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Papstpredigt: Korruption beginnt mit Taubheit

Franziskus bei der Frühmesse am Dienstag

17/10/2017 12:57

Christen, die Schein und Ideologie dem Wort Gottes vorziehen, sind töricht. Das hat der Papst an diesem Dienstag in seiner Morgenmesse in der Casa Santa Marta bekräftigt.

In seiner Predigt ging er vom Begriff der „Torheit“ aus, die Jesus den Pharisäern (vgl. Lk 11, 37-41) und Paulus den Heiden (vgl. Römerbrief) vorwarf. Doch auch die Galater, die Christen waren, habe der Völkerapostel als töricht bezeichnet, weil sie sich von „neuen Ideen“ verführen ließen, so Franziskus.

Es sei dabei weniger um eine Verurteilung als um den Hinweis gegangen, dass Torheit zur Korruption führe, präzisierte der Papst: Die Gesetzeshüter kümmerten sich nur eitel um den Schein und die äußere Ordnung, die Heiden huldigten den Götzen, die Galater-Christen hingegen seien zu Ideologen ihres Glaubens geworden – alles Formen der Korruption, so der Papst. Begonnen habe diese Verformung mit einer Taubheit für das Wort Gottes:

„Die Torheit ist ein Nicht-Zuhören, man kann wörtlich sagen ein ,ich weiß nicht, höre nicht zu‘. Die Unfähigkeit, das Wort zu hören - wenn das Wort nicht hineingeht, lasse ich es nicht hinein, weil ich nicht zuhöre. Der Tor hört nicht zu. Er glaubt zuzuhören, aber hört nicht zu. Er verfolgt eigene Interessen, immer. Und deshalb findet das Wort Gottes keinen Eingang in sein Herz, und es ist dort kein Platz für die Liebe. Und wenn es Eingang findet, kommt es in destillierter Form hinein, durch mein Wirklichkeitskonzept verändert. Die Törichten können nicht zuhören. Und ihre Taubheit macht sie korrupt: Das Wort des Herrn kommt nicht hinein, es gibt keinen Platz für Liebe und am Ende auch keinen Platz für die Freiheit.“

So seien diese drei Gruppen zu Sklaven geworden. Ihr Fokus richtete sich auf äußere Dinge, den schönen Schein, Lügen und Objekte statt auf den Schöpfer selbst, so Franziskus, der seine Zuhörer zur Gewissenserforschung aufrief:

Die Ikonen der Törichten von heute

„Sie sind nicht frei und ihre Taubheit lässt der Liebe keinen Platz und auch nicht der Freiheit. So etwas bringt uns immer zur Sklaverei. Höre ich das Wort des Herrn? Lasse ich es hinein? Dieses Wort, von dem wir beim Halleluja gehört haben, dieses lebendige, wirksame Wort, das die Gefühle und Gedanken des Herzens unterscheiden hilft... Dieses Wort, lasse ich es ein, oder bin ich dafür taub? Verwandele ich es in Schein, in Götzendienst, in götzendienerische Verhaltensweisen oder in Ideologie? Es geht nicht hinein… Das ist die Torheit der Christen.“

Konsumismus sei ein solcher Götzendienst, merkte der Papst an, auch die Suche nach einem „bequemen Gott“. Und er forderte dazu auf, sich die „Ikonen der Törichten heute“ anzusehen, der „törichten Christen und der törichten Hirten“. Sie seien taub gegenüber Gottes Wort, hörten ihn nicht, weil sie selbstbezogen, oberflächlich und ideologisch seien. So etwas entferne uns vom Herrn, so der Papst, dieser aber warte beständig auf uns:

„Wenn wir in diese Taubheit verfallen, entfernen wir uns von Ihm, und Er empfindet diese Sehnsucht. Sehnsucht nach uns. Und Jesus weint mit dieser Sehnsucht, er hat in Jerusalem geweint: Es war tatsächlich die Sehnsucht nach einem Volk, das er erwählt, geliebt hatte, das sich jedoch durch Torheit entfernt und den Schein, die Götzen oder Ideologien vorgezogen hatte.“

(rv 17.10.2017 pr)

 

17/10/2017 12:57