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Vatikan: „Wir sind nicht die Guten, Korruption betrifft alle“

Sag Nein zu Bestechung: Banner in Indien

03/08/2017 10:36

Wenn es um Menschenrechte geht, weiß Papst Franziskus, was er will. Seit seinem Amtsantritt 2013 hat er schon ein internationales Netzwerk gegen Menschenhandel geknüpft. Etwas Ähnliches soll es bald auch gegen Korruption geben, eine Art globales Bündnis gegen Mafia, Schmiergeld und Hinterzimmer-Deals. Eine Konferenz im Vatikan hat Mitte Juni dazu die ersten Kontakte hergestellt; das Abschlusspapier der Konferenz wurde erst jetzt vom Vatikan öffentlich gemacht.

„Der Weg endet nicht hier, im Gegenteil, jetzt geht es geordnet weiter“, kündigt Vittorio V. Alberti von der federführenden vatikanischen Einrichtung für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen an. „Wir haben jetzt eine Reihe von Punkten, anhand derer wir vorangehen. Am Horizont steht für uns die Gebetsmeinung von Papst Franziskus für den Februar 2018; da wird es um Korruption gehen.“

Der Einsatz gegen Korruption sollte nach Vatikan-Vorstellungen auf mehreren Ebenen gleichzeitig vonstatten gehen. An erster Stelle steht – auch wenn das etwas langweilig klingt – Sensibilisierung für die Problematik. „Es gibt Bildungs- und Kulturarbeit zu leisten, die auf die öffentliche Meinung einwirkt. Bildungsarbeit in der Hinsicht, dass die Leute ja oft nicht realisieren, dass sich hinter einem Verbrechen ein Korruptionsfall verbirgt. Dann gibt es den institutionellen Bereich: Da muss untersucht werden, inwieweit an internationale Dokumente und nationale Gesetzgebungen Hand anzulegen ist.“

Wie sehr Korruption das Leben einer Gesellschaft lähmen kann, soll den Menschen ganz konkret klargemacht werden. „Wie können wir jemanden verstehen lassen, dass sich hinter einem bestimmten Phänomen Bestechung verbirgt? Da wollen wir von einfachen Tatsachen des Alltags ausgehen. Man müsste die Medien stärker mit diesem Thema erreichen; wir hoffen, dass wir viel lernen vom Know-how der Leute, die wir im Juni im Vatikan zusammengebracht haben. Denn das ist ja klar: Wir sind ja nicht die Guten, die von oben herabkommen und jetzt die Linie diktieren – wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass Korruption uns alle angeht. Darum ist es wichtig, in der Kirche und darüber hinaus ein Netzwerk zu bilden.“

„Wirklichkeiten vor Ort sind sehr unterschiedlich“

Für Aufmerksamkeit hat vor allem der Hinweis des Schlussdokuments gesorgt, dass der Vatikan eine „Exkommunikation von Mafiosi und vergleichbaren kriminellen Organisationen“ sowie eine „Exkommunikation wegen Korruption“ ins Auge fasst. „Natürlich muss diese Frage mit den Bischofskonferenzen und den Ortskirchen abgesprochen werden“, erklärt dazu Alberti. „Wir müssen da gut hinhören, weil die Wirklichkeiten vor Ort sehr unterschiedlich sind. Um nur ein Beispiel zu geben: Wenn du in einer Weltgegend wie dem Westen gegen Korruption vorgehst, dann ist das eine gute Sache; tust du das Gleiche aber in einer anderen Weltgegend, dann schaffst du vielleicht mit einem Schlag Arbeitslosigkeit und rufst soziale Übel aller Arten hervor. Das müssen wir erst einmal gut begreifen – wie man Korruption in ihrer Wirkung begreift, aber auch in ihren verschiedenen Formen.“

Ein Schnellschuss wird das also nicht, das macht Alberti im Gespräch mit uns klar. „Was diese Exkommunikation betrifft: Man hat viel diskutiert über diejenige, die auf Korruption zielt. Aber ursprünglich hatte die Idee darin bestanden, eine Exkommunikation von Mafiosi auf weltkirchliches Niveau auszuweiten. Diese Exkommunikation gibt es schon – auch mehr oder weniger in Kirchenrecht gefasst – in den drei italienischen Regionen Kampanien, Kalabrien und Sizilien. Jetzt wird also überlegt, wie man auch das Thema Korruption vom Standpunkt der Exkommunikation aus behandeln sollte.“

Dazu sollte man nach Ansicht des Vatikanmitarbeiters zunächst einmal genau analysieren, was eine Exkommunikation ist und bedeutet. „Die Exkommunikation ist eine schwere Strafe, aber auch eine Einladung dazu, sich zu bekehren. Man muss immer den Horizont der Hoffnung offenhalten, sonst fliegt ja auch die Politik, das mögliche Gemeinwohl, in die Luft...“

(rv 03.08.2017 sk)

03/08/2017 10:36