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Ratzinger-Stiftung: Geschichte der Ökumene in Regensburg

Bibel und Kreuz: Zwei Zentren christlicher Theologie - RV

03/07/2017 17:10

Aus einer „Denkfabrik“ der evangelischen Kirche in die Joseph-Ratzinger Gastprofessur: Wenn an diesem Dienstag der Vorsitzende der Theologischen Kammer der EKD, Christoph Markschies, die erste seiner Vorlesungen in Regensburg hält, ist er der erste evangelische Theologe, der dorthin eingeladen wird, aber das heißt nicht, dass dort ein Fremder hinkäme. Markschies ist auch der erste evangelische Theologe, der einen Ehrendoktor an einer päpstlichen Universität hat und er ist auch sonst in der Ökumene viel unterwegs, nicht selten auch hier im Vatikan. 

RV: Herr Prof. Markschies, „Wie theologisch ist Kirchengeschichte?“, so lautet der Titel zur ersten Vorlesung in Regensburg. Wir sind im Reformationsgedenkjahr und das hat ja auch mit Kirchengeschichte zu tun, wie theologisch ist also das Reformationsgedenkjahr?

Markschies: „Das Reformationsgedenkjahr ist beeindruckend theologisch, weil sehr viel Kirchengemeinden – also die Laien, nicht die Fachleute – reformatorische Schriften lesen und diese diskutieren oder auch Themen diskutieren, die mit der Reformation verbunden sind. Das finde ich sehr beeindruckend und das war sicherlich so nicht zu erwarten.“

RV: In der Ökumene soll man Schritte gehen und ausprobieren, sagt der Papst, die Theologen würden dann schon nachkommen, ich überziehe jetzt bewusst einmal. Ist das das, was sich machen? Die schon gemachten Schritte theologisch nachvollziehen?

Markschies: „Die Regensburger Vorlesungen befassen sich mit einer etwas kleineren Frage, nämlich mit der Frage, ob an theologischen Fakultäten Geschichte anders betrieben wird als in den historischen Instituten. Die Antwort auf diese Frage kann ich hier natürlich nicht vorweg nehmen, sonst müsste ich in Regensburg keine Vorlesungen halten. Aber es geht natürlich in die Richtung dass ich versuche zu beschreiben, warum es sich lohnt, an einer theologischen Fakultät etwas über Geschichte zu hören.“

RV: Sie halten aber auch einen Vortrag über Ökumenische Kirchengeschichte, die Ökumene spielt also schon eine Rolle bei dem, was Sie tun.

Markschies: „Die Ökumene spielt eine zentrale Rolle, es wäre ja auch merkwürdig, wenn man nach den großen Aufbrüchen in der Ökumene im Umfeld des Reformationsjahres nicht auch zur Ökumene Stellung nehmen würde. Es geht um die Frage, was wir gemeinsam sagen können als Kirchenhistoriker, und wo es gut ist, dass es unterschiedliche Sichtweisen gibt. Das ist das berühmte Stichwort der ‚versöhnten Verschiedenheit’.“

RV: Unterschiede gibt es ja nicht nur zwischen katholischen und evangelischen Theologen, sondern auch innerhalb einer Konfession, das ist sozusagen der akademische Normalfall. Was ist jetzt das Neue daran, dass die in Regensburg über ökumenische Kirchengeschichte sprechen?

Markschies: „Das Besondere ist, dass ich als erster evangelischer Christenmensch diese Gastprofessur habe. Ich hoffe, dass das Besondere an den Vorlesungen auch das ist, dass ich versuche, eine erste Bilanz dieses Reformationsjahres zu ziehen, im Blick darauf, was wir gemeinsam sagen können und wo wir Fortschritte gemacht haben.“

RV: Päpstlich-katholischer Ehrendoktor, katholische Gastvorlesung, irgendwie ist das verwunderlich, dass Sie tatsächlich der erste sind. Sind sich die akademischen Theologien, die evangelische und die katholische, noch so fremd?

Markschies: „Es gibt schon eine Reihe von Gelegenheiten, wo evangelische und katholische Theologie etwas gemeinsam tut, ich nenne nur den evangelisch-katholischen Kommentar zum Neuen Testament. Aber was es noch nicht so häufig gibt, ist dass Professoren der anderen Konfession direkt an den Fakultäten lehren und Studentinnen und Studenten aus erster Hand hören können, was die Schwesterkonfession sagt. Das kann man sicher noch steigern. Insofern bin ich der Regensburger Fakultät sehr dankbar und freue mich über diese Gelegenheit.“

 

Hintergrund

Die Gastprofessur in Regensburg ist eine seit 2012 bestehende Kooperation zwischen der Joseph Ratzinger Papst Benedikt XVI.-Stiftung und der Universität Regensburg. Einmal jährlich ergeht eine Einladung an eine renommierte Persönlichkeit aus der Forschung, Vorlesungen zu halten. Unter den bisherigen Inhabern der Professur waren der Soziologe Hans Joas, der Kunsthistoriker François Boespflug, der Judaist Günter Stemberger und die Islamwissenschaftlerin Angelika Neuwirth.

 

(rv 03.07.2017 ord)

03/07/2017 17:10