. Die gesammelten Informationen sollen umfassend und objektiv sein, also auch mögliche persönliche Verfehlungen oder problematische Äußerungen enthalten. Die diözesane Phase des Verfahrens dauert voraussichtlich mehrere Jahre, danach beginnt die römische Phase bei der vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen.

(pm 24.10.2017 gs)

24/10/2017 10:59