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Papstmesse: Keiner kann sich selber trösten

Papst Franziskus bei der Morgenmesse

12/06/2017 11:45

Trost: Ganze elf Mal kommt dieses Wort in den ersten sieben Sätzen des Zweiten Korintherbriefs vor. Ein Beispielsatz: „Gott tröstet uns in all unserer Not, damit auch wir die Kraft haben, alle zu trösten, die in Not sind, durch den Trost, mit dem auch wir von Gott getröstet werden.“

Papst Franziskus nahm das an diesem Montag zum Anlass, um bei seiner Frühmesse in der Casa Santa Marta über das Thema Trost zu predigen. Was ist Trost? Erste Antwort des Papstes: Nichts, das man sich selbst spenden könnte.

„Die Erfahrung des Trostes, die eine spirituelle Erfahrung ist, braucht immer einen Anderen, um vollwertig zu sein. Keiner kann sich selber trösten, keiner. Und wer es versucht, der endet damit, dass er sich selbst im Spiegel sieht. Dass er versucht, sich selbst zu betrügen. Dass er sich schminkt, als wäre er ein anderer. Der tröstet sich dann mit etwas, das ihn nicht reifen lässt; die Luft, die er atmet, ist die narzistische Luft der Ich-Bezogenheit. Das ist der geschminkte Trost, der einen nicht reifen lässt. Das ist gar kein Trost, weil er in sich verschlossen ist – ihm fehlt der Andere.“

Solche Typen des falschen Trostes fänden sich in den Evangelien zuhauf, fuhr der Papst fort. Die Schriftgelehrten zum Beispiel, die so „selbstzufrieden“ gewesen seien. Oder der Pharisäer, der gebetet habe: „Herr, ich danke dir, dass ich nicht so bin wie die anderen“. „Der sah auch nur sich selbst im Spiegel“, kommentierte Franziskus, „der sah nur seine eigene, von Ideologien geschminkte Seele“.

Trost braucht also den Anderen – er kommt von seinem tiefsten Wesen her von einem Anderen, denn Gott selbst sei es, der tröste, der die Gabe des Trostes gebe. Echter Trost führe dann auch zur Reife, wiederum andere zu trösten.

„Wahrer Trost hat diese Doppelheit: Er ist Gabe und Dienst. Wenn ich den Trost des Herrn als Gabe bei mir einlasse, dann weil ich diesen Trost nötig habe. Ich habe nötig: Um getröstet zu werden, muss ich dieses Bedürfnis anerkennen. Nur dann kommt der Herr, tröstet uns und gibt uns die Mission, auch andere zu trösten. Es ist gar nicht so leicht, ein offenes Herz zu haben, um die Gabe zu empfangen, und dann den Dienst zu leisten. Die Doppelheit, die den Trost möglich macht.“

Offenes Herz – das sei dasselbe wie ein glückliches, ein seliges Herz. Mit dieser Formulierung schlug der Papst den Bogen zum Evangelium, das die Seligpreisungen Jesu in der Version des Matthäus bietet. Dieses Evangelium bringe auf den Punkt, wer „die Glücklichen, die Seligen“ seien: „Die Armen. Das Herz öffnet sich mit einer Haltung der geistigen Armut. Die, die zu weinen verstehen, die Milden... Die, die nach Gerechtigkeit hungern, die für Gerechtigkeit kämpfen. Die Barmherzigen. Die, die reinen Herzens sind. Die, die Frieden stiften. Die, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden. So öffnet sich das Herz, und der Herr kommt mit der Gabe seines Trostes und mit der Mission, die anderen zu trösten.“

Nicht trostfähig seien hingegen die „Verschlossenen“: die „Reichen im Geiste“, also die, die glaubten, alles komme nur auf sie selbst an. „Die, die es nicht nötig haben zu weinen, weil sie sich gerecht fühlen.“ Die Gewalttäter, die Ungerechten, die Unbarmherzigen. „Die, die schmutzigen Herzens sind“ und die „Kriegsstifter“. Auch die, die niemals kritisiert oder verfolgt würden, weil sie sich nie für andere einsetzten. „Diese haben ein verschlossenes Herz“, so Papst Franziskus. Sie könnten nicht glücklich sein, weil die Gabe des Trostes nicht in ihr Herz gelange.

(rv 12.06.2017 sk)

12/06/2017 11:45