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Brasilien: Über neue Weihemöglichkeit nachdenken

Indigene bei einer Dorfversammlung - AFP

28/09/2017 09:39

Mehr Solidarität mit den Katholiken im Amazonas wünscht sich der aus Österreich stammende Bischof Erwin Kräutler von der weltweiten katholischen Kirche. Mehr Solidarität bedeutet nicht nur „Geld schicken“, sondern auch pastorale Möglichkeiten anbieten, damit die Gläubigen in dem betroffenen Gebiet mit der Kirche verbunden bleiben, betont der Bischof. Eine Möglichkeit: neue Formen der Zulassung zum Weihepriestertum, damit das leidige Problem mit den Seelsorgern in einem Riesengebiet wie der Amazonas angegangen werden kann.

Papst Franziskus habe alle Bischöfe dazu aufgerufen, über neue Formen der Zulassung zum Weihepriestertum nachzudenken, erinnert der ehemalige Bischof der Amazonas-Diözese Xingu im Gespräch mit Kathpress. Es sei dringender denn je nötig, in dieser Hinsicht vorzugehen, so Kräutler mit Blick auf die Amazonas-Diözese Xingu, die er jahrelang geleitet hat und wo es einen „unvorstellbaren“ Priestermangel gebe. Kräutler äußerte sich im Kathpress-Interview am Rande der 20. Globart Academy in Krems, die am Wochenende zu Ende gegangen ist.

30 Priester für 800 Gemeinden

Wie der Bischof berichtete, gebe es in der Diözese Xingu, die rund vier Mal so groß ist wie Österreich, für 800 Gemeinden nicht mehr als 30 Priester. 70 Prozent der Gläubigen könnten höchstens vier Mal im Jahr die Eucharistie feiern. „Und da müssen einfach die Alarmglocken läuten", so Kräutler. Den Menschen im Amazonasgebiet gehe deshalb auch vielfach das Verständnis für die Eucharistie verloren, warnte der Bischof. Und damit würden auch die Grenzen zu den vielen evangelikalen Gruppen im Land verschwimmen, die viel Zulauf hätten.

Das Zustandekommen einer Eucharistiefeier dürfe nicht davon abhängen, ob ein zölibatär lebender Priester vorhanden sei, zeigte sich Kräutler überzeugt. Eine Konferenz der Bischöfe von Amazonien im vergangenen November habe sich bereits diesbezüglich klar ausgesprochen. Mehr Rückhalt aus anderen Kontinenten dafür – „und damit meine ich auch Europa“ - wäre notwendig. Auch die österreichischen Bischöfe sollten – aus Solidarität mit Amazonien – mutige Schritte setzen, so der emeritierte Bischof von Xingu, der zugleich festhielt, dass der Wert des Zölibats damit in keiner Weise in Frage gestellt werde.

Messfeier mit kugelsicherer Weste

Bischof Kräutler sprach bei der Globart Academy im Kremser Kloster zum Thema „Haltung in haltlosen Zeiten“. Er kam dabei u.a. auch darauf zu sprechen, dass er selbst immer wieder wegen seines Einsatzes für Arme und Unterdrückte verfolgt wurde und wird. „Es gibt Typen, ich sage Mafiosi, die wollen einfach ihren Reichtum vergrößern. Dabei sind sie skrupellos und gehen über Leichen. Mit denen kann man nicht auf freundschaftlicher Basis reden, die hassen mich.“ So der Bischof, der seit elf Jahren sein Bischofshaus nicht mehr ohne Personenschutz verlassen kann. Bei einer Messe im Freien habe er gar eine kugelsichere Weste tragen müssen.

(kap 26.09.2017 mg)

28/09/2017 09:39