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Venezuela: Gefährlicher Mix aus Gewalt und Mangel

Zusammenstöße in Caracas: Rette sich, wer kann - EPA

13/07/2017 11:37

Ein dramatisches Bild von der Lage im Land zeichnen Venezuelas Bischöfe in ihrem letzten Brief an Präsident Nicolas Maduro. „Die Lage der Nation ist gravierend. Es herrscht ein gefährlicher Mix aus Gewalt und Mangel. Es fehlen Nahrung und Medizin und gleichzeitig sterben Menschen wegen Gewalt“, sagt der Vorsitzende der venezolanischen Bischofskonferenz, Diego Padron Sanchez, im Interview mit Radio Vatikan: „Wir rufen das Volk auf, sich für den Respekt des menschlichen Lebens und für die Menschenrechte einzusetzen.“

Bei den gewaltsamen Zusammenstößen gehe die Gewalt von Gruppen aus, die im Namen der Regierung handelten, so der Erzbischof. Dies sei besonders schlimm. Ebenso nicht hinnehmbar sei das politische Fädenziehen im Hintergrund, mit dem Maduro seine Macht konsolidieren wolle, fährt der Bischofskonferenzvorsitzende fort. Aus diesem Grund hätten sich die Bischöfe Venezuelas gegen die Einberufung der sogenannten Verfassungsversammlung Ende Juli ausgesprochen, bei der angebliche Volksvertreter – die aber allesamt von der Regierung Maduros ausgewählt worden seien – eine Verfassungsreform angehen sollen.

„Bisher haben wir keine Antwort von der Regierung bekommen. Man muss aber sagen, dass dies der Normalfall ist. Die Regierung hat bisher noch nie auf Einwände und Impulse der Bischofskonferenz geantwortet“, erläutert Erzbischof Padron.

Die Opposition in dem lateinamerikanischen Land will an diesem Sonntag ein Referendum durchführen, bei dem das Volk über die Annahme oder Ablehnung der von Präsident Maduro angeordneten  Verfassungsversammlung entscheiden soll. Rechtlich bindend ist die Volksabstimmung allerdings nicht. Auch die Meinung der im Ausland lebenden Venezolaner soll dabei eingeholt werden. Die Kirche unterstütze die Befragung, so Padron:

„Aus unserer Sicht ist es legitim, wenn wir eine solche Volksbefragung durchführen, weil dies die jetzige Verfassung ermöglicht. Das geht nicht von uns aus, sondern wir wollen mitmachen, so dass dies möglich ist. Wir helfen also nur mit.“

Der Erzbischof erhofft sich vom Referendum Aufklärung über den Volkswillen. Damit würde auch „Licht geschaffen“, formuliert er, um „endlich zu verstehen, was denn das Volk konkret will“. Das größte Übel in Venezuela sei derzeit nämlich, dass niemand auf das Volk höre.

(rv 13.07.2017 mg)

13/07/2017 11:37