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Vatikan: „Klimawandel ist Tatsache“

Klimaschützer bei einer Kundgebung in Rom - REUTERS

14/07/2017 10:25

Der Klimawandel hat den Vatikan erreicht: Gut zwei Jahre ist das her. Mit der Enzyklika Laudato si’ rückte Papst Franziskus das Thema in den Kernbereich des Christlichen. Und da gehört es auch hin, sagt uns der Kanzler der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, Bischof Marcelo Sánchez Sorondo, im Interview.

„Aus wissenschaftlicher Sicht ist der Satz, dass sich die Erde durch menschliche Aktivität erwärmt, genauso wahr wie der Satz: Die Erde ist rund! Darum muss sich auch ein Papst mit diesem Problem beschäftigen. Schon in Zeiten Galileis hat sich der Papst darum bemüht, die Wahrheit herauszufinden, und sich dabei auf die Wissenschaft seiner Zeit gestützt. Auch heute hat der Papst nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht, sich nicht nur auf Doktrin und Philosophie zu stützen, sondern auch auf die Wissenschaft.“

Und dass die Aufheizung der Atmosphäre zumindest teilweise menschengemacht ist, sei nun einmal der derzeitige Stand der Wissenschaft, insistiert der Bischof. Die Leugner des Klimawandels seien „eine kleine, zu vernachlässigende Minderheit“. Wenn sich der Papst zu einem solchen Thema äußere, dann habe das nichts Beliebiges: Man könne Papst-Äußerungen nicht auf den Bereich von „Glaubens- und Sittenlehre“ einengen. „Der Papst bedient sich der Wahrheiten, die Wissenschaft oder Philosophie freilegen, um dem Menschen nicht nur zu erklären, wie er in den Himmel kommt, sondern auch, was er auf Erden zu tun hat. Alle menschlichen Aktivitäten haben mit Ethik zu tun – damit fallen sie schon in den Zuständigkeitsbereich des Papstes. Bonifaz VIII. formulierte in einer berühmten Bulle, alle Kreatur sei dem römischen Pontifex unterworfen. Darüber mag man heute lächeln, aber wir sollten es sehr ernstnehmen, wenn Papst Franziskus in Laudato si’ schreibt, dass die menschliche Aktivität auf Erden wie ein Bumerang auf den Menschen selbst zurückfällt.“

Auch katholische Einrichtungen mit Öl-Lobby verbandelt

Franziskus habe den schon bestehenden Typus der Sozialenzyklika erweitert. Da gehe es nicht mehr, wie das seit Leo XIII. Ende des 19. Jahrhunderts eigentlich üblich war, im wesentlichen um die soziale Frage; Franziskus stelle jetzt das Thema der ökologischen Umkehr „auf eine Stufe mit den üblichen Themen wie Gemeinwohl oder Gerechtigkeit“.

Zur Rezeption der Enzyklika sagt Sorondo: „Natürlich, einige Sektoren, die von der Öl-Lobby abhängen – darunter auch einige katholische Einrichtungen! – sind nicht einverstanden mit Laudato si’. Und damit richten sie großen Schaden an, denn das Klima verschlechtert sich weiter – auch die Gegner des Klimawandels werden, auf kürzere oder längere Sicht, zu seinen Opfern gehören. Überwältigend war die Rezeption der Enzyklika vor allem in der akademischen Welt und in den (nicht notwendigerweise christlichen) Bereichen, die schon zuvor über den Klimawandel besorgt waren. Generell kann ich mich nicht daran erinnern, dass jemals eine päpstliche Verlautbarung einen solchen Erfolg, eine solche Wirkung erzielt hätte.“

Katholische Unis sollten in Klimaforschung einsteigen

Unmittelbar nach dem Papstbesuch bei den Vereinten Nationen hat, daran erinnert Sorondo, die UNO-Vollversammlung neue Ziele für nachhaltige Entwicklung beschlossen, und darunter seien auch mehrere Punkte, die sich mit dem Klimawandel beschäftigen. Auch daran könne man ablesen, welchen Erfolg diese Enzyklika habe.

Der Akademie-Leiter wirbt um mehr katholische Forschung im Bereich Klimawandel. „Normalerweise beschäftigt sich ein Ortsbischof nicht mit so einem Thema – darum sollten katholische Universitäten, sofern möglich, Institute gründen, die sich mit Fragen der Klimaforschung beschäftigen, so wie das ja auch weltliche Unis tun. Einige katholische Universitäten, etwa die Jesuitenuniversität in Kolumbien, haben schon solche Institute, aber es sind noch wenig. Die Unis sollten sich daran orientieren, dass der Papst das Klima als Gemeingut definiert hat, als gemeinsames Haus, als sehr wichtiges Thema, das auf die eine oder andere Weise an allen Unis studiert werden sollte.“

(rv 14.07.2017 sk)

14/07/2017 10:25