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Australien: Kardinal Pell erklärt sich vor Gericht schuldlos

Kardinal Pell verlässt den Gerichtshof in Melbourne - AFP

26/07/2017 08:39

Der unter Missbrauchsverdacht stehende ehemalige Vatikan-Finanzchef Kardinal George Pell hat vor Gericht sämtliche Vorwürfe zurückgewiesen. Bei einer ersten gerichtlichen Anhörung in Melbourne bestritt der 76-jährige Kardinal am Mittwoch, vor Jahrzehnten als Geistlicher in Australien sexuelle Misshandlungen begangen zu haben. Pells Anwalt Robert Richter sagte laut Medienberichten, sein Mandant erkläre sich in allen Anklagepunkten für schuldlos. Papst Franziskus hatte Pell vom Dienst freigestellt, damit er sich in Australien gegen die Vorwürfe verteidigen kann. Der Kardinal war vor zwei Wochen in Sydney angekommen. 

Zuvor hatte die Polizei von Melbourne bekanntgegeben, ein Ermittlungsverfahren gegen Pell wegen des sexuellen Missbrauchs von Jungen einzuleiten. Dabei gehe es um länger zurückliegende Missbrauchsvorwürfe. Es soll mehrere Kläger geben. Der Kardinal war bereits im Oktober 2016 in Rom von australischen Polizisten zu den Missbrauchsvorwürfen verhört worden; er konnte damals aus gesundheitlichen Gründen nicht in sein Heimatland reisen. Zwei über 40 Jahre alte Männer beschuldigen Pell, sie in den 1970er Jahren in einem Schwimmbad in Ballarat sexuell belästigt zu haben. 2002 war er von einer Untersuchungskommission der Erzdiözese Melbourne vom Missbrauchsvorwurf aus Mangel von Beweisen freigesprochen worden. Ein Mann hatte Pell beschuldigt, ihn als Zwölfjährigen in einem Jugendlager sexuell missbraucht zu haben.

Kardinal Pell sieht sich auch mit Vertuschungsvorwürfen konfrontiert. Er soll als Priester in Ballarat (1976-80) und später als Erzbischof von Melbourne (1996-2001) an der Vertuschung von Missbrauchsfällen beteiligt gewesen zu sein. Vor der staatlichen Missbrauchskommission hatte er das stets energisch zurückgewiesen. Als Erzbischof von Melbourne hatte Pell aber auch erste Standards für den Umgang mit Missbrauchsfällen gesetzt.

Die Vorwürfe sind besonders heikel, weil Pell eingeräumt hatte, dass Australiens katholische Kirche den Missbrauch von Kindern lange Jahre heruntergespielt habe. Vergangenes Jahr wurde er dann von drei australischen Polizeibeamten in Rom erstmals in eigener Sache verhört.

 

(kap 26.07.2017 pr)

26/07/2017 08:39