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Fußball: Lutherstadt besiegt Vatikan 2:0

Ein Moment des Rückspiels in Wittenberg - RV

19/06/2017 07:03

Ökumene, Sport und vor allem Benefiz: Die Fußballmannschaft der Lutherstadt Wittenberg hat in einem Freundschaftsspiel die Nationalelf des Vatikans mit 2:0 besiegt. „Luther vs. Papst“ – mit diesem Slogan wurde das Benefiz-Fußballturnier in Wittenberg beworben.

Gemeinsam beten und über Theologie diskutieren: Das läuft seit mehreren Jahrzehnten zwischen Lutheranern und Katholiken reibungslos. Doch an diesem Samstagabend wurde der akademische und theologische Austausch zu einem sportlichen Gegeneinander: Vertreter der beiden Konfessionen standen sich auf dem Rasen zu einem Fußball-Match gegenüber.

Bereits 2015 bestritt die vatikanische Fußball-Elf das Hinspiel gegen die Benefiz-Mannschaft der Lutherstadt Wittenberg. Damals waren die Wittenberger zu Gast in Rom und unterlagen der Kleinstaatmannschaft bei Temperaturen um die 40 Grad Celsius mit 1:0. Bei der Revanche konnte die Mannschaft der Reformationsstadt nun ihre Heimvorteile nutzen.

Die Mannschaften spielten ausgeglichen und fair, aber auch an Fouls fehlte es nicht: So fiel das erste Tor der Wittenberger durch einen Freistoß nach Foul bereits fünf Minuten nach Anpfiff. Obwohl es auf beiden Seiten viele Torchancen gab, waren zu Beginn der zweiten Halbzeit wiederholt die Wittenberger erfolgreicher und konnten nur fünf Minuten nach Beginn der zweiten Halbzeit das zweite Tor erzielen.

Das Wittenberger Benefiz-Team trat unter Obhut von Trainer Karl-Heinz Röthel und Trainer-Legende Eduard Geyer, der v.a. als Trainer der DDR-Mannschaft bekannt wurde, und Kapitän Daniel Pflug auf. Für Trainer Röthel stellt dieses Spiel den goldenen Abschluss vor dem Ruhestand dar:

„Das ist natürlich für uns alle eine Freude, weil das in die Geschichtsbücher eingehen wird, dass eine Mannschaft aus Wittenberg erstmals nach Rom eingeladen wurde durch den Vatikan, was für uns alle eine Ehre war. Ich sag’s nochmal: Es gibt nicht viele Mannschaften, die das von sich behaupten können. Und natürlich, dass es zu diesem Rückspiel, gerade jetzt 2017, hier in Wittenberg gekommen ist, dass die Auswahl des Vatikans unserer Einladung Folge geleistet ist, macht uns alle stolz“.

Die Mannschaft setzt sich aus Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen und Schichten zusammen: Es sind Katholiken, Protestanten, aber auch Atheisten dabei. „Wir leben Ökumene, wie sie sein muss, vor“, sagt der Trainer der im Schnitt 45-jährigen Mannschaft, die u.a. aus Ärzten, Unternehmern und Angestellten besteht. Gemeinsam treten sie gelegentlich zu gemeinnützigen Zwecken auf. Diesmal ging je die Hälfte des Erlöses an ein Hospiz und ein leukämieerkranktes Kind. Auch der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU), war zugegen. Er bezeichnete das Spiel als „Zeichen der Ökumene und des friedlichen Miteinanders“.

In der Reformationsstadt fand sich unter mehreren Hundert Fans auch ein Fanblock mit vatikanischer Flagge: Sieben treue Fans eines katholischen Leipziger Fanclubs hatten sich auf den Weg gemacht, um die vatikanischen Spieler anzufeuern.

Trainer der 1974 gegründeten Vatikan-Auswahl „Rappresentativa Dipendenti Vaticana“ ist Gianfranco Guadagnoli, der zu diesem Spiel allerdings persönlich nicht erscheinen konnte und seine Spieler der Obhut des Co-Trainers Sandro Troiani überlies. Wegen eines April-Scherzes von Radio Vatikan glauben viele heute noch, dass einst sogar der legendäre italienische Nationalspieler Giovanni Trapattoni die Vatikanauswahl trainiert habe.

Sport und Fußball sind für den Vatikan keine Fremdworte: Man mag es kaum glauben, aber auch in dem nur rund 600 Einwohner zählenden Stadtstaat gibt es seit 1972 eine Fußballliga, die heute aus acht Mannschaften besteht. Amtierender Meister sind die vatikanischen Museen, „Musei Vaticani“. Die Mannschaften werden vor allem durch Mitarbeiter des Vatikans gebildet, so z.B. von der Gendarmerie, der Schweizer Garde oder den Vatikanischen Museen. Aufgrund der vielen Verpflichtungen der Mitarbeiter musste allerdings im Jahr 1993 vom „Calcio“ auf „Calcetto“ umgestiegen werden – Kleinfeldfußball also, bei dem fünf gegen fünf Spieler auftreten. Es werden nur selten Länderspiele bestritten.

Aufgrund der geringen Zahl an vatikanischen Staatsbürgern nimmt der vatikanische Fußballbetrieb auch nicht an internationalen Turnieren der FIFA oder der UEFA teil. Da der Vatikanstaat auch von seiner Fläche her zu klein ist, um neben Petersdom und den vatikanischen Museen ein Fußballfeld zu platzieren, finden Heimspiele in Rom statt. Spiele werden zumeist gegen Kleinstaaten wie San Marino, Monaco oder andere internationale Gäste bestritten, wie z.B. Betriebe, die im Rahmen ihres Romaufenthaltes ein Duell anfragen. Die vatikanische Mannschaft tritt in gelb-weißen Trikots auf und singt vor den Spielen die vatikanische Hymne.

Neben dem Spiel verbrachte die Vatikanauswahl drei schöne Tage in Wittenberg und mit den Wittenbergern. Auch wenn – mit den Worten der Organisatoren - der „Papst“ diesmal „Luther“ unterliegen musste, war es ein Spiel, das sicherlich die Freundschaft unter den beiden Teams stärkte und auch die Menschen einte. Und vor allem war es - Gott sei Dank - nur ein Spiel. 

(rv 19.06.2017 vs/mg)

19/06/2017 07:03