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Papst: Die Liturgiereform des Konzils ist unumkehrbar

Ansprache von Papst Franziskus in der Audienzhalle - AFP

24/08/2017 12:00

Die liturgische Reform des Zweiten Vatikanischen Konzils ist unumkehrbar, das könne er mit Lehrautorität sagen: Papst Franziskus sprach an diesem Donnrstag über Liturgie, Anlass war die Italienische „Woche der Liturgie“.

Mit diesem Treffen kehrte der „übliche Arbeitsalltag“ im Vatikan wieder zurück: Papst Franziskus war zwar nicht im Urlaub, doch in den vergangenen Sommerwochen fanden wenige öffentliche und offizielle Termine mit dem Papst statt. An diesem Donnerstag gab es dagegen gleich drei wichtige Treffen im Vatikan. Zuerst traf Franziskus den Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Pastor Olav Fykse Tveit. Nach diesem ökumenischen Treffen fand ein „diplomatischer Austausch“ mit dem Apostolischen Nuntius in Buenos Aires, dem Schweizer Erzbischof Emil Paul Tscherrig, statt. Der Vatikandiplomat erläuterte dem Papst die Lage in der Heimat von Franziskus. Und als dritter Tagestermin stand eben die Audienz mit den rund 800 Teilnehmern der italienischen Liturgie-Woche in der Halle Paolo VI auf dem Programm.

Nicht plötzlich vom Himmel gefallen

In seiner Ansprache ging der Papst auf die Bedeutung des Zweiten Vatikanischen Konzils und auf die Liturgiereform ein. Sie seien nicht plötzlich vom Himmel gefallen, sondern die Frucht eines langen Weges. Ein Zeichen hierfür seien die sogenannten „Liturgischen Bewegungen“ gewesen, die früher bei den Päpsten um Unterstützung baten. Seine Vorgänger seien aber weise genug gewesen, keine Schnellschüsse in die Wege zu bringen sondern einen Weg in die Zukunft aufzubauen. Franziskus nannte Pius X., der Änderungen in der sakralen Musik und der Messordnung für den Sonntag einführte. Dieser Papst hatte auch eine Kommission für die „Generalreform der Liturgie“ einberufen und es sei ihm bewusst gewesen, dass dies eine „große und gleichzeitig schwierige Aufgabe“ sei.

Die Reformen von Pius XII.

Einen weiteren Vorgänger, den Franziskus nannte, war Pius XII. mit der Enzyklika Mediator Dei und der Gründung einer Studienkommission für die Überprüfung des Psalters, der Bedeutung des eucharistischen Fastens und der Benützung der gesprochenen Sprache im Messritus. Auch seine Reform zur Ostervigil und der Karwoche dürften nicht vergessen werden, so Franziskus. Pius XII. hatte die Messe zur Auferstehung in die Osternacht verlegt, zuvor war sie über Jahrhunderte am Karsamstag-Morgen gefeiert worden. Der Papst verlegte auch den Gründonnerstags-Gottesdienst auf den Abend und die Feier des Leidens und Sterbens Jesu in den Nachmittag des Karfreitag, zu den „angemessenen Stunden“.

Das Zweite Vatikanische Konzil sei somit die „Phase der Reife“ dieser Reformvorhaben gewesen und die Frucht sei die Konstitution Sacrosanctum Concilium gewesen. Diese Reform hätten den konkreten Bedürfnissen der Gläubigen entsprochen, damit eine „lebendige Liturgie“ für die gesamte Kirche gelebt werden konnte.

Das große Anliegen sei es gewesen, den Gläubigen eine aktive Rolle zu geben und ihn nicht einfach als „fremden Zuschauer“ in der Kirche aufzunehmen, wie es Paul VI. einmal gesagt habe.

Respekt für die Tradition

Die Richtung des Konzils sei es gewesen, im Respekt für die „gesunde Tradition“ einen legitimen Weg aufzuzeigen, die seit nun mehr als 50 Jahren für die Weltkirche gültig seien. Unter Applaus sagte er: „Wir können mit Sicherheit und Lehrautorität sagen, dass die liturgische Reform unumkehrbar ist“. Ihm sei bewusst, dass dieser Weg aber noch nicht abgeschlossen sei. Es gehe heute darum, die Gründe für die damalige Reform wieder zu entdecken und über sie nachzudenken, fuhr Franziskus fort. Man müsse sich vor oberflächlichen Lektüren hüten. Die Liturgie-Woche, wie sie seit mehreren Jahren in Italien durchgeführt werde, sei ein gutes Mittel dazu.

Lebendige Liturgie, Liturgie als Leben und lebendige Kirche

Ausgehend vom diesjährigen Motto der italienischen Liturgie-Woche „Eine lebendige Liturgie für eine lebendige Kirche“ ging der Papst auf drei Punkte ein:

Die Liturgie sei lebendig, weil sie durch die Erinnerung und Feier rund um den auferstandenen Herrn Leben schenke. Zweitens sei die Liturgie selber Leben, weil sie nicht nur für sondern auch vom Volk Gottes stammt, sei sei nicht klerikal. Und der dritte Punkt betrifft die Kirche. Sie sei lebendig, weil sie nicht einfach eine Ideologie oder etwas Abstraktes sei sondern eben ein lebendiger Körper. Die Kirche sei eine Mutter, die Leben schenke und Mitmenschen treffe und für sie da sei. Es gehe nicht darum, „Macht in der Welt“ zu suchen. Für das sei die Kirche nicht da.

Andere Riten nicht vergessen

Ein Reichtum in der katholischen Kirche seien die verschiedenen Riten und Gebete, die es durch die Einheit mit anderen kirchlichen Traditionen und Ostkirchen gibt. Dadurch werde der Heilige Geist einer „einzigartigen Stimme“ gegeben, durch das Gebet für, mit und in Christus und für den Ruhm des Vaters und des Heiles für die gesamte Welt.

(rv 24.08.2017 mg)

24/08/2017 12:00