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Buchtipp: Klartext bitte! Glauben ohne Geschwätz

Auf der Frankfurter Buchmesse - AFP

14/10/2017 10:49

Vielleicht ist es das größte Problem, das die Kirche in der heutigen Zeit hat: Man verliert sich in der Diskussion um Dinge, die gar nicht so wichtig sind, wie sie zuerst scheinen. Das Einzige, das da helfen kann, ist Klartext. Genau das fordert der Kaplan Christian Olding in seinem nun erschienenen Buch „Klartext bitte!“ Das Wesentliche des katholischen Glaubens muss den Menschen heute neu erschlossen werden, meint Olding auf der Frankfurter Buchmesse im Gespräch mit Radio Vatikan: „Ich glaube, dass Kirche ein ganz großes Verkündigungsproblem hat. Nämlich das zu vermitteln, was uns im Glauben wichtig ist. Wir beschäftigen uns mit Traditionen und mit Formen, aber wenig mit Glaubensinhalten.“

Das anzugehen hat sich der junge Geistliche auf die Fahne geschrieben. Bekannt ist er als der „Pop-Kaplan“, den einen zu rebellisch, für die anderen kommt er mit seinen Neuerungs-Ideen genau zur richtigen Zeit. Seine Gottesdienste jedenfalls unterscheiden sich doch deutlich von einer klassischen katholischen Messfeier: „Früher hat man Weihrauch genommen, heute nehmen wir die Nebelmaschine. Früher hatte man bunte Glasfenster, heute stellen wir bunte Lampen auf. Früher hat man Massen an Messdienern durch den Mittelgang geschickt, brauchte man nicht, sah aber hübsch aus. Deshalb müssen wir heute überlegen, welche Ästhetik ist es, die den Menschen ein Gefühl von Größe und Schönheit vermitteln kann mit den Elementen, die uns heute zur Verfügung stehen.“ Es geht ihm dabei jedoch keineswegs darum, eine Show abzuziehen, um damit Menschen anzulocken. „Die ganzen Elemente, die wir verwenden, haben nur einen Sinn: der Botschaft zu dienen. Ein Film oder emotionale Musik packen einen Menschen anders, wir hören nicht nur, sondern wir wollen sehen und fühlen. Da können diese Mittel helfen, den Menschen gerade für ein schwieriges Thema aufzuschließen.“

Einen so klaren Stellenwert wie heute hatte der Glaube im Leben des Christian Olding nicht immer. Doch mit dreizehn Jahren verlor er seinen Vater, der sich das Leben nahm. Plötzlich stand Christian ziemlich alleine da, das alles erzählt er ganz ungeschönt in seinem Buch. Im christlichen Glauben erzogen, machte er das, was ihm beigebracht worden war: „Wenn es dir schlecht geht, gehst du in die Kirche und zündest eine Kerze an. Das habe ich gemacht, brachte aber irgendwie nichts.“ Er nahm stattdessen das Kreuz in den Blick, ein großes altes Holzkreuz, unter das er sich setzte, um zu beten. Und auf einmal fühlte er sich verstanden, denn „da ist einer, dem es genauso dreckig geht wie dir. Der ist von seinem Vater amEnde auch enttäuscht worden. Der versteht, was du gerade aushalten musst.“

Das war für ihn der Beginn einer besonderen Verbindung zu Gott. Ein Gott, über den es sich lohnt zu reden, im Gottesdienst oder auch beim Essen. Auch Jesus habe bei seinen Predigten meistens gegessen, wieso bedienen wir uns also nicht seiner Mittel, um ihm so am nächsten zu sein, meint Olding. Klartext, das ist, was dieser Mann möchte; Klartext reden, die Botschaft verkünden. Wie man damit in der heutigen Zeit Menschen erreichen kann, wie man ihnen damit Mut machen kann, davon berichtet er in diesem Buch. Gleichzeitig möchte der Geistliche Menschen helfen, die sich von Gott im Stich gelassen fühlen. „Ich glaube, dass dieses Buch für Menschen in einer solchen Situation eine Hilfe sein kann, nicht komplett zu verzweifeln, sondern Perspektiven zu finden, auch in Momenten, in denen alles gegen Gott spricht, am Ende bei eben diesem Gott herauszukommen und weiterleben zu können.“

Klartext bitte! Glauben ohne Geschwätz. Von Christian Olding. 192 Seiten. Erschienen im Herder-Verlag. Preis 20 Euro.

(rv 14.10.2017 nh)

14/10/2017 10:49