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Rosenkranzgebet: „Barmherzigkeit dem Gericht überordnen“

Rosenkranzgebet in Fatima - REUTERS

12/05/2017 22:00

Sie ist das Herz des Heiligtums von Fatima: die Erscheinungskapelle, die sich an der Stelle erhebt, an der die Gottesmutter den Hirtenkindern erschien. Papst Franziskus kehrte dort am Freitagabend ein.

Es war einer der bislang stimmungsvollsten Momente der Papstreise nach Fatima: Das Rosenkranzgebet des Papstes mit Fatima-Pilgern in der Kapelle der Marienerscheinungen. Der Papst betete zunächst still und weihte Kerzen - ein Moment der Andacht. Vor dem Rosenkranzgebet wandte er sich in einer Ansprache an seine Zuhörer.

Abschluss des Papsttages

Der Papst begann mit warmen Worten: „Zunächst möchte ich euch allen, die ihr jetzt hier oder anderswo mit mir verbunden seid, bekräftigen, dass ihr alle mir am Herzen liegt. Ich spüre, dass Jesus euch mir anvertraut hat (vgl. Joh 21,15-17). Daher umarme ich euch alle und empfehle euch Jesus, ,besonders jene, die seiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen‘ – wie die Mutter Gottes uns zu beten gelehrt hat.“

In der Erscheinungskapelle von Fatima empfahl Franziskus dann alle Bedürftigen, Entrechteten und Leidenden der Welt der Fürsprache der Maria, der „sanften und fürsorglichen Mutter“, an. „Mit Christus und mit Maria bleiben wir in Gott“, erinnerte er, „wenn wir Christen sein wollen, müssen wir auch marianisch sein“. Die Gottesmutter stärke den Glauben an „das Revolutionäre der Zärtlichkeit und der Liebe“, betonte der Papst, der Passagen aus seinem Apostolischen Schreiben ,Evangelii gaudium‘ zitierte:

„An ihr sehen wir, dass die Demut und die Zärtlichkeit nicht Tugenden der Schwachen, sondern der Starken sind, die nicht andere schlecht zu behandeln brauchen, um sich wichtig zu fühlen. […] Diese Dynamik der Gerechtigkeit und der Zärtlichkeit, des Betrachtens und des Hingehens zu den anderen macht Maria zu einem kirchlichen Vorbild für die Evangelisierung. - Möge jeder von uns mit Maria zu einem Zeichen und Sakrament der Barmherzigkeit Gottes werden, des Gottes, der immer vergibt und alles vergibt.“

Welche Maria?

Franziskus ging auch nachdenklich auf Stilisierungen und subjektiv geprägte Bilder der Gottesmutter im kirchlichen Leben ein. Er forderte die Gläubigen auf, sich darüber Gedanken zu machen: „Ist sie eine Lehrerin des geistlichen Lebens, die erste, die Christus auf dem ,schmalen Weg‘ des Kreuzes gefolgt und so unser Vorbild geworden ist – oder ist sie vielmehr eine ,unnahbare‘ Herrin, die wir nicht nachahmen können? Ist sie ,selig‘, weil sie immer und in jeder Lage an die göttlichen Worte ,geglaubt hat‘ (vgl. Lk 1,42.45) oder ist sie vielmehr ein Heiligenbild, an das man sich wendet, um schnell und billig eine Gunst zu erhalten?“

Es existiere auch ein Bild der Maria als diejenige, die Gottes Urteil abmildere, die „den Richterarm Gottes zurückhält, der zur Bestrafung ausholt“, formulierte der Papst – sozusagen in Kontrast zur Strenge des Herrn: „Als wäre sie eine Maria, die gütiger als Christus ist, der als grausamer Richter erscheint; als hätte sie mehr Erbarmen als das Lamm, das für uns geopfert wird?“

Der Papst widersprach dieser Interpretation: „Man tut Gott und seiner Gnade Unrecht, wenn man an erster Stelle sagt, dass die Sünden durch sein Gericht bestraft werden, ohne voranzustellen – wie es das Evangelium deutlich macht –, dass er sie in seiner Barmherzigkeit vergibt! Wir müssen die Barmherzigkeit dem Gericht überordnen. Jedenfalls geschieht das Gericht Gottes immer im Licht seines Erbarmens.“

Diese Barmherzigkeit bedeute keine Leugnung von Gerechtigkeit, präzisierte der Papst. Denn Jesus habe die Sünden der Menschheit „am Kreuz für uns bezahlt“: „Und so sind wir im Glauben, der uns mit dem Kreuz Christi verbindet, von unseren Sünden frei. Legen wir jede Form von Angst und Furcht ab, denn das ziemt sich nicht für jemanden, der geliebt wird (vgl. 1 Joh 4,18).“

Maria habe dem Sohn des ewigen Vaters ein menschliches Gesicht gegeben, sie habe verdeutlicht, dass der Herr Erbarmen sei, unterstrich der Papst: „Von Maria an der Hand genommen und unter ihren Augen können wir mit Freuden das Erbarmen des Herrn besingen. Wir können sagen: Meine Seele singt für dich, mein Herr! Die Barmherzigkeit, die du allen deinen Heiligen und dem ganzen gläubigen Volk erwiesen hast, ist auch zu mir gelangt.“

Im Anschluss betete der Papst mit den anwesenden Gläubigen den Rosenkranz, gebetet wurde in verschiedenen Sprachen, neben Portugiesisch und Spanisch zum Beispiel auch Arabisch, Ukrainisch und auch Deutsch. Nach dem Gebet zog sich Papst Franziskus zur Nachtruhe zurück, während Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin einer Marienprozession vorstand, auch das in Vorbereitung auf die Heiligsprechung an diesem Samstag.

(rv 12.05.2017 pr)

12/05/2017 22:00