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Buchtipp: Wenn Gott verschwindet, verschwindet der Mensch

Kinder auf einem Müllhaufen in Manila/Philippinen - EPA

23/09/2017 09:00

Rolf Bauerdick: Wenn Gott verschwindet, verschwindet der Mensch. Ein Buchtipp von Pater Bernd Hagenkord

Wenn ein Buch den Untertitel „Verteidigung des Glaubens“ führt, meint man gleich zu wissen, worum es geht. Warum der Glaube wichtig ist. Warum wir Menschen den Glauben brauchen. Warum er keine Projektion, kein menschlicher Defekt ist. Und so weiter.

Und genau so ein Buch schreibt Rolf Bauerdick nicht. Vielmehr erzählt er, eingebunden in Reflexion, Geschichten vom Glauben. Er erzählt von fundamentalistischen Sekten in den USA, wo aber alles nicht so schwarz und weiß ist, wie man meint. Er erzählt von Exorzisten auf dem Balkan, wo der Glaube der Menschen etwas Erzählenswertes bleibt, auch wenn wir selbsterklärte Aufklärer das ganz fürchterlich finden.

Bauerdick ist ein Journalist, der neugierig ist. Er kommt nicht mit einem Urteil, das er dann anhand von Geschichten illustriert. Und genau deswegen kommt man beim Lesen des Buches dem auf die Spur, was er verspricht: Der Einsicht, dass der Mensch verschwindet, wenn Gott verschwindet.

Startpunkt ist die Einsicht, dass die Glaubensfestigkeit von früher verschwunden ist. Es ist kein sehnsüchtiges Buch, das ins Gestern blickt oder das Gestern irgendwie noch als Modell oder als Wunschvorstellung vor Augen hat. Allein das macht es lesenswert.

Es ist ein kluges Buch, das die Geschichten einordnet, Rahner und Zizek stehen Pate, daneben eine ganze Reihe anderer Denker. Bauerdick schaut auch auf den angeblichen festen Glauben der Terroristen und seziert ihn, es ist eben in Wirklichkeit Nihilismus, der die Vernichtung des Anderen braucht, und nicht in sich selbst ruhender Glaube.

Aber all das tritt zurück vor der erzählerischen Fähigkeit des Autors. Ob Müllberge auf den Philippinen, das Museum Schnütgen in Köln oder besagte Sekten in den USA: Der Autor erzählt mit Respekt von dem, was er erzählt und sieht. Hier kommen Menschen vor mit ihrem Glauben, und zwar einem Glauben, ohne den sie verschwinden würden. Hier ist Respekt vor einem Glauben, mag er auch schräg herüber kommen. Bauerdick ist nicht wertend, schon gar nicht abwertend, er erzählt von Menschen und deren Glauben, wie sie halt sind. Und das allein schon ist eine gute Verteidigung des Glaubens.

 

(rv 23.09.2017 ord)

23/09/2017 09:00