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Papst Franziskus \ Reisen

Papst spricht Märtyrer selig: „Hass der Fürsten der Welt“

Bischof Jaramillo, einer der beiden Märtyrer, welche der Papst an diesem Freitag selig sprechen wird - AFP

08/09/2017 08:29

Beide sind Märtyrer, beide Geistliche und beide sind das, was der Papst oft als „moderne Märtyrer“ bezeichnet, also Menschen, die von gewaltsamen Regimen umgebracht wurden.

Papst Franziskus hat an diesem Freitag zwei Kolumbianer selig gesprochen, und zwar an dem Tag seiner Reise, der unter dem Thema „Versöhnung“ steht. Bischof Jesús Emilio Jaramillo Monsalve wurde von marxistischen Guerillias 1989 getötet, der Priester Pedro María Ramírez Ramos wurde bereits zu Beginn der Gewalt in Kolumbien 1948 umgebracht. Das Martyrium beider ist vom Vatikan in diesem Jahr als solches anerkannt worden.

Jaramillo war Mitglied der Kongregation der Xaverianer-Missionare und während der Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils auch deren Generaloberer. Nach dem Ende seiner Amtszeit wurde er von Paul VI. erst zum Administrator und dann zum Bischof von Arauca ernannt.

Kritiker der Gewalt

Als Bischof war er seit den 70er Jahren ein öffentlicher Kritiker der Gewalt, die damals von der Rebellengruppe der Nationalen Befreiungsarmee (ELN) verübt wurde. 1989 wurde er von den Rebellen deswegen entführt, gemeinsam mit einem Priester, der die Entführung überlebte. Die ELN habe „der Regierung eine starke Botschaft“ senden wollen, berichtete er später über die Motive der ELN. Pater Helmer Muñoz wurde frei gelassen, kehrte aber am folgenden Tag zur Stelle zurück, wo sie gefangen gehalten worden waren. Dort fand er den Bischof erschossen auf dem Boden.

Die Gläubigen des Bistums Arauca begannen sofort, ihren Bischof als „Propheten und Märtyrer des Friedens“ zu verehren, eine Bezeichnung, die auch auf seinem Grabstein steht.

Der zweite der beiden neuen Seligen, Pater Ramírez, wurde in einem älteren Konflikt getötet, und zwar während des zehnjährigen Bürgerkrieges, der im Land nur als „La Violencia“, „die Gewalt“, bekannt ist. Nach der Ermordung des linken Präsidentschaftskandidaten Jorge Eliécer Gaitán 1948 radikalisierten sich linke Gruppen, es kam zu Plünderungen, Mord und Todschlag, allein in den ersten Tagen starben 3.000 Menschen, insgesamt verloren während „La Violencia“ 200.000 Menschen ihr Leben.

Mobgewalt

Es war ein Mob, der 1948 die Pfarrei von Ramírez in Armero stürmte, ein erstes Mal konnte der Pfarrer noch entkommen. Das zweite Mal wollte er nicht fliehen, sondern er stellte sich dem Mob und der Gewalt, wurde verprügelt, mit einer Machete getötet und enthauptet.

„Wenn wir genau hinsehen, dann sehen wir, dass die Ursache aller Verfolgung der Hass des Fürsten der Welt auf alle ist, die von Jesus durch seinen Tod und seine Auferstehung gerettet und erlöst wurden“, so hatte es Papst Franziskus in seiner Predigt am 22. April diesen Jahres in der Märtyrerkirche Sankt Bartholomäus auf der Tiberinsel formuliert. Die Kirche brauche diese Zeugen, so Papst Franziskus weiter. Zuerst die Zeugen, welche den Glauben im Alltag bezeugten, „die Heiligen des Alltags“. Aber auch diejenigen, „die den Mut haben, Zeugen bis zum Ende zu sein, bis zum Tod. Sie alle sind das Leben gebende Blut der Kirche. Es sind die Zeugen, welche die Kirche voranbringen; diejenigen, die bezeugen, dass Jesus auferstanden ist, dass Jesus lebt, und die das mit ihrem konsequenten Leben und mit der Kraft des Heiligen Geistes, den sie als Gabe erhalten haben, tun.“

 

(rv 08.09.2017 ord)

08/09/2017 08:29