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Vatikan: Künstliche Intelligenz - ja, aber

Beispiel "Sophia": Ein Roboter mit künstlicher Intelligenz - REUTERS

08/07/2017 13:52

Mit kritischem Interesse beobachtet die katholische Kirche neue technologische Entwicklungen auf dem Feld der Künstlichen Intelligenz. Diese Woche trafen sich Philosophen, Wissenschaftler und Dozenten an der Italienischen Botschaft beim Heiligen Stuhl zu einem Fachsymposion, das der Päpstliche Kulturrat mitorganisiert hatte.

Künstliche Intelligenz, das beschäftigt Hollywood, das beschäftigt aber auch die Welt der Technologie und die der Nach-Denkenden. Es geht um hörende und sprechende Roboter, lächelnde Pflegemaschinen, smarte Computer, die Bestseller schreiben, hochverfeinerte lernfähige Algorithmen, die in Millionstelsekunden komplexe Entscheidungen treffen und letztlich um riesige vernetzte Rechenzentren, die alle digital verfügbaren Daten der Welt sammeln und auswerten. Eine Gefahr für Menschen in Fleisch und Blut? Durchaus, sagt Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident des Päpstlichen Kulturrates.

„Das Risiko liegt immer auf der Lauer, wo wir die Technologie allein, komplett allein lassen. Deshalb müssen die anderen Disziplinen die Risiken der Technologie konstant beleuchten. Erinnern wir daran, dass die Künstliche Intelligenz  sich aus der Intelligenz der menschlichen Person her entwickelt. Am Ursprung ist immer eine menschliche Quelle. Man muss also sicherstellen, dass sich diese neuen Intelligenzen nicht blindlings und frei entwickeln: am Ursprung ist die menschliche Intelligenz, die fähig ist zu urteilen und die Maschine zu stoppen.“

„Nicht die Maschine zum Konkurrenten des Menschen machen"

Auch der renommierte Astrophysiker Stephen Hawking – er war letztes Jahr zu Gast an der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften - verwies mehrfach auf die Risiken einer unkontrollierten Nutzung der Künstlichen Intelligenz. Die Wissenschaft zeichnet indes immer mehr das Zukunftsbild einer „kollektiven“ Intelligenz, in der Mensch mit Rechnern und Robotern interagieren und zusammenarbeiten. Der Moraltheologe Pater Paolo Benanti, der an der Päpstlichen Universität Techno-Ethik lehrt:

„Wenn es um das Szenarium der kollektiven Intelligenz geht, müssen wir uns über eines im Klaren sein: die Daten drücken nie die ganze Wirklichkeit aus. Ein Teil der Realität übersteigt die Welt der Daten. Sicherlich werden diese Maschinen mit den Menschen zusammenarbeiten. Der Punkt ist, sie nicht zum Konkurrenten des Menschen zu machen. Es muss um Symbiose gehen. So kann der Mensch bessere Gesellschaften realisieren, auch dank des Beitrags der Maschinen.“

Pater Benanti lenkt hier den Blick auf Beispiele aus der Medizin. In diesem Feld gebe es Möglichkeiten, die vor kurzem unerreichbar schienen und heute Wirklichkeit sind – und doch auch nicht ohne Risiken bestehen.

„Denken Sie an eine Form künstlicher Intelligenz, die im Krankenhaus alle elektronischen Krankeninformationen der Patienten sammelt, die wir behandeln. Diese Programme können Verbindungen und relevante Daten ausfindig machen, die dem Menschen verborgen bleiben. Und so kann man Therapien für Krankheiten finden, die bisher unheilbar waren. Zwei sind allerdings auch die sozialen Auswirkungen. Einerseits kann diese Form von Künstlicher Intelligenz zum Verlust von Arbeitsplätzen führen. Andererseits kann sie den Abstand zwischen Arm und Reich vergrößern, statt ihn zu verringern.“

(rv 08.07.2017 gs)

08/07/2017 13:52