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Papst Franziskus \ Reisen

Pressekonferenz: Trump, Piusbrüder, Kinderschutz

Papst Franziskus bei der Pressekonferenz während des Rückfluges - ANSA

13/05/2017 21:00

Alle offenen Fragen von Kirche und Vatikan dem Papst vorlegen, zumindest in der bei einem Flug zur Verfügung stehenden Zeit: Auch bei der Rückkehr aus Fatima stellte sich Papst Franziskus den Fragen der mitreisenden Journalisten. Donald Trump kam zur Sprache, Medjugorje, die Piusbrüder und der Umgang mit Missbrauch. Aber der Reihe nach:

Nach Fatima sei er mit einer Botschaft des Friedens gereist, wie auch die Botschaft der Muttergottes vor 100 Jahren eine des Friedens gewesen sei. Nun werde der Papst am 24. Mai den US-Präsidenten treffen, was könne sich die Welt von einem Treffen Papst Franziskus – Donald Trump erwarten?

„Eine Botschaft des Friedens“, antwortete Papst Franziskus. Ohne direkt auf die Begegnung mit Trump einzugehen erzählte er von der Audienz direkt vor dem Abflug nach Fatima, am Freitagmorgen mit Astronomen. Ein nichtglaubender Wissenschaftler habe ihn ausdrücklich gebeten, unter den Christen für Verständigung mit den Muslimen zu werben. „Das war eine Botschaft des Friedens“, kommentierte der Papst.

Der Papst, Donald Trump und die US-Politik

Und gleich eine Nachfrage: er habe die Gläubigen aufgefordert, Mauern niederzureißen, mit Präsident Trump komme aber jemand, der ausdrücklich Mauern bauen wolle. Da liege ein Gegensatz zwischen den beiden, andere Gegensätze lägen darüber hinaus bei Umweltfragen oder der Aufnahme von Flüchtlingen. „Ich fälle niemals ein Urteil über jemanden, ohne ihn vorher zu hören“, so der Papst. In dem Gespräch werden beide sagen, was sie denken. „Es gibt immer Türen, die nicht geschlossen sind“, benannte er seine Erwartungen von dem Treffen. „Diese Türen zu suchen, die wenigstens etwas offen sind, über gemeinsame Interessen sprechen, und von dort aus weiter gehen, Schritt für Schritt. Der Frieden ist ein Handwerk.“ Auch für das gegenseitige Verständnis und die Wertschätzung einer Person gelte dasselbe, das sei Handwerk. „Man muss aber sehr aufrichtig sein mit dem, was man denke.“

Was er von der US-Politik im Einzelnen halte? „Das wissen Sie selber ganz gut“, antwortete der Papst den Journalisten.

Piusbrüder und Missbrauch

Im Vorfeld der Reise hatte es Spekulationen um eine eventuelle Einigung mit der schismatisch orientierten Piusbruderschaft gegeben, auch das wurde Gegenstand einer Frage. Wird es bald so eine Einigung geben? Was sind die Hürden? „Die Versammlung der Glaubenskongregation hat vor wenigen Tagen ein Dokument studiert. Bei mir selber ist das Dokument bislang aber noch nicht angekommen.“ Der Papst erinnerte an die Erlaubnis für die unerlaubt geweihten Priester der Bruderschaft, Beichte zu hören und Eheschließungen vorzunehmen.

Aber da seien auch noch Probleme, zum Beispiel der sexuelle Missbrauch durch Mitglieder der Bruderschaft. Vor einigen Wochen hatte ein Bericht im Schwedischen Fernsehen Wellen geschlagen, der von mehreren Fällen von Missbrauch und von Vertuschung berichtet hatte.

Es gebe brüderliche Beziehungen, sagte der Papst, mit Bischof Bernard Fellay – dem Leiter der Bruderschaft – habe er selber mehrfach gesprochen. „Mir gefällt es aber nicht, die Dinge allzu sehr zu beschleunigen.“ Es sei für ihn keine Frage von Siegern und Besiegten, sondern von Brüdern, fügte er noch an.

Vatikan und Kinderschutz

Angesprochen auf Mary Collins, das Mitglied der Kinderschutzkommission des Papstes das mit Verweis auf mangelnde Bereitschaft im Vatikan ihre Amt nieder gelegt habe, berichtete der Papst von dem Gespräch, das er mit ihr gehabt habe. Sie mache weiter in der Prävention und Ausbildung, und auch was ihren Vorwurf angehe habe sie ein wenig Recht. „Es gibt so viele Fälle, die verspätet behandelt werden“, so der Papst. Man habe den juristischen Rahmen in der Kirche erst schaffen müssen, das habe viel Zeit gekostet, erklärte der Papst. Außerdem gebe es nicht ausreichend Mitarbeiter, die ausgebildet seien, sich damit zu befassen, auch das ein Problem.

Ökumene und Reformationsgedenken

Es gebe schon große Schritte in Sachen Ökumene, antwortete der Papst auf die Frage, ob es vielleicht noch in diesem Jahr zu neuen Schritten aufeinander zu kommen werde, wie Kardinal Walter Kasper angedeutet habe. In Schweden habe man auf die Ökumene der Märtyrer verwiesen und die Ökumene des gemeinsamen Handelns, der Barmherzigkeit, betont. Hier lägen die nächsten großen Schritte. „Die Theologen studieren die Fragen weiter, und wir müssen den Weg weiter gehen, niemals stehen bleiben. Immer das Herz offen für Überraschungen.“

Medjugorje

Von den Erscheinungen in Fatima ist es ein kleiner Schritt zu den Erscheinungen in Medjugorje, auch danach wurde der Papst gefragt. „Alle Erscheinungen oder angeblichen Erscheinungen sind Privatoffenbarungen, sie sind nicht Teil des offiziellen Lehramtes der Kirche“, schob der Papst voraus. Er berichtete über die Fortschritte der Kommission, welche die Erscheinungen in Medjugorje untersuche, das sei ein sehr guter Bericht geworden. „In der Glaubenskongregation gab es aber noch Zweifel“, berichtete der Papst, deswegen habe er entschieden, dass alle Zweifel ihm selber vorgelegt werden sollten.

Der Papst ging dann in die Details der Studie: Die ersten Erscheinungen müsse man sich weiter genauer ansehen, über die aktuellen angeblichen Erscheinungen habe die Untersuchung ihre Zweifel. „Ich selber bin da böse“, ergänzte der Papst. „Ich ziehe die Madonna als Mutter einer Madonna als Bürochef vor, die jeden Tag zu einer festgelegten Stunde eine Botschaft schickt. Das ist nicht die Mutter Jesu. Diese angeblichen Erscheinungen haben keinen großen Wert, “ das sei aber seine persönliche Meinung.

Der weiß gekleidete Bischof des Dritten Geheimnisses

Natürlich ging es bei der Konferenz auch um die Geheimnisse von Fatima, Papst Franziskus hatte von sich selbst als „weiß gekleidetem Bischof“ gesprochen, ein Satz, den zuvor Papst Johannes Paul II. auf sich und das Attentat auf ihn 1981 bezogen hatte. Er habe das Gebet nicht selber geschrieben, antwortete der Papst, aber er sehe eine Verbindung in der Farbe Weiß. „Unschuld, Frieden, dem anderen nichts Schlechtes antun, keinen Krieg führen“, für das alles stehe Weiß, beim Bischof im Geheimnis genauso wie etwa dem Taufkleid. Hier liege die Verbindung zu ihm. Was die Erklärung des dritten Geheimnisses anging verwies Papst Franziskus auf den damaligen Kardinal Joseph Ratzinger, der habe das bei der Veröffentlichung 2000 „klar erklärt“.

25 Jahre Bischof

Eine persönliche Note hatte die Pressekonferenz, als der Papst auf die Tatsache angesprochen wurde, dass er auf den Tag genau vor 25 Jahren den Anruf des Nuntius in Argentinien bekommen habe, er solle Weihbischof in Buenos Aires werden. „Mir ist das gestern beim Gebet vor der Muttergottes eingefallen“, antwortete der Papst. Er habe gebetet, vor allem um Verzeihung für all das, was er falsch gemacht habe.

(rv 13.05.2017 ord)

13/05/2017 21:00