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Jemen: Bürgerkrieg ist „Keimboden für Cholera“

Binnenvertriebene leben unter schwierigsten Umständen im Jemen - EPA

18/05/2017 12:42

Der Bürgerkrieg im Jemen ist der „Keimboden“ für den jüngsten Cholera-Ausbruch in dem vorderasiatischen Land. So bringt der Generalsekretär der Hilfsorganisation Care, Karl-Otto Zentel, die aktuelle Krisenlage auf den Punkt.

„Die Cholera ist ein Zeichen, ein Ergebnis des Bürgerkrieges, der seit zwei Jahren im Jemen tobt, Millionen von Menschen vertrieben hat und dazu führt, dass zwei Drittel der Bevölkerung auf internationale Hilfe angewiesen sind“, sagt Zentel, der sich vor wenigen Tagen selbst ein Bild von der Lage vor Ort machen konnte. „Und das hat natürlich dazu geführt, dass das öffentliche System, also die Gesundheitsversorgung, aber auch die Wasser- und Abwasser-Dienste zusammengebrochen und in miserablem Zustand sind. Das sind die Voraussetzungen, der Keimboden, auf dem dann so etwas wie der Cholera-Ausbruch entsteht.“

Rasant hatte sich die Seuche ausgebreitet: innerhalb von wenigen Tage stieg die Zahl der Toten von 51 auf 116, teilten die jemenitischen Behörden mit, die am Sonntag den Notstand erklärten. Knapp 8600 Krankheitsfälle seien bislang gemeldet worden.

Hygiene und sauberes Trinkwasser dämmen die Seuche ein

Fehlende Waschmöglichkeiten und unreines Wasser bieten ideale Voraussetzungen für die bakterielle Infektionskrankheit. Care setzt deshalb in diesem Bereich mit Maßnahmen an, die sich vormals bewährt haben, berichtet Zentel: „Es ist nicht der erste Cholera-Ausbruch im Jemen, wir hatten schon einen kleineren Ausbruch im vergangenen Jahr, der eingedämmt werden konnte. Care hat da etwa mit Hygiene-Schulungen, aber auch mit Hygiene-Paketen, die verteilt wurden, geholfen, sich aber auch ganz stark auf Maßnahmen konzentriert, die die Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser versorgen und die Hygienesituation verbessern, also Latrinen. Das sind Voraussetzungen zur Prävention.“

Sauberes Trinkwasser ist im Jemen derzeit Mangelware: nur ein Drittel der Bevölkerung hat Zugang dazu. Auch fehlen Medizin und allgemein Behandlungsmöglichkeiten für die Kranken. Das Gesundheitssystem ist praktisch lahmgelegt. Zentel spricht in diesem Kontext von einem „Kollaps öffentlicher Infrastruktur und des öffentlichen Dienstes“. Allein könnte der Jemen die neue Krise auf keinen Fall bewältigen, so der Care-Generalsekretär:

„Die Konfliktparteien haben natürlich eigene Strukturen aufgebaut, Regierungs-, Verwaltungsstrukturen sind noch vorhanden, aber – um es zu verdeutlichen: seit acht Monaten wurden keine Gehälter mehr gezahlt, das heißt die Funktionalität ist sehr, sehr eingeschränkt. Dann fehlt es an medizinischem Nachschub, an Medikamenten, Ausstattung, Infusionen, all dem, was man braucht in Gesundheitszentren beziehungsweise Krankenhäusern. Es fehlt auch an den Möglichkeiten der Wasseraufbereitung.“

Die Kämpfe zwischen schiitischen Huthi-Rebellen und Truppen von Präsident Abd-Rabbu Mansour Hadi halten im Jemen bereits seit 2015 an. Die Konfliktlinien sind kompliziert und gehen über nationale Interessen weit hinaus. Um eine Vertreibung der Rebellen bemüht sich eine internationale Koalition unter der Führung Saudi-Arabiens.

(rv 18.05.2017 pr)

18/05/2017 12:42