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Papst Franziskus \ Reisen

Fliegende Pressekonferenz: Nordkorea, EU, Sisi, KZ

Der Papst während seiner fliegenden Pressekonferenz - AFP

30/04/2017 08:51

Papst Franziskus warnt eindringlich vor einer Eskalation in der Nordkorea-Krise. Wenn es zu einem Krieg käme, könne dieser einen Teil der Menschheit auslöschen, sagte der Papst auf dem Rückflug von seiner Ägyptenreise am Samstagnachmittag im Gespräch mit mitreisenden Journalisten.

„Ich rufe (die Verantwortlichen) dazu auf, die Probleme (mit Nordkorea) auf diplomatischem Weg zu lösen. Es gibt doch so viele Vermittler in der Welt, und so viele Länder – zum Beispiel Norwegen –, die immer zur Hilfe bereit sind. Der richtige Weg sind Verhandlungen, eine diplomatische Lösung, denn es geht um die Zukunft der Menschheit.“

Einmal mehr sprach Franziskus von einem „Dritten Weltkrieg in Stücken“, der längst ausgebrochen sei. „Die Frage der Raketen in (Nord-)Korea stellt sich schon seit langem, sie hat sich jetzt zu sehr aufgeheizt. Ich rufe dazu auf, sie diplomatisch zu lösen, denn ein größerer Krieg würde einen guten Teil der Menschheit zerstören! Das wäre furchtbar. Sehen wir doch mal auf die vielen Länder, die derzeit Krieg erleben: im Nahen Osten, im Jemen, aber auch in Afrika. Halten wir inne, und bemühen wir uns um die diplomatische Lösung! Nach meiner Überzeugung sollte die UNO wieder ihre Führungsrolle übernehmen, die ein bisschen verwässert worden ist.“

Bei dem etwa dreißigminütigen Frage-und-Antwort-Spiel äußerte sich Franziskus auch zu anderen aktuellen Themen. Mit knappen Worten erklärte er auf eine Reporterfrage hin seine Bereitschaft, sich mit dem neuen US-Präsidenten Donald Trump zu treffen, sobald dieser um eine Audienz nachsuche.

„Europa wurde von Migranten gemacht“

Eher allergisch reagierte er auf die Frage, ob er während seines Aufenthalts in Ägypten Präsident Abdelfatah al-Sisi „unterstützt“ habe. „Ich habe von Werten an sich gesprochen, von der Verteidigung des Friedens, der Harmonie unter den Völkern, der Gleichheit aller Staatsbürger, ganz gleich welcher Religion sie angehören. Von Werten habe ich gesprochen. Ob nun ein Regierender den einen oder anderen dieser Werte verteidigt, das ist eine andere Frage... Ich mische mich nicht ein, ich spreche einfach von Werten. Jeder möge selbst beurteilen, ob eine Regierung oder ein Staat diese Werte vorwärts bringt.“

Nicht einmischen will sich Franziskus auch in innere Angelegenheiten in Staaten der Europäischen Union – das sagte er auf die Frage nach seiner Haltung zum Wahlkampf ums Präsidentenamt in Frankreich. „Jedes Land ist frei darin, seine Wahl zu treffen, wie es sie für richtig hält, ich kann das nicht beurteilen... Es stimmt allerdings, dass Europa sich aufzulösen droht, darüber sollten wir nachdenken. Eines der Probleme, das diese Phänomene womöglich nährt, ist das der Einwanderung. Aber vergessen wir dabei doch nicht, dass Europa von Migranten gemacht wurde, von Jahrhunderten der Migranten: Das sind wir!“

„Manche Flüchtlingslager sind wahre KZs“

Vom französischen Wahlkampf wisse er eigentlich nur, dass Marine Le Pen „von der Rechten komme“; woher Emmanuel Macron komme, wisse er dagegen nicht, und darum könne er dazu „keine Meinung abgeben“. Allerdings ließ der Papst erkennen, dass er der Gründung einer spezifisch katholischen Partei in Frankreich nicht viel abgewinnen kann, das wäre eine Idee „aus dem letzten Jahrhundert“.

Ein Journalist bat Franziskus, seinen umstrittenen Vergleich von Flüchtlingslagern mit „Konzentrationslagern“ zu erklären. Ob das ein Lapsus gewesen sei? „Aber es gibt doch Flüchtlingslager, die wahre Konzentrationslager sind! Vielleicht auch in Italien, auch anderswo – in Deutschland nicht. Was können denn Leute tun, die in ein Lager eingeschlossen sind und nicht herausdürfen? ... Eingeschlossen sein, das ist ein Lager.“

(rv 30.04.2017 sk)

30/04/2017 08:51