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Kardinal Marx: „Europa entscheidet sich in den kommenden Jahren“

Kardinal Marx im Gespräch mit Radio Vatikan - RV

16/05/2017 18:06

„Es entscheidet sich jetzt in den kommenden Jahren, ob Europa wieder in nationale Interessen zerfällt oder ob es sich aufrafft zu einer gemeinsamen Vision für die Zukunft“: Kardinal Reinhard Marx blickt in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (Comece) gleichzeitig mit Zuversicht und Sorge auf Europa.

Zur Zusammenarbeit gebe es keine Alternative, so Marx gegenüber Radio Vatikan, „das wird alle Beteiligten etwas kosten, es wird nie nur Gewinner geben.“ Solidarität bedeute, sowohl die Stärken als auch die Schwächen gemeinsam zu tragen. „Das wird noch ein spannungsvolles Jahrzehnt werden für die Zukunft Europas.“

Europa neu denken

Gemeinsam mit dem gesamten Präsidium der Comece war Kardinal Marx an diesem Dienstag von Papst Franziskus empfangen worden, über eine Stunde haben sie sich dabei über europäische Themen ausgetauscht. Ein Thema war der Kongress, den die Comece im Oktober hier in Rom unter der Überschrift „Europa neu denken“ veranstalten wird. „Der Papst hat uns dazu viel Mut gemacht“, sagt Marx. „Es ist ja das erste Mal, dass wir gemeinsam mit dem Vatikan einen Kongress über die Zukunft Europas machen.“ Durch den Kongress wolle man den Dialog zwischen Politik und Kirche stärken, „denn wir alle haben ja keine fertigen Antworten. Wir spüren alle, dass Europa am Scheideweg ist.“ Strukturen, Zukunft und Ideen stünden in Frage. „Da braucht es einen intensiven Austausch in der Kirche, aber eben auch mit denen, die in der Verantwortung stehen.“ Der Kongress solle dabei helfen.

Europa ist nicht nur für sich selber da

Die eigene Aufgabe sieht die Comece laut Kardinal Marx drin, Europa sozialethisch zu begleiten und für die katholische Soziallehre einzustehen. Darüber hätten sich das Präsidium und der Papst ausgetauscht. „Wir müssen über den Kapitalismus hinaus denken“, nennt Kardinal Marx ein Thema. „Da sind wir einig mit dem Papst, wir brauchen eine Erneuerung und eine wirklich soziale Marktwirtschaft. Europa hat eine Verantwortung für die Welt und ist nicht nur für sich selber da, Europa soll ein Beitrag sein für eine bessere Welt.“

Sorge und Zuversicht

Bei seiner Rede vor dem EU-Parlament in Straßburg hatte Papst Franziskus vor Partikularismen gewarnt, die Sorge teilen die Bischöfe, aber dazu kommen noch andere Anliegen aus den Kirchen und Gesellschaften der EU: „Die Sorge um die Sicherheit der Arbeitsplätze, die Sorge um die eigene Identität, um die eigene Kultur, das sind Ängste und Befürchtungen, die man ernst nehmen muss. Da sind einige Bischöfe vielleicht zuversichtlicher und andere sind ängstlicher.“

Angesprochen auf die Wahlen in Europa – Niederlande, Frankreich, Deutschland, Österreich und andere – und auf den Populismus, der damit einher gehe, betont Kardinal Marx seine Zuversicht: „Wie soll ein Christ nicht zuversichtlich sein? Aber ich habe natürlich auch Sorge, weil ich die Herausforderungen etwa der Eurozone sehe. Ein wenig kann ich mich da hinein denken und dorthinein, was das für Sozialpolitik und Finanzpolitik bedeutet. Deswegen wollen wir ja auch unterstreichen, dass Europa sozialer werden muss.“ Das müsse eine neue „Säule der Zusammenarbeit“ werden. „Da werden einige Spannungen auf uns zukommen, die werden nicht klein sein, davon gehe ich aus.“

 

(rv 16.05.2017 ord)

16/05/2017 18:06